Briefwechsel

Rüdin, Ernst und Wedekind, Frank

1 Korrespondenzstück

St. Gallen, 4. Oktober 1890 (Samstag)
von Rüdin, Ernst
an Wedekind, Frank

Hochgeehrter Herr!

Im Auftrage meines SchwagersDr. med. Alfred Plötz, der spätere Rassenhygieniker, der an der Universität Zürich studierte und am 27.10.1890 mit der Dissertation „Die Vorgänge in den Froschhoden unter dem Einfluss der Jahreszeit“ (1890) promoviert wurde, war seit dem 27.5.1890 mit einer Schwester Ernst Rüdins verheiratet, der Ärztin Dr. med. Pauline Plötz (geb. Rüdin), die ebenfalls in Zürich studiert hatte und am 28.6.1890 promoviert wurde. Das Paar wanderte in die USA aus. Wedekind verkehrte in den späten 1880er Jahren in Zürich im Kreis um Carl Hauptmann, wo er Alfred Plötz kennengelernt haben dürfte, den Gerhart Hauptmann zu seinen „Freunden“ [Hauptmann 1937, S. 409] zählte und sich auch an „Pauline Rüdin“ [Hauptmann 1937, S. 412] erinnerte. Dr. Alfred Plötz sende ich Ihnen hiemit Gottfried Kellers Gedichte, die Sie die Freundlichkeit hatten, ihm zu überlassenWedekind, der seit dem 5.7.1889 in München lebte [vgl. Tb] (davor seit dem 18.5.1889 in Berlin), dürfte Alfred Plötz spätestens im Frühjahr 1889 in Zürich entweder die Erstausgabe „Gesammelte Gedichte“ (1883) von Gottfried Keller, oder die zweite Auflage von 1884, beide erschienen im Verlag von Wilhelm Hertz in Berlin, geliehen haben. Wedekinds Exemplar ist nicht überliefert. mit bestem Danke zurück u. bitte Sie, entschuldigen zu wollen, wenn einige Verspätung eingetreten sein sollte.

Hochachtend
Ernst Rüdin


St. Gallendie Heimatstadt von Ernst Rüdin, dem späteren Psychiater, Humangenetiker und Rassenhygieniker, der seinerzeit noch Gymnasiast in St. Gallen war und sein Medizinstudium erst 1893 aufnahm., d. 4. Oct. 90.

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