Briefwechsel

Wedekind, Frank und Herzog, Wilhelm

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München, 9. November 1909 (Dienstag)
von Wedekind, Frank
an Herzog, Wilhelm

[1. Abschrift:]


Sehr verehrter Herr Herzog,

empfangen Sie meinen aufrichtigen DankMit dem vorliegenden Brief, in dem Wedekind sich für einen Artikel bedankt (siehe unten), nahm er den Kontakt zu Wilhelm Herzog auf, den er offenbar noch nicht persönlich kennengelernt hatte (siehe unten) und der über diesen Brief und seinen Artikel am 3.1.1910 aus Berlin an Heinrich Mann schrieb: „Von Wedekind bekam ich auf meinen Goldmann-Artikel hin einen reizenden, in seiner Naivität amusanten Brief.“ [PNP 0604] für die hohe WürdigungWilhelm Herzog hat gegen Ende eines Artikels über den Kritiker Paul Goldmann dessen Ablehnung Wedekinds kritisiert: „Goldmann ist ohne Humor auf die Welt gekommen. Und dennoch: durch eisernen Fleiß, durch seine und seiner Leser unermüdliche Ausdauer, hat er es fertig gebracht, eine Reihe humoristischer Artikel zu schreiben. Keiner aber ist so komisch, so zwerchfellerschütternd wie der über Wedekinds ‚Frühlings Erwachen‘. / In dem Vorwort zu seinem letzten Buch widmet er dem ‚Wedekind-Kultus‘ einige Seiten. Es regnet Entrüstungen und Proteste. Goldmann trieft vor Sittlichkeit. Er macht dem Philister Angst. ‚Frank Wedekind behandelt mit Vorliebe erotische Sujets.‘ Pfui, Wedekind! ‚Erotisch ist wohl‘, fährt er fort, ‚wenn man von Frank Wedekinds Oeuvre spricht, ein gar zu milder Ausdruck. Die schlimmsten Ausartungen der Erotik, der schamlose Zynismus der Dirne, die Perversität in allen ihren Formen, Päderastie, Lesbismus, Sadismus, das sind seine Stoffe. Dieser deutsche Dichter hat uns in einem anderen Drama masturbierende Kinder gezeigt, und Kinder (Kinder!), welche den Beischlaf vollziehen. Dieser deutsche Dichter hat in einem dritten Drama den Lustmord behandelt. Dieser deutsche Dichter hat neuestens ein Drama über die Abtreibung geschrieben – das einzige, das in diesem duftenden Kranz poetischer Blüten noch gefehlt hat.‘ / Kann man einen Kritiker ernst nehmen, der sich so leichtfertig entrüstet, der einen so komplizierten und leidenschaftlichen Geist wie Wedekind auf so nichtssagende Formeln zu bringen sucht, der sich gegen Wedekind einen solchen Ton anmaßt, während er zur selben Zeit Sudermann schätzt“ [Wilhelm Herzog: Paul Goldmann, der klare Kopf oder Die Kritik der reinen Vernunft. In: Die Schaubühne, Jg. 5, Nr. 45, 4.11.1909, S. 483-490, hier S. 489]., die Sie mir in Ihrem Aufsatz in der „Schaubühne“ zuteil werden lassen. Ich hätte Sie hierin München. Wilhelm Herzog hatte von 1906 bis 1909 in München gewohnt, dann (nach Aufenthalten in Berlin und Paris) wieder ab Herbst 1912 [vgl. Müller-Feyen 1996, S. 20, 44]. aufgesucht, erfahre aber zu meinem Bedauern, dass Sie nach Berlin übergesiedeltWilhelm Herzog ist im Herbst 1909 von München nach Berlin umgezogen – erste Adresse: Uhlandstraße 44 (seiner Korrespondenz mit Heinrich Mann zufolge) – und wohnte dann in Wilmersdorf (Johann Georg-Straße 7, Gartenhaus) [vgl. Berliner Adreßbuch 1911, Teil I, S. 1096]. sind. Wenn Sie wieder nach München kommen, dann bitte ich Sie mich zu besuchenWilhelm Herzog besuchte Wedekind, als er in München war – so dem Tagebuch zufolge am 23.1.1910 („Vor dem Abendessen kommt Wilhelm Herzog“), 22.2.1910 („Vor dem Abendessen kommt Wilhelm Herzog“) und 23.2.1910 („Zum Thee kommt Wilh. Herzog“). Wilhelm Herzog notierte zu der Begegnung am 22.2.1910 ausführlicher: „Autofahrt nach München. Zu Wedekind. [...] Ins Stepanie. Dr. Löbel. Mit ihm im Auto zu Wedekind. Sehr liebenswürdig. Bis 8½. Dann auf Abend verabredet. 11 h Torggelstube. [...] In der Torggelstube: W., seine Frau, Frau Langheinrich. Eine Stimmung mit allzu heftigen Kurven [...]. Über Thomas u. H. Mann, über Bahrs Konzert. W. schimpft auf eine etwas triviale Art auf Berlin. [...] Sekt trinken. Als ich von den 2 Flaschen eine bezahlen will, steht er entrüstet auf u. sagt: ‚Wir haben doch Geschäfte miteinander‘ – unverständlich, blödsinnig, – er kann auch gesagt haben: ‚Wir haben keine Geschäfte miteinander.‘ Gut. Schön. Ich ließ ihn zahlen. Unsympathische Manier jedoch. Tilly, das Kind, schweigt und ist beharrlich verliebt in ihn.“ [Tb Herzog] Und zum Besuch am 23.2.1910 um 17 Uhr: „Um 5 h mit dem Wagen [...] in die Prinzregenstenstr. 50. Zu W. Thee. Sehr liebenswürdig.“ [Tb Herzog]. Ebenso würde es mich freuen, wenn wir uns in Berlin kennen lernenWedekind lernte Wilhelm Herzog Anfang 1910 bei dessen Besuchen (siehe oben) in München kennen; eine persönliche Begegnung ist davor durch Wedekinds Tagebuch nicht belegt (auch nicht durch Herzogs Tagebuch), hat aber möglicherweise stattgefunden: „Zwischen Herzog und Wedekind bestand bereits seit 1907 eine freundschaftliche Beziehung, die bis zum Tod Wedekinds 1918 andauerte.“ [Müller-Feyen 1996, S. 20] Wilhelm Herzog hat Wedekind allerdings in der Tat schon Jahre zuvor zur Kenntnis genommen; so notierte er am 23.9.1904 in Berlin den nochmaligen Besuch einer „Erdgeist“-Vorstellung (Wedekind auf der Bühne sprach den Prolog): „Frank Wedekinds ‚Erdgeist‘ im Neuen Theater. Fr. Wedekind aus München spricht als Stallmeister seiner Menagerie (Personen seiner Tragödie) den Prolog. Pathetisch, bajuvarisch, immer die letzten Silben betonend u. das so viermal schnarrend. Er macht das alles sehr schön! Er schimpft auf den Pöbel, der vor ihm sitzt; der Pöbel klatscht ihm Beifall! Gertrud Eysoldt als Lulu, Eva, Mignon, Nelly leistet das Höchste, was zu leisten ist. Sie ist noch um einige Nuancen reifer geworden! Schamlos ist sie in ihrer Nacktheit. Doch da sie wirklich keine weiblichen Reize hat, kann sie das Rien zeigen. Steinrück als Dr. Schön hatte nicht eine Spur von Reichers damaliger Größe und Schärfe. Er war schlaff und geistlos. Kayßler spielte den Prinzen fein und diskret, weit besser als der erste Darsteller dieser Rolle.“ [Tb Herzog] würden.

