Briefwechsel

Wedekind, Frank und Sternheim, Carl

12 Dokumente

Höllriegelskreuth, 27. Januar 1910 (Donnerstag)
von Sternheim, Carl
an Wedekind, Frank

[Hinweis in Wedekinds Brief an Carl Sternheim vom 28.1.1910 aus München:]


[...] ich danke Ihnen sehr für Zusendung des „Don Juan“, ebenso für Ihre liebenswürdige Aufforderung, der wir gerne folgen werden.

Einzelstellenkommentare

München, 28. Januar 1910 (Freitag)
von Wedekind, Frank
an Sternheim, Carl

Sehr geehrter Herr SternheimCarl Sternheim, Schriftsteller in Höllriegelskreuth bei München, wo er die 1908 für ihn erbaute (und durch das Erbe seiner zweiten Frau finanzierte) Villa Bellemaison bewohnte. Wedekind hat ihn am 22.1.1910 dort mit Franz Blei besucht und persönlich kennengelernt, wie er knapp konstatierte: „Mit Blei bei Sternheim.“ [Tb] Dabei wurde auch über Carl Sternheims „Don Juan“ (siehe unten) gesprochen, wie Thea Sternheim über die Abendgesellschaft bei ihr und ihrem Mann (zu Gast außerdem: Alfred, Eugen und Annemarie Feiks sowie Siegfried Adler) am 23.1.1910 notierte: „Zum Abend kommen die Brüder Feiks, Frau Feiks, Rechtsanwalt Adler, Blei und Frank Wedekind. Wie sehr sympathisch ist Wedekind. Bedenklich, ruhig, sicher, liebenswürdig und bescheiden. Ohne die Allüre des Künstlers. Als er einmal von seinem ‚Frühlings Erwachen‘ spricht, fügt er bei: ‚Erlauben Sie, dass ich von so etwas rede.[‘] Karl stürmt auf ihn ein, will um Gotteswillen eine Aussprache haben und begreift nicht, dass es Menschen gibt, die sich nicht äussern können, nicht äussern wollen. So steht der Ältere dem Jüngeren Rede, statt dass der Jüngere sich bescheide. Ich empfinde das als ein Unrecht, jedenfalls als Unzartheit; ich hätte Wedekind eine achtungsvollere Aufnahme gewünscht. Blei spielte den Mittler und verstand durch witzige und plötzliche Begütigungen Karls Wortschwall zu mildern. Karl betonte immer wieder: [‚] Es ist an der Zeit, dass der Mann zu seinem Recht kommt! Seit zwanzig Jahren ist von nichts anderem als von der Frau die Rede. Die Frau aber interessiert gar nicht. Was kümmern uns diese hysterischen Ibsenschen Weiber? Keiner fragt nach ihnen. Seit Ewigkeit ist zu jeder ernsthaften Tat allein der Mann die Voraussetzung. Sehn Sie z.B. in meinem Don Juan ...‘“ [Tb Sternheim].!

