Briefwechsel

Wedekind, Frank und Piper, Reinhard

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München, 25. Mai 1905 (Donnerstag)
von Piper, Reinhard
an Wedekind, Frank

[Hinweis in Wedekinds Brief an Reinhard Piper vom 26.5.1905 aus München:]


[...] ich danke Ihnen bestens für das schöne Geschenk [...]

Einzelstellenkommentare

München, 26. Mai 1905 (Freitag)
von Wedekind, Frank
an Piper, Reinhard

Sehr geehrter Herr Piper!

ich danke Ihnen bestens für das schöne GeschenkHinweis auf ein nicht überliefertes Begleitschreiben zur Buchsendung; erschlossenes Korrespondenzstück: Reinhard Piper an Wedekind, 25.5.1905. – Wedekind hat Heft VI „Ernst Neumann“ (1905) der von Hermann Eßwein im Verlag R. Piper & Co. herausgegebenen Reihe „Moderne Illustratoren“ erhalten, das reich illustriert das Werk des Malers, Zeichners und Illustrators Ernst Neumann würdigt, darunter (auf der Seite 52) ein Plakat für ein Karnevalsprogramm der Elf Scharfrichter. Die letzte Seite, die 40 Arbeiten des Künstlers auflistet (darunter 6 Plakate für die Elf Scharfrichter), annonciert: „Die Vertriebsstelle für Graphik, R. Piper & Co., München, Königinstr. 59 hält sämtliche graphische Original-Arbeiten von Ernst Neumann ständig auf Lager“ [Hermann Eßwein: Ernst Neumann. München, Leipzig (1905) (= Moderne Illustratoren. Bd. 6), S. (54)]. Erscheinungstermin des Hefts war der 29.4.1905 [vgl. Börsenblatt für den Deutschen Buchhandel, Jg. 72, Nr. 79, 5.4.1905, S. 3321]. das Sie mir mit dem Neumann-Heft ge|macht haben. Ernst Neumann ist ein so kraftvoller und selbstständiger Künstler daß es mir immer ein befreiender Genuß war, ein Werk von ihm zu sehen. Ich gratuliere Ihnen dazu, daß Sie gerade | auch diesem Künstler, obschon er nicht ganz so berühmt ist wie die andern, ein Heft Ihrer Sammlungdie von Hermann Eßwein im Verlag R. Piper & Co. herausgegebene Reihe „Moderne Illustratoren“, in der bis dahin Hefte über Thomas Theodor Heine, Hans Baluschek, Henri de Toulouse-Lautrec, Eugen Kirchner und Adolf Oberländer erschienen waren. Heft VI, in dem sie und Ernst Neumann aufgelistet sind, enthält den Hinweis: „Die weiteren Hefte behandeln Künstler von derselben Bedeutung. Mit zwölf Heften soll das Werk abgeschlossen vorliegen und dann ein einheitliches Bild der Kunst der Gegenwart vermitteln, soweit sie modernes Leben illustriert.“ [Hermann Eßwein: Ernst Neumann. München, Leipzig (1905) (= Moderne Illustratoren. Bd. 6), S. (4)] gewidmet haben.

Mit bestem Gruß
Ihr
Frank Wedekind.


München 26 V.5.


[Kuvert:]


Herrn RichardSchreibversehen, statt: Reinhard. Der Verleger Reinhard Piper war gemeinsam mit Georg Müller Inhaber der Verlagsbuchhandlung R. Piper & Co. in München (Königinstraße 59) [vgl. Adreßbuch von München für das Jahr 1905, Teil I, S. 383]; er hatte den Verlag 1904 mit Georg Müller gegründet. Piper
München
Königinstrasse 59.I.

Einzelstellenkommentare

München, 22. März 1910 (Dienstag)
von Piper, Reinhard
an Wedekind, Frank

[Hinweis in Wedekinds Brief an Reinhard Piper vom 23.3.1910 aus München:]


[...] empfangen Sie meinen besten Dank für die Mittheilung.

Einzelstellenkommentare

München, 23. März 1910 (Mittwoch)
von Wedekind, Frank
an Piper, Reinhard

Sehr geehrter Herr Piper!