Mit ergebensten Grüßen
Ihr
Frank Wedekind.


9.11.9.


[2. Erstdruck:]


München, Prinzregentenstr. 50

9.11.09.


Sehr verehrter Herr Herzog,

empfangen Sie meinen aufrichtigsten Dank für die hohe Würdigung, die Sie mir mit Ihrem Aufsatz in der „Schaubühne“ zuteil werden lassen. Ich hätte Sie hier aufgesucht, erfahre aber zu meinem Bedauern, daß Sie nach Berlin übergesiedelt sind. Wenn Sie wieder nach München kommen, dann bitte ich Sie mich zu besuchen. Ebenso würde es mich freuen, wenn wir uns in Berlin kennen lernen würden.

Mit ergebensten Grüßen
Ihr
Frank Wedekind.

Im Erstdruck (in Wilhelm Herzogs „Das Forum“) steht das Datum im Briefkopf unter der Absenderadresse „München, Prinzregentenstr. 50“ [so auch im späteren Druck; vgl. Herzog 1959, S. 206], die in der Abschrift fehlt.

Einzelstellenkommentare

Berlin, 2. März 1910 (Mittwoch)
von Herzog, Wilhelm
an Wedekind, Frank

[Hinweis in Wedekinds Brief an Wilhelm Herzog vom 5.3.1910 aus Prag:]


[...] nachdem ich Ihre geehrten Zeilen und die Einlage gelesen [...]

Einzelstellenkommentare

Prag, 5. März 1910 (Samstag)
von Wedekind, Frank
an Herzog, Wilhelm

[1. Abschrift:]


Prag, 5.III.10.


Sehr geehrter Herr Herzog!