ich danke Ihnen sehr für ZusendungHinweis auf ein nicht überliefertes Begleitschreiben zur Buchsendung (zugleich eine Einladung); erschlossenes Korrespondenzstück: Carl Sternheim an Wedekind, 27.1.1910. Carl Sternheim hat Wedekind seine Tragödie „Don Juan“ (1909) geschickt, die im Vorjahr im Insel-Verlag erschienen ist [vgl. Börsenblatt für den Deutschen Buchhandel, Jg. 76, Nr. 112, 17.5.1909, S. 5936] und über die er beim Kennenlernen am 22.1.1910 gesprochen hat (siehe oben). des „Don Juan“, ebenso für Ihre liebenswürdige Aufforderungeine nicht überlieferte Einladung (siehe oben) zu einem Besuch in der Villa Bellemaison, die Wedekind annahm; er notierte am 30.1.1910: „Mit Tilly bei Sternheims in Belle Maison Bley und Frau.“ [Tb] Thea Sternheim notierte dazu am 31.1.1910: „Reizender Abend mit Bleis und Wedekinds. Eine ungezwungene lebhafte Unterhaltung, wie ich mich keiner ähnlichen in diesem Hause entsinne. Frau Wedekind mädchenhaft, bescheiden, zurückhaltend. Zwischen den Ehegatten muss ein bedeutender Alterunterschied bestehen. Bleis Gedanken über die weisse Wäsche der Frauen. Wedekind kramt Simplizissimuserinnerungen aus, Karl ordnet sich dem allgemeinen Gespräch ein und ist diesmal rücksichtsvoll und zuvorkommend zu Wedekind. Man bleibt bis zum letzten Zuge.“ [Sternheim Tb/CD], der wir gerne folgen werden. Wollen Sie Ihrer Frau GemahlinThea Sternheim, Carl Sternheims zweite Ehefrau. Thea Löwenstein (geb. Bauer) hat ihn bald nach der angezeigten Verlobung – „Verlobte. [...] Karl Sternheim, Schriftsteller von Berlin, mit Ther. Löwenstein, geb. Bauer, Fabrikantenstochter von Köln“ [Münchner Neueste Nachrichten, Jg. 60, Nr. 299, 28.6.1907, Morgenblatt, S. 4] – am 13.7.1907 geheiratet (auch ihre zweite Ehe). unsere ergebensten Empfehlungen aussprechen.

Mit besten Grüßen
Ihr
Frank Wedekind.


28.1.10.

Einzelstellenkommentare

Höllriegelskreuth, 12. Februar 1910 (Samstag)
von Sternheim, Carl
an Wedekind, Frank

[Hinweis in Wedekinds Brief an Carl Sternheim vom 24.2.1910 aus München:]


[...] Ihre freundliche Aufforderung vom 12 dieses Monats [...]

Einzelstellenkommentare

München, 24. Februar 1910 (Donnerstag)
von Wedekind, Frank
an Sternheim, Carl

Sehr geehrter Herr Sternheim!

es erübrigt mir noch, Ihnen für Ihre freundliche Aufforderungnicht überliefert; erschlossenes Korrespondenzstück: Carl Sternheim an Wedekind, 12.2.1910. vom 12 dieses Monats meinen Dank auszusprechen und Sie um Entschuldigung zu bitten, daß das erst jetzt geschieht. Um rechtzeitig abzusagen erhielt ich Ihre Zeilen natürlich zu spät da ich in Düsseldorf spielteFrank und Tilly Wedekind waren vom 5. bis 18.2.1910 in Düsseldorf zu einem Gastspiel vom 14. bis 17.2.1910 am dortigen Lustspielhaus [vgl. Tb].. Wollen Sie Ihrer verehrten Frau Gemahlin bitte meine E/e/rgebenste Empfehlung aussprechen.

Mit bestem Gruß
Ihr
FrWedekind.


24.2.10.

Einzelstellenkommentare

Höllriegelskreuth, 4. Mai 1910 (Mittwoch)
von Sternheim, Carl
an Wedekind, Frank

[Hinweis in Wedekinds Brief an Carl Sternheim vom 5.5.1910 aus München:]


[...] Für Samstag Nachmittag haben meine Frau und ich leider schon [...]

Einzelstellenkommentare

München, 5. Mai 1910 (Donnerstag)
von Wedekind, Frank
an Sternheim, Carl

Sehr geehrter Herr Sternheim!