empfangen Sie meinen besten Dank für die Mittheilungnicht überliefert; erschlossenes Korrespondenzstück: Reinhard Piper an Wedekind, 22.3.1910. – Die Mitteilung steht im Zusammenhang mit Wedekinds Verlagsstreit mit Bruno Cassirer, mit dem er sich unter dem Stichwort „Contra Cassirer“ [vgl. KSA 5/III, S. 126-141; Vinçon 2014, S. 227-230] auseinandersetzte, was schließlich zum Verlagswechsel zu Georg Müller führte (Reinhard Pipers Geschäftspartner, mit dem er seinerzeit den Verlag R. Piper & Co. gegründet hatte und der nun den Georg Müller Verlag betrieb).. Ich werde natürlich gegen den Preis sowohl wie gegen da/i/es ungeschäftliche Verfahren sofort Protest einlegenWedekind dürfte das Typoskript, das im Nachlass des Verlags R. Piper & Co. dem Brief beiliegt, mit diesem Brief versandt haben; er hat sogleich einen offenen Brief [vgl. Wedekind an Verlagsbuchhändler, 23.3.1910] geschrieben, der weitgehend dem Wortlaut der maschinenschriftlichen Beilage zum vorliegenden Brief entspricht und im „Berliner Tageblatt“ abgedruckt wurde [vgl. Ein Wedekind-Dokument. In: Berliner Tageblatt, Jg. 39, Nr. 157, 29.3.1910, Abend-Ausgabe, S. (3)].. Mir hat Cassirer überhaupt gar nicht geantwortetWedekind hat die nicht überlieferte Antwort noch nicht erhalten; erschlossenes Korrespondenzstück: Bruno Cassirer an Wedekind, 23.3.1910.. Sollte ich auf meinen Protest hin etwas erfahren, dann werde ich mir erlauben, Sie darüber zu unterrichten.

Mit ergebensten Grüßen
Ihr
Frank Wedekind.


Prinzregentenstraße 50

23.3.10.


[Beilage:]


Zu folgender öffentlicher Warnung halte ich mich nicht nur für berechtigt, sondern auch für verpflichtet:

In No 56Wedekinds Verleger Bruno Cassirer hat im Branchenblatt des Buchhandels folgende Annonce aufgegeben: „Ich beabsichtige, aus meinem Verlage sämtliche bei mir erschienenen Werke von / FRANK WEDEKIND / zu verkaufen. / Es handelt sich um die Dramen: / TOTENTANZ, 4te Aufl. / BÜCHSE DER PANDORA, 6te Aufl. / ZENSUR / SO IST DAS LEBEN, 2te Aufl. / OAHA, 2te Aufl. / FRÜHLINGS ERWACHEN, 24te Aufl. / DER KAMMERSÄNGER, 4te Aufl. / ERDGEIST, 7te Aufl. / MUSIK, 4te Aufl. / JUNGE WELT, 2te Aufl. / MARQUIS VON KEITH, 2te Aufl. / um den Gedichtband: VIER JAHRESZEITEN, 4te Aufl. / und die Erzählungen: FEUERWERK, 3te Aufl. / Ich bitte die Herren Kollegen, die sich für den Ankauf der Bücher Wedekinds mit allen Vorräten und Rechten für Neuauflagen interessieren, sich mit mir in Verbindung setzen zu wollen. / Hochachtungsvoll / BRUNO CASSIRER, VERLAG. BERLIN W., / Derfflingerstr. 16.“ [Börsenblatt für den Deutschen Buchhandel, Jg. 77, Nr. 56, 10.3.1910, S. 3079] des „Börsenblattes für den deutschen Buchhandel“ bietet der Verlag Bruno Cassirer in Berlin die Verlagsrechte und Büchervorräte meiner 20jährigen geistigen Produktion öffentlich zum Verkauf aus. Den Reflektanten, die sich nach dem Preis des ausgebotenen Objektes erkundigten, wurde von dem genannten Verlag eine nach dem Urteil von Sachverständigen aussergewöhnlich hohe Summe genannt. Um nun einen eventuellen Käufer vor sehr bedeutender materieller Schädigung zu bewahren, halte ich es für meine Pflicht, öffentlich bekannt zu geben, dass mich Herr Bruno Cassirer zu gleicher Zeit wegen Beleidigung verklagt hatDer Verleger Bruno Cassirer hat seinen Autor am 10.3.1910 wegen Beleidigung verklagt, worüber Wedekind wohl informiert [vgl. Amtsgericht Berlin-Mitte an Wedekind, 10.3.1910], die Klage ihm aber erst einige Tage später überstellt wurde, wie er am 24.3.1910 notierte: „Erhalte Klage von B. Cassirer vom 10 III.“ [Tb]. Erfolgt war diese Beleidigung, weil ich meinem wirtschaftlichen Ruin gegenüber stehe und diese Tatsache, ob mit Recht oder mit Unrecht, darf hier nicht erörtert werden, der Geschäftsführung des Verlages Bruno Cassirer zur Last lege. Sollte nun diese Beleidigung, was ich sehr wohl für möglich halte, eine längere Freiheitsstrafe und damit eine starke Beeinträchtigung meinerSchreibversehen, statt: meines. persönlichen Ansehens nach sich ziehen, so wäre damit natürlich eine ausserordentlich | starke Entwertung meiner bisherigen geistigen Produktion verbunden. Der Käufer, der in diesem Augenblick die materiellen Rechte an dieser Produktion zu einem hohen Preis erwirbt, hätte also eventuell zu gewärtigen, durch meine Verurteilung sein ganzes Geld zu verlieren. Als Autor halte ich mich für berechtigt, einem solchen Unheil, das aus dem Verkauf meiner Werke zu erwachsen droht, vorzubeugen. Je höher die Strafe ausfällt, zu der ich verurteilt werde, umso tiefer sinkt naturgemäss das vom Verlag Bruno Cassirer ausgebotene Kaufobjekt im Wert. Nach erfolgter Verurteilung hingegen könnte sich vielleicht die Frage ergeben, ob Herr Bruno Cassirer überhaupt noch der Verleger, d.h. der Bewahrer der wirtschaftlichen Interessen, eines Autors sein kann, von dem ihn offenkundige tiefbegründete Feindschaft scheidet, während anderseits keine Gefahr mehr vorhanden wäre, dass die erstandenen Rechte und Büchervorräte unerwarteter Weise einen grossen Teil ihres Wertes einbüssen. Daher ersuche ich alle diejenigen Herren Verlagsbuchhändler, die sich für meine Produktion interessieren, in ihrem eigenen Interesse, mit ihrem Angebot zu warten, bis die von Herrn Bruno Cassirer gegen mich erhobene Klage ihre gerichtliche ErledigungWedekinds Streit mit Bruno Cassirer wurde außergerichtlich beigelegt, es kam zu keinem Prozess. gefunden hat.

