Briefwechsel

Wedekind, Frank und Jonas, Paul

11 Dokumente

Berlin, 23. August 1898 (Dienstag)
von Jonas, Paul
an Wedekind, Frank

[Hinweis in Wedekinds Brief an Otto Julius Bierbaum vom 28.8.1898 aus München:]


[...] die Herren Schuster und Löffler wollen mich [...] verklagen [...]. Vor wenigen Tagen erhalte ich [...] unter Androhung der Klage einen Zahlungsbefehl von ihrem Advocaten Jonas in Berlin.

Einzelstellenkommentare

Berlin, 9. Januar 1906 (Dienstag)
von Wedekind, Frank
an Jonas, Paul

Sehr geehrter Herr JustizratWedekinds übliche Anrede für den Rechtanwalt Paul Jonas, Justizrat in Berlin (Kanzlei: Taubenstraße 16-18, Wohnung: Schaperstraße 32) [vgl. Berliner Adreßbuch 1906, Teil I, S. 966], der ihn im Prozess um „Die Büchse der Pandora“ verteidigte (die letzte Verhandlung fand am 10.1.1906 vor dem Landgericht II in Berlin statt).,

Sie erzählten mir gestern abendWedekind notierte am 8.1.1906 wohl für den früheren Abend „Besuch bei Jonas“ [Tb]., daß mir irgend jemand in einem Streit den ich durch Eingreifen in eine fremde Unterhaltung herbei geführt haben soll, „e/E/ine herunter gehauen habe“. Darf ich Sie höflichst bitten mir mitzutheilen, wer Ihnen diese Geschichte erzählt hat.

In der festen Überzeugung, daß Sie diese Aufforderung nicht nur gerechtfertigt sondern durchaus selbstverständlich finden und mir dementsprechend antworten werden, bitte ich Sie, den Ausdruck meiner vorzüglichsten Hochschätzung entgegen zu nehmen.

Fr.W.

Einzelstellenkommentare

Berlin, 2. März 1906 (Freitag)
von Wedekind, Frank
an Jonas, Paul

[Hinweis in Wedekinds Tagebuch vom 2.3.1906 in Berlin:]


BriefJustizrat Dr. Paul Jonas hatte Wedekind bei den Zensurprozessen gegen ihn und den Verleger Bruno Cassirer um „Die Büchse der Pandora“ (1903) vertreten. In dritter Instanz erfolgte am 23.2.1906 das abschließende Urteil durch das Landgericht II in Berlin (berichtigt am 9.3.1906) [vgl. KSA 3/II, S. 1167-1181], auf das sich der verschollene Brief Wedekinds wahrscheinlich bezogen hat. Wedekind notierte zu der Sache dann am 5.4.1906: „Unterredung mit Cassirer bei Jonas über Neuausgabe der B. d. Pandora. Jonas giebt mir die Urtheile des Landgericht I und des Reichsgerichts.“ [Tb] an Jonas.

Einzelstellenkommentare

Berlin, 9. März 1907 (Samstag)
von Wedekind, Frank
an Jonas, Paul

Sehr verehrter Herr JustizratPaul Jonas, Justizrat in Berlin (Kanzlei: Taubenstraße 16-18, Wohnung: Schaperstraße 32) [vgl. Berliner Adreßbuch 1907, Teil I, S. 1031].!

ich kann Ihnen Karten leider nicht schicken, da es keine mehr gab. Sie erhalten aber zwei ganz vorzügliche Plätze, wenn Sie an der Kasse heute Abendam 9.3.1907 um 20 Uhr in den Kammerspielen des Deutschen Theaters zu Berlin [vgl. Berliner Tageblatt, Jg. 36, Nr. 124, 9.3.1907, Morgen-Ausgabe, 2. Beiblatt, S. (4)] die 70. Vorstellung von Max Reinhardts erfolgreicher Inszenierung von „Frühlings Erwachen“ (Uraufführung: 20.11.1906), wie Wedekind notierte: „Frl. Erw. 70.“ [Tb] meinen Namen nennen wollen. Das Theater hat sich sehr über | den Ausgang des ProzessesZusammenhang nicht ermittelt. Justizrat Paul Jonas war seit einigen Jahren Rechtskonsulent des Lessingtheaters (Direktion: Otto Brahm) [vgl. Neuer Theater-Almanach 1907, S. 289], dürfte als Rechtsanwalt aber nach wie vor juristisch auch weiterhin für das Deutsche Theater tätig gewesen sein. gefreut und sagte daß Sie nicht nur fünfzehn15 Mark kosteten die teuersten Plätze in den Kammerspielen des Deutschen Theaters (die Plätze darunter lagen bei 5 Mark, 7,50 Mark und 10 Mark) [vgl. Berliner Adreßbuch 1907, Übersichtspläne der Theater, S. 29].- sondern dreißig-Markplätze erhalten würden, wenn es solche gäbe. Sie können also darauf rechnen daß Sie heute Abend gut placiert werden. Sollte Ihnen der Modus trotzdem nicht konvenierenzusagen, angenehm sein., dann würde ich Sie ergebenst bitten, | sich bis nächste Woche gedulden zu wollen.

Mit der Bitte, mich den verehrten DamenClara Jonas (geb. Kahn), die Gattin von Paul Jonas, und deren Tochter Eva Jonas. empfehlen zu wollen
Ihr ergebenster
Frank Wedekind.


9.3.7.


[Kuvert:]


Rohrpost

Herrn Justizrat Dr. P. Jonas
32 Schaperstrasse 32.
WAbkürzung für den Postzustellbezirk Berliner Westen.

Einzelstellenkommentare

München, 9. April 1910 (Samstag)
von Wedekind, Frank
an Jonas, Paul

[Hinweis in Wedekinds Tagebuch vom 9.4.1910 in München:]


TelegrammDie Verschreibung „Cassirer“ statt „Jonas“ in der Notiz zu dem Telegramm dürfte darauf zurückzuführen sein, dass Paul Jonas in Wedekinds Streit mit Bruno Cassirer als Wedekinds Rechtsbeistand tätig war. Wedekind war am 10.3.1910 von seinem Verleger verklagt worden, wie er am 24.3.1910 festhielt: „Erhalte Klage von B. Cassirer vom 10 III.“ [Tb] Der Anwalt hatte am 31.3.1910 in Berlin nach einer Unterredung mit dem Autor den Fall übernommen, wie Wedekind notierte: „Unterredung mit Justizrat Jonas. Er übernimmt meinen Prozes“ [Tb]; am 6.4.1910 fand eine weitere „Unterredung mit Jonas“ [Tb] statt (Wedekind fuhr dann am 6.4.1910 zurück nach München). an Cassirer Jonas [...]

Einzelstellenkommentare

München, 14. April 1910 (Donnerstag)
von Wedekind, Frank
an Jonas, Paul

[Hinweis in Wedekinds Tagebuch vom 14.4.1910 in München:]


Ich schreibe Brief an JonasPaul Jonas war seit dem 31.3.1910 Wedekinds Rechtsbeistand im Streit mit Bruno Cassirer, der Wedekind am 10.3.1910 verklagt hat [vgl. Tb]..

Einzelstellenkommentare

München, 23. April 1910 (Samstag)
von Wedekind, Frank
an Jonas, Paul

[Hinweis in Wedekinds Tagebuch vom 23.4.1910 in München:]


BriefeDer Brief betraf wie zwei weitere Briefe, die am 23.4.1910 notiert sind: „Briefe an Harden Jonas Landsberger“ [Tb], Wedekinds Streit mit seinem Verleger Bruno Cassirer. an [...] Jonas [...]

Einzelstellenkommentare

München, 2. Mai 1910 (Montag)
von Wedekind, Frank
an Jonas, Paul

[Hinweis in Wedekinds Tagebuch vom 2.5.1910 in München:]


BriefDer Brief betraf Wedekinds Streit mit seinem Verleger Bruno Cassirer. an […] Jonas [...]

Einzelstellenkommentare

Berlin, 4. Juni 1910 (Samstag)
von Jonas, Paul
an Wedekind, Frank

[Hinweis in Wedekinds Tagebuch vom 4.6.1910 in München:]


Telegramm von JonasDas Telegramm des Rechtsanwalts ist eine Antwort auf Wedekinds Telegramm vom selben Tag [vgl. Wedekind an Paul Jonas, 4.6.1910]..

Einzelstellenkommentare

München, 4. Juni 1910 (Samstag)
von Wedekind, Frank
an Jonas, Paul

[Hinweis in Wedekinds Tagebuch vom 4.6.1910 in München:]


Telegramm an JonasDer Rechtsanwalt antwortete auf Wedekinds Telegramm noch am selben Tag [vgl. Paul Jonas an Wedekind, 4.6.1910]..

Einzelstellenkommentare

München, 28. September 1910 (Mittwoch)
von Wedekind, Frank
an Jonas, Paul

[Foto]

H. TRAUTHerkunftsnachweis, das von Heinrich Traut in München betriebene Photographische Atelier H. Traut (Neuhauserstraße 9) [vgl. Adreßbuch für München 1911, Teil I, S. 643].. / MUENCHEN.


Herrn Justizrat
Dr. Paul Jonas
zum sechzigsten GeburtstagJustizrat Paul Jonas in Berlin, Rechtsbeistand Wedekinds in den Zensurprozessen um „Die Büchse der Pandora“ (1905/06) und im Streit mit dem Verleger Bruno Cassirer (1910), feierte am 28.9.1910 seinen 60. Geburtstag, wie die Presse berichtete und dabei das Album mit den Widmungen vorstellte: „Justizrat Paul Jonas, der sich so oft und mit so warmem Interesse in den Dienst von Literatur und Kunst gestellt hat, und der einer der Begründer der ‚Freien Volksbühne‘ gewesen ist, feierte seinen sechzigsten Geburtstag. Seine Freunde hatten ihm den Wunsch abgelauscht, Photographien der bedeutenden Persönlichkeiten zu besitzen, denen er als Rechtsanwalt hat nützlich sein können. Unter anderen schickten Sudermann, Wedekind, Fulda, Gerhart Hauptmann, Blumenthal, Max Liebermann, Brahm, Thomas Mann, Else Lehmann, Rudolf Rittner, Paul Schlenther, Arthur Schnitzler, Agnes Sorma, Richard Strauß, Georg Hirschfeld, Louis Corinth ihre Bilder ein. Aus den Widmungen seien die folgenden kleinen Gedichte wiedergegeben:“ [Ein Geburtstag. In: Berliner Tageblatt, Jg. 39, Nr. 498, 1.10.1910, Morgen-Ausgabe, S. (3)] – Wedekinds Gedicht ist abgedruckt (siehe unten).
28. Sept 1910
in Verehrung und Dankbarkeit
Frank Wedekind |


Seltsam sindunbetitelte Fassung des Gedichts „Bajazzo“ – die Fassung vorwegnehmend, die unter dem Titel „Bajazzo (Aus ‚König Nicolo‘)“ [KSA 1/I, S. 655] in der Sammlung „Die vier Jahreszeiten“ (1912) abgedruckt ist (von wenigen Interpunktionsvarianten abgesehen). Die früheren Druckfassungen, der Erstdruck unter dem Titel „Lied des Hanswurst aus dem Schauspiel ‚So ist das Leben‘“ [KSA 1/I, S. 523f.] in der Zeitschrift „Jugend“ (1902) und der Abdruck unter dem Titel „Bajazzo (Aus ‚So ist das Leben‘)“ [KSA 1/I, S. 546f.] in der Sammlung „Die vier Jahreszeiten“ (1905), weichen im Wortlaut ab [vgl. KSA 1/I, S. 1065-1067]. Das Gedicht zu Wedekinds Widmung wurde im „Berliner Tageblatt“ als eines von vier Gedichten aus dem Album zum 60. Geburtstag von Paul Jonas (siehe oben) gedruckt, unterschrieben mit der Verfasserangabe „Frank Wedekind.“ [Ein Geburtstag. In: Berliner Tageblatt, Jg. 39, Nr. 498, 1.10.1910, Morgen-Ausgabe, S. (3)] des Glückes Launen
Wie kein Hirn sie noch ersann,
Daß ich meist vor lauter Staunen
Lachen nicht noch weinen kann.


Aber freilich steht auf festen
Füßen selbst der Himmel kaum,
Drum schlägt auch der Mensch am besten
Täglich seinen Purzelbaum.


Wem die Beine noch geschmeidig,
Noch die Arme schmiegsam sind,
Den stimmt Unheil auch so freudig
Daß ers innig lieb gewinnt.


Frank Wedekind.

Einzelstellenkommentare