Für Samstagder 7.5.1910, an dem Wedekind notierte: „Mit Tilly und Annapamela im Zircus Sarasani.“ [Tb] Die Presse hatte berichtet: „Zirkus Sarrasani, Eröffnungsvorstellung. Das wenige Stunden vor Beginn der Vorstellung fertig gewordene Zirkusgebäude war ausverkauft. Ein fast zu langes, äußerst reichhaltiges Programm fesselte und unterhielt auch das vornehme Publikum [...]. Japanische, chinesische und marokkanische Gaukler, Löwen, Kamele und die hervorragend dressierte Elefantenschar waren zu sehen.“ [Münchner Neueste Nachrichten, Jg. 63, Nr. 203, 2.5.1910, S. 4] Neben Abendvorstellungen gab es auch Nachmittagsvorstellungen: „Für Samstag und Sonntag ist ein wechselvolles Programm aufgestellt. Wie stets werden an den beiden Nachmittagsvorstellungen sämtliche Nummern vorgeführt. Kinder zahlen auf allen Plätzen, Soldaten bis zum Feldwebel auf allen Sitzplätzen nur halbe Preise.“ [Zirkus Sarrasani. In: Münchner Neueste Nachrichten, Jg. 63, Nr. 211, 7.5.1910, General-Anzeiger, S. 1] Nachmittag haben meine Frau und ich leider schonHinweis auf eine nicht überlieferte Einladung; erschlossenes Korrespondenzstück: Carl Sternheim an Wedekind, 4.5.1910. Carl Sternheim dürfte Wedekind zu einem Besuch bei ihm in Höllriegelskreuth am 7.5.1910 (Samstag) eingeladen haben. Karten für den Zirkus. Außerdem habe ich auch gerade augenblicklich unermeßlich viel Arbeit mit meinen VerlegerischenSchreibversehen, statt: verlegerischen. Wedekind war durch seine auch öffentlich ausgetragenen Auseinandersetzungen mit seinem Verleger Bruno Cassirer [vgl. KSA 5/III, S. 126-130, 750-752], von dem er sich bald trennen sollte, stark in Anspruch genommen (siehe seine Korrespondenzen mit dem Verleger sowie mit Maximilian Harden in dieser Zeit). Kämpfen. Trotzdem würde es mich sehr interessieren | wenn wir wieder einmal über unsere gemeinsame Sacheeine Vereinsgründung zur Wahrnehmung schriftstellerischer und wohl auch politischer Interessen, zu der eine Reihe von Zusammenkünften stattgefunden hatten, an denen außer Carl Sternheim, von dem offenbar die Initiative ausgegangen war, und Wedekind auch Paul Cassirer und Karl Gustav Vollmoeller teilgenommen hatten (dann auch Friedrich Freksa). Carl Sternheim schlug Wedekind während eines Besuchs in München am 12.3.1910 „die Gründung einer Liga“ [Tb] vor. Das erste Treffen der Gruppe fand am 15.3.1910 in Höllriegelskreuth statt, wie Wedekind festhielt: „Nach Tisch fahre ich zu Sternheim hinaus Privatunterredung mit Cassirer. Conferenz mit Vollmöller Sternheim Cassirer. Abendessen bei Sternheim Rückfahrt im Automobil“ [Tb]. Thea Sternheim notierte dazu am 16.3.1910: „Am 15ten Zusammenkunft zwischen Paul Cassirer, Wedekind, Vollmöller und Karl wegen eines zu gründenden demokratischen Vereins. Bis spät abends angeregte Unterhaltung, besonders über Reinhardtsche Theaterangelegenheiten. Wedekind ernst und überlegen, Karl diesmal zurückhaltender, Vollmöller schlau und lebhaft.“ [Tb Sternheim/CD] Das zweite Treffen folgte am 16.3.1910 in München, wie sie an diesem Tag festhielt: „Mittags zu Wedekinds, wo sich die Herrn wieder versammeln mit dem Hinzukommen des Schriftstellers Freksa.“ [Tb Sternheim/CD] Wedekind notierte am 16.3.1910: „Um 4 Uhr Conferenz bei mir Sternheim Cassirer Freksa Vollmöller Abendessen mit den Theilhabern im Hotel Marienbad.“ [Tb] Ein weiteres „Gespräch mit Sternheim“ [Tb] hielt Wedekind für den 18.3.1910 fest. Die Bestrebungen nahmen keine konkreteren Formen an. sprechen könnten. Vielleicht kommen Sie in nächster Zeit einmal in die StadtWedekind hatte in München zuletzt am 18.3.1910 ein „Gespräch mit Sternheim“ [Tb], dannach ist ein Treffen in München erst wieder am 3.10.1911 belegt: „Café Odeon Sternheim.“ [Tb].

Mit besten Empfehlungen auch an Ihre Frau Gemahlin
Ihr
FrWedekind.


5.5.10.

Einzelstellenkommentare

Höllriegelskreuth, 21. Dezember 1911 (Donnerstag)
von Sternheim, Carl
an Wedekind, Frank

[Hinweis in Wedekinds Brief an Carl Sternheim vom 22.12.1911 aus München:]


[...] besten Dank für Ihre liebenswürdige Einladung.

Einzelstellenkommentare

München, 22. Dezember 1911 (Freitag)
von Wedekind, Frank
an Sternheim, Carl

Sehr geehrter Herr Sternheim!

Empfangen Sie nochmals meiner Frau und meinen besten Dank für Ihre liebenswürdige Einladungnicht überliefert; erschlossenes Korrespondenzstück: Carl Sternheim an Wedekind, 21.12.1911. Wedekind bedankte sich für die nun schriftliche Einladung nach Höllriegelskreuth, die zuvor bereits mündlich ausgesprochen worden sein dürfte – vermutlich bei dem Treffen mit Carl Sternheim zur Vorbereitung eines Protestschreibens gegen Zensur [vgl. Carl Sternheim, Wedekind, Herbert Eulenberg, Otto Borngräber an Arthur Schnitzler, 22.12.1911] in München am 12.12.1911: „Mit [...] Sternheim im Café Protest besprochen“ [Tb], vielleicht auch am Abend der Uraufführung von „Oaha“ durch den Neuen Verein am 20.12.1911 im Münchner Lustspielhaus, die Carl Sternheim mit seiner Frau besuchte, wie Thea Sternheim am 21.12.1911 notierte: „Abends ins Lustspielhaus. Der Neue Verein gibt Wedekinds Oaha in geschlossener Vorstellung. Er spielt. Seine Frau ebenfalls“ [Tb Sternheim/CD]; ob sie sich in diesem Zusammenhang gesprochen haben, ist allerdings zweifelhaft.. Leider können wir über die Tage nicht gut vom Hause fort sein, da wir selber, wie ich Ihnen sagte, Besuch erwartendem Tagebuch zufolge über die Weihnachtsfeiertage Besuch von Wedekinds Schwager Dagobert Newes vom 23.12.1911 („Bertl kommt an“) bis 26.12.1911 („Bertl fährt nach Berlin“); sein in München lebender Neffe war am 24.12.1911 zu Gast („Um 4 Uhr Bescherung. Armin Bertl. Spaziergang Abendessen“).. Wollen Sie Ihrer verehrten Frau Gemahlin bitte unsere besten Empfehlungen aussprechen. Auf die KassetteCarl Sternheims Komödie „Die Kassette“ (1912), die erst im neuen Jahr im Insel-Verlag in Leipzig als Buch erschien, angekündigt als eine weitere „Komödie aus dem bürgerlichen Heldenleben“ [Börsenblatt für den Deutschen Buchhandel, Jg. 78, Nr. 229, 2.10.1911, S. 11377], war am 24.11.1911 am Deutschen Theater in Berlin uraufgeführt worden, was auch in München registriert worden ist: „Karl Sternheims ‚Kassette‘ hat kein Glück am Deutschen Theater gehabt. Anfangs lachte man, horchte wohl auch hier und da auf, um dann allmählich, als die Komödie zu bitter wurde, den Geschmack an ihr und die Geduld zu verlieren. Ein schwacher Erfolg also, und wenn man pedantisch richtet, auch ein schwaches Stück. [...] Dann aber die Erkenntnis, daß dieser Sternheim der einzige von unseren Dramatikern ist, der das eigentliche Wesen der Komödie verstanden hat. Schließlich seine Kühnheit des Entwurfes und sein redliches Bemühen, originelle und dabei wirkliche Menschen zu schaffen. Das sind drei Vorzüge, meine ich, die einem ganz schwachen Stück nie anhaften können, oder die doch ein schwaches Stück über manch sogenanntes gutes Stück erheben. Aus Tragödientiefen holt Sternheim seine Lustigkeiten: er wandelt, scheint es, die sieben Todsünden ab. Diesmal die verrückte Geldgier, die uns alle gefangen hält und uns mit geschwungener Peitsche am echten, einzigen Gluck des Lebens vorbei treibt. [...] Hübsche Steigerungen des szenischen Aufbaus, gut überlegte Aktschlüsse sind weitere Qualitäten der Komödie. Man sieht, ganz schlecht kann sie nicht sein.“ [r.n.: Berliner Theater. In: Münchner Neueste Nachrichten, Jg. 64, Nr. 561, 1.12.1911, Vorabendblatt, S. 2]. bin ich aufs höchste gespannt.

Mit bestem Gruß
Ihr ergebener
Frank Wedekind.


22.12.11.

Einzelstellenkommentare

München, 7. Januar 1913 (Dienstag)
von Sternheim, Carl, Lichnowsky, Maria von und Sternheim, Thea
an Wedekind, Frank

GRAND HOTEL
CONTINENTAL
MÜNCHEN


TELEGRAMME
CONTINENT–MÜNCHEN
TELEFON 14540, 14541, 14542
LIEBER’S & INT. HOTEL CODE


7./1 1913.

WirCarl Sternheim, Thea Sternheim und Maria von Lichnowsky (siehe unten), wie Thea Sternheim nach der „Franziska“-Vorstellung in den Münchner Kammerspielen (siehe unten) mit Frank und Tilly Wedekind in den Hauptrollen am 7.1.1913 festhielt: „Zum drittenmal Franziska mit Wedekind und seiner Frau in den Hauptrollen. Der stets wachsende Eindruck bei der Vorstellung, hinterher aber jedesmal Ernüchterung. Es werden da viel Wahrheiten gesagt und doch ist das die Wahrheit nicht. [...] Im Continentalhôtel mit der Fürstin. Sie ist klug, warm, begeistert vom Wedekindschen Stück. Karl schreibt mit ihr zusammen an Wedekind. Wir sitzen bis spät.“ [Tb Sternheim/CD] sahen zum dritten MalWedekinds „Franziska“ war am 30.11.1912 in den Münchner Kammerspielen (Direktion: Eugen Robert) [vgl. Neuer Theater-Almanach 1913, S. 554] uraufgeführt worden. Carl und Thea Sternheim hatten zuerst die Vorstellung vom 17.12.1912 besucht, wie sie notierte: „Ins Lustspielhaus. Wedekinds: Franziska. [...] Karl begrüsst Wedekind in der Garderobe“ [Tb Sternheim/CD]. Sie besuchten dann die Vorstellung am 28.12.1912: „Noch einmal in Wedekinds: ‚Franziska‘“ [Tb Sternheim/CD], nach der Carl Sternheim (sowie Victor Barnowksy) Wedekind ebenfalls in der Garderobe aufsuchte: „Barnowsky und Sternheim kommen in die Garderobe“ [Tb]. Schließlich haben sie sich das Stück am 7.1.1913 ein drittes Mal angesehen (siehe oben). Franziska. Ich fühle mich als deutscher Dichter verpflichtet so gut es geht, in dies wunderbare Werk einzudringen. Schade, nicht jeder gebildete Deutsche fühlt dieselbe Pflicht.

Noch ganz heiß von Ihrem Werk Ihr
herzlich Ihnen ergebener
Sternheim

Fürstindie in Berlin (Roonstraße 5) wohnende „Fürstin“ [Berliner Adreßbuch 1913, Teil I, S. 1815] Maria von Lichnowsky (geb. von Croy). Lichnowsky.

Thea Sternheim |


Das heutige wunder wunder, herrlich Schöne nehme ich nach Berlin mit & noch weiter.

Nochmals
F. Lichnowsky.

Einzelstellenkommentare

München, 2. Februar 1914 (Montag)
von Wedekind, Frank
an Sternheim, Carl

karl sternheim deutsches theater
schumannstrasze berlin =


Telegraphie des Deutschen Reichs.
Amt Berlin W., Haupt-Telegraphenamt


Telegramm aus muenchen [...]


bin in gedanken heute abendam 2.2.1914 um 19.30 Uhr, dem Vorstellungsbeginn der Uraufführung von Carl Sternheims Komödie „Der Snob“ (1914), erschienen im Insel-Verlag in Leipzig, an den Kammerspielen des Deutschen Theaters (Direktion: Max Reinhardt) zu Berlin [vgl. Berliner Tageblatt, Jg. 43, Nr. 58, 2.2.1914, Montags-Ausgabe, 1. Beiblatt, S. (2)]. bei jhnen herzlichst =
frank wedekind

Einzelstellenkommentare

München, 4. Februar 1914 (Mittwoch)
von Wedekind, Frank
an Sternheim, Carl

carl sternheim deutsches
theater schumannstrasse berlin


Telegraphie des Deutschen Reichs.
Amt Berlin W., Haupt-Telegraphenamt


Telegramm aus [...] muenchen [...]


= gratulierezu der erfolgreichen Uraufführung von Carl Sternheims Komödie „Der Snob“ am 2.2.1914 an den Kammerspielen des Deutschen Theaters (Direktion: Max Reinhardt) zu Berlin, für die Wedekind telegrafisch bereits alles Gute gewünscht hatte [vgl. Wedekind an Carl Sternheim, 2.2.1914]. Thea Sternheim notierte am 5.2.1914: „Wedekind telegrafiert herzliche Worte an Karl.“ [Tb Sternheim/CD] Die Kritik war zwiespältig, aber Paul Schlenther bemerkte: „Der Verfasser hat einen wohlverdienten Erfolg gehabt. [...] Das Haus war ausverkauft.“ [P.S.: „Der Snob.“ Komödie in 3 Akten von Karl Sternheim. Kammerspiele. In: Berliner Tageblatt, Jg. 43, Nr. 60, 3.2.1914, Morgen-Ausgabe, S. (2)] herzlich zum grossen glaenzenden erfolg von snob = frank wedekind =

Einzelstellenkommentare

München, 11. März 1914 (Mittwoch)
von Wedekind, Frank
an Sternheim, Carl

Sehr verehrter Herr Sternheim!

Nach Ihrer schönen VorlesungCarl Sternheim gab am 6.2.1914 in der Galerie Caspari in München (Eichthal-Palais, Briennerstraße 52, gegenüber dem Café Luitpold) eine Lesung im Rahmen der „Forum“-Abende (veranstalter von Wilhelm Herzog, Herausgeber der Zeitschrift „Das Forum“), bei der er drei Gedichte von Ernst Stadler und anschließend sein Drama „Der Snob“ (1914) vorlas: „Karl Sternheim las am fünften der ‚Forum-Abende‘ vor einer lebhaft Beifall spendenden Zuhörerschar seine Komödie ‚Der Snob‘ [...]. Zu Beginn des Abends brachte Sternheim drei Gedichte des Elsässers Ernst Stadler zum Vortrag“ [ae.: 5. Forum-Abend. In: Münchner Neueste Nachrichten, Jg. 67, Nr. 70, 8.2.1914, Vorabendblatt, S. 3]. Wedekind hatte Carl Sternheim bereits davor getroffen, in der Buchhandlung Heinrich Jaffe (Briennerstraße 54), und kam anschließend erneut in größerer Runde mit ihm zusammen (dabei waren Emmy de Vargas, Eveline Landing, Joachim Friedenthals Freundin Blanka Marion sowie Wilhelm Herzog), wie er am 6.2.1914 notierte: „Treffe Sternheim bei Jaffé Sternheimvortrag bei Kaspari Restaurant Schleich Sternheim die Damen de Vargas Landing und Friedenthal Marion Wilhelm Herzog.“ [Tb] Thea Sternheim hielt am 8.2.1914 dazu fest: „Nachmittags kommt Karl von München. Der Snob habe im gestrigen Vortrag grossen Erfolg gehabt. Die Stadlerschen Gedichte weniger. Hinterher sei er mit Wedekind, der sein Stück begeistert gelobt, zusammengewesen.“ [Tb Sternheim/CD] in München versuchte ich Sie noch einmal im Hotel zu treffen, leider vergeblich. Der spezielle Anlaß meines Besuches war der, daß ich es bei der kurzen Dauer unseres Daseins es als eine Lücke empfinde, daß Sie und Maximilian | Harden sich nicht kennenCarl Sternheim folgte Wedekinds Anregung, den Berliner Publizisten Maximilian Harden kennenzulernen, wie aus seinem Brief vom 3.4.1914 an Thea Sternheim hervorgeht: „Ich habe 48 prachtvolle Stunden hinter mir. Ich war mit Reinhardt, Harden und Rathenau (mit jedem einzeln) zusammen und wie es das Schicksal will, alle waren auf der Höhe ihrer Menschlichkeit.“ [Wendler 1988, Bd. 2, S. 144] Er widmete dem Publizisten wenige Tage später ein Exemplar seiner Novelle „Busekow“ (1914): „Maximilian Harden mit freundlichen Grüßen Carl Sternheim La Hulpe Belgien 6/4 1914.“ [Zentral- und Landesbibliothek Berlin, Signatur Cm 6858; https://db.lootedculturalassets.de/index.php/Detail/Object/Show/object_id/1461] Maximilian Harden stand Carl Sternheim dann bei öffentlichen Angriffen gegen sein Werk bei [vgl. Martin 1996, S. 32f.].. Harden interessiert sich für Ihre Kunst und ich habe ihm viel von Ihnen erzählt. Ich betreibe dies Kupplergeschäft ohne irgend wie beauftragt zu sein./,/ nur im Interesse daran, daß heute geschieht was morgen oder später doch geschehen würde und meinem Empfinden | noch schöne Früchte tragen müßte. Vielleicht nehmen Sie also, die Gelegenheit wahr, Harden anzurufen und zu besuchen. Zu dem großen dauernden ErfolgCarl Sternheims Komödie „Der Snob“ (1914) war seit der Uraufführung am 2.2.1914 an den Kammerspielen des Deutschen Theaters in Berlin, zu der Wedekind dem Verfasser telegrafiert hatte [vgl. Wedekind an Carl Sternheim, 2.2.1914 und 4.2.1914], dort auf dem Spielplan [vgl. Berliner Tageblatt, Jg. 43, Nr. 127, 11.3.1914, Morgen-Ausgabe, 5. Beiblatt, S. (2)]. Ihres „Snob“ aufrichtige Glückwünsche. Ich freue mich ungeheuer über die Erfrischung, die Ihre Kunst in die Schlafmützenhaftigkeitdie Schlafmütze als karikierendes Attribut der Figur des ‚deutschen Michel‘ in der politischen Ikonographie des 19. Jahrhunderts. Wedekind verstand Maximilian Harden „als Antipoden der ‚Schlafmützen‘“ [Martin 1996, S. 32], wie ein Gedicht belegt, das den Publizisten meinte (am 7.4.1912 im „Berliner Lokal-Anzeiger“ gedruckt [vgl. KSA 1/I, S. 1728; vgl. Wedekind an „Berliner Lokal-Anzeiger“, 29.3.1912]): „In unserer Zeit, in der Schlafmützen / Weit fester auf dem Kopf als Kronen sitzen, / In unsrer satten, matten, dumpfen Zeit / Bin ich aufs tiefste von dem Wunsch beseelt, / Es möge uns, die geistige Not zu enden, / Ein gnädiger Himmel Männer senden, / Denen vor Größe, vor Erhabenheit | Es weder an Verstand noch Tatkraft fehlt.“ [KSA 1/I, S. 594] Die Verse hat Wedekind im Frühjahr 1914 [vgl. KSA 1/I, S. 1638f.] in den Gedichtentwurf „Schlafmützen“ integriert, der zugleich „HARDEN“ überschrieben ist [vgl. KSA 1/I, S. 761]. unserer Literatur bringt.

Mit herzlichen Empfehlungen | an Sie und Ihre verehrte Frau Gemahlin von meiner Frau und mir

Ihr ergebener
Frank Wedekind.


München 11.III.14.

Einzelstellenkommentare