München, im März 1910.

Frank Wedekind.

Einzelstellenkommentare

Berlin, 3. April 1910 (Sonntag)
von Wedekind, Frank
an R. Piper & Co., (Verlag), Piper, Reinhard

HÔTEL HABSBURGER HOF
FRITZ OTTO, Hoflieferant
BERLIN SW. 11.


Sehr geehrter Herr Piper!

InliegendDer Zeitungsausschnitt aus dem „Berliner Tageblatt“ (siehe unten) liegt dem Brief nicht mehr bei. sende ich Ihnen die NotizWedekind dürfte den offenen Brief [vgl. Wedekind an Verlagsbuchhändler, 23.3.1910] beigelegt haben, der im „Berliner Tageblatt“ abgedruckt worden ist [vgl. Ein Wedekind-Dokument. In: Berliner Tageblatt, Jg. 39, Nr. 157, 29.3.1910, Abend-Ausgabe, S. (3)], ein Protest, den Reinhard Piper als Typoskript erhalten hat [vgl. Wedekind an Reinhard Piper, 23.3.1910]. aus dem Berliner Tageblatt. Den Zweck werden Sie leicht ErratenSchreibversehen, statt: erraten.. Ich lege hier auch eine Aufzeichnungdie vorliegende Briefbeilage, eine Abschrift, die Wedekind von einer Aufstellung der Verlegers Bruno Cassirer für den Georg Müller Verlag (siehe unten) angefertigt hat, nach einem ihm zugegangenen nicht überlieferten Brief [vgl. Bruno Cassirer an Wedekind, 23.3.1910]. der Bestände bei wie sie Bruno Cassirer an einen hiesigen VerlegerGeorg Müller, der zukünftige Verleger Wedekinds und Reinhard Pipers früherer Geschäftspartner, mit dem dieser seinerzeit den Verlag R. Piper & Co. gegründet hatte und der nun den Georg Müller Verlag betrieb. abgegeben.

Mit hochachtungsvollem Gruß
Ihr
FrWedekind


3.4.10.


[Beilage:]


Zirka 1820 Erdgeist M. 2,50.

4300 Frlgs Erw. 3/2/

2300 Jahreszeiten 3

540 Feuerwerk 3

735 Marquis Keith 2,50

630 So ist das Leben 2

1220 Totentanz 1,50

1320 Kammersänger 1,50

880 Liebestrank 2

600 Junge Welt 2

1720 Musik 2

1200 Pandora 3

950 Oaha 3

450 Zensur 2,20

Summa 18665 BändeDiese Summe der im Bruno Cassirer Verlag vorhandenen Bücher Wedekinds hatte der Verleger zusammengerechnet [vgl. Bruno Cassirer an Wedekind, 23.3.1910] und Wedekind hatte diese „18,665 Exemplare“ [Wedekind an Maximilian Harden, 2.5.1910] bei seinen Bemühungen um einen Verlagswechsel im Blick.

Ladenpreis nach meiner Berechnung M. 42,418. |


HOTEL HABSBURGER HOF
FRITZ OTTO, Hoflieferant.


Fernsprech-Anschlüsse:
Amt 6, 1663 4077 Hotel
5442 Restaur.
Personen-Fahrstuhl Tag und Nacht im Betrieb.
Auto-Garage.