Ich ersuche Sie nachdem ich Ihre geehrten Zeilennicht überliefert; erschlossenes Korrespondenzstück: Wilhelm Herzog an Wedekind, 2.3.1910. Beilage (ebenfalls nicht überliefert), erschlossenes Korrespondenzstück: Bruno Cassirer an Wedekind, 1.3.1910. – Tilly Wedekind hat ihrem Mann die Beilage mit Begleitschreiben am 3.3.1910 abends von München nach Prag nachgesandt [vgl. Tilly Wedekind an Frank Wedekind, 4.3.1910]. und die Einlagenicht überliefert; die Beilage dürfte ein Brief Bruno Cassirers gewesen sein (siehe oben), von dem im vorliegenden Brief die Rede ist. Frank Wedekind äußerte sich seiner Frau gegenüber auf einer Postkarte [vgl. Frank Wedekind an Tilly Wedekind, 4.3.1910] und brieflich [vgl. Frank Wedekind an Tilly Wedekind, 5.3.1910] zum Inhalt dieses Briefes. gelesen hab insofern weiter zu gehen„Ich schrieb [...] an Herzog“, teilte Wedekind seiner Frau zum vorliegenden Brief mit, „er möchte die Verhandlungen“ mit Bruno Cassirer „weiter fortsetzen“ [Frank Wedekind an Tilly Wedekind, 5.3.1910]. Wilhelm Herzog gehörte zu Personen, die in Wedekinds Streit mit seinem Verleger Bruno Cassirer [vgl. Vinçon 2014, S. 227-230] zu vermitteln suchten. Bei seinem nächsten Aufenthalt in Berlin (Ankunft: 30.3.1910) traf sich Wedekind am 3.4.1910 zu einem „Mittagessen mit Wilhelm Herzog“ [Tb] und hatte am 6.4.1910 eine „Unterredung mit [...] Wilhelm Herzog“ [Tb] über seine Auseinandersetzung mit Bruno Cassirer. Ein Gespräch fand außerdem bereits am 2.4.1910 statt, wie Wilhelm Herzog, der neuerdings als Lektor im Verlag Paul Cassirer tätig war und Wedekind für diesen Verlag werben wollte, über ein Treffen mit Wedekind festhielt, zu dem Paul Cassirer nicht erschien: „Cassirer hatte Wedekind zu einer Besprechung über den Verlagswechsel bestellt und war dann nicht erschienen. Er machte seinem Ärger über Cassirers Abwesenheit Luft: ‚Mit mir kann er nicht wie mit einem Manet 100000 Mark verdienen. Daher sein Mangel an Interesse. Da geh’ ich doch lieber zu meinem Georg Müller... Dem sage ich: ich brauche einen Vorschuß von 5000 Mark. Da gibt er mir 1000. Und die Sache ist erledigt‘.“ [Tb Herzog; vgl. Müller-Feyen 1996, S. 26] Das Treffen dauerte bis 14.30 Uhr, wie aus Wilhelm Herzogs stichwortartiger Notiz vom 2.4.1910 hervorgeht: „Wedekind. Mit W. Droschke. Sein Wartenmüssen bei C. ‚Das geht nicht.‘ Georg Müller in München. ‚Ich gehe auch nicht zu Rockefeller, Morgan. Die haben natürlich für mich keine Zeit‘ Im Hohenzoller gegessen. – Vor 16 Jahren hätte er auch mit Przybyszewski bereits im Hohenzollern gegessen. Der Wirt erkennt ihn noch. 2 ½ fort. Er ließ weder die Droschke noch das Mittagessen bezahlen.“ [Tb Herzog]“ Sein Auftaktgespräch mit Wedekind in der Sache des nicht zustande gekommenen Verlagswechsels vom Verlag Bruno Cassirer zum Verlag Paul Cassirer (zustande kam der Wechsel zum Verlag Georg Müller) hat Wilhelm Herzog später ausführlicher und etwas anders wiedergegeben [vgl. Herzog 1959, S. 203-205]., als es sich darum handelt endlich einmal den Preis zu erfahren, den B.C. fordert. Zu meiner Genugthuung sehe ich aus dem Brief B.C’s. daß von einem Bühnenvertrieb nicht mehr die Rede ist. Sobald die Preisfrage erledigt ist, wird der Käufer wenn ihn B.C. wünschAbschreibversehen, statt: wünscht (so im Erstdruck). leicht zu konstruiren sein.

Sobald ich in München binWedekind reiste am 10.3.1910 von Dresden zurück nach München [vgl. Tb]., leider nicht vor dem 12.III. werde ich selber denAbschreibversehen, statt: dem (so im Erstdruck). B.C. schreiben, was ihm ja nicht unwillkommen zu sein scheint und werde ihn auffordern, den Verlag direkt an mich zu verkaufenBruno Cassirer