BERLIN SW. 11, den 190
Askanischer Platz 1.


[Kuvert:]


Herrn Reinhold Piper
Verlag
München
Hohenzollernstrasse 23Die Verlagsbuchhandlung R. Piper & Co. in München hatte ihren Sitz inzwischen im Gartenhaus (Hinterhaus) der Hohenzollernstraße 23 (Parterre) [vgl. Adreßbuch für München 1910, Teil I, S. 435; Teil II, S. 224].. |


HABSBURGER HOF
BERLIN SW. 11.

Einzelstellenkommentare

München, 3. Mai 1914 (Sonntag)
von Piper, Reinhard
an Wedekind, Frank

[Hinweis in Wedekinds Brief an Reinhard Piper vom 4.5.1914 aus München:]


[...] verbindlichsten Dank für den Ehrenvollen Vorschlag [...]

Einzelstellenkommentare

München, 4. Mai 1914 (Montag)
von Wedekind, Frank
an Piper, Reinhard

München 4.5.14.


Sehr verehrter Herr Reinhard Piper!

Wollen Sie bitte verbindlichsten Dank für den EhrenvollenSchreibversehen, statt: ehrenvollen. Vorschlagnicht überliefert; erschlossenes Korrespondenzstück: Reinhard Piper an Wedekind, 3.5.1914. ‒ Reinhard Piper gehörte der im Frühjahr 1914 gegründeten Ortsgruppe München der Schopenhauer-Gesellschaft an [vgl. Münchner Neueste Nachrichten, Jg. 67, Nr. 209, 24.4.1914, Morgenblatt, S. 3], die ihrerseits 1911 in Kiel gegründet worden ist. entgegennehmen, und den HerrenDr. jur. Hans Taub, Rechtsanwalt in München (Possartstraße 12, Kanzlei: Burgstraße 2) [vgl. Adreßbuch für München 1914, Teil I, S. 710], und der Maler Paul Kämmerer in Geiselgasteig (Korsostraße 22) [vgl. Adreßbuch für München 1914, Teil I, S. 308], die beide am 5.6.1914 auf der 3. Tagung der Schopenhauer-Gesellschaft (siehe unten) Vorträge hielten: „Paul Kämmerer: ‚Licht, Raum, Zeit und Kausalität‘. [...] Dr. Hans Taub: ‚Schopenhauer und München‘.“ [Münchner Neueste Nachrichten, Jg. 67, Nr. 256, 20.5.1914, Vorabendblatt, S. 3] Dr. Taub und Paul Kaemmerer übermitteln. Es wird mir eine außergewöhnliche Freude sein mit Ihnen zur TagungDie 3. Tagung der Schopenhauer-Gesellschaft fand vom 3. bis 6.6.1914 in München mit Festprogramm im Künstlerhaus sowie in der Akademie der Wissenschaften statt [vgl. Münchner Neueste Nachrichten, Jg. 67, Nr. 256, 20.5.1914, Vorabendblatt, S. 3]. der SchoppenhauerSchreibversehen, statt: Schopenhauer. Gesellschaft einladen zu dürfen und Ihrem EhrenkomiteeDie Presse meldete dann Wedekinds Mitgliedschaft im Ehrenkomitee: „Die Schopenhauer-Gesellschaft versendet soeben die Einladung zu ihrer 3. Tagung, die, wie bereits berichtet, in der Zeit vom 3.‒6. Juni in München stattfinden wird. Eine Reihe hervorragender Männer und Frauen wird sich gelegentlich dieser Tagung [...] in München zu regem Gedankenaustausch ein Stelldichein geben. Dies beweist schon ein Blick auf die Liste des Ehrenkomitees, dem von bekannten Persönlichkeiten u. a. angehören: Hermann Bahr, Max Bernstein, Helene Böhlau. Michael Georg Conrad, Graf Du Moulin-Eckardt, Karl Gareis, Hanns von Gumppenberg, Karl Heigel, Hans Ludwig Held, Karl Henckell, Wilhelm Herzog, Georg Hirth, Ferdinand Freiherr v. Hornstein, Alfred Kubin, Oswald Külpe, Rudolf Louis, Ferdinand Löwe, Thomas Mann, Berta Morena, Fritz v. Ostini, Generalmusikdirektor Bruno Walter und Frank Wedekind.“ [Münchner Neueste Nachrichten, Jg. 67, Nr. 256, 20.5.1914, Vorabendblatt, S. 3] Wedekind gab, während in München die Tagung der Schopenhauer-Gesellschaft stattfand, ein längeres Gastspiel in Berlin. anzugehören.

In vorzüglichster Hochschätzung
Ihr ergebener
Frank Wedekind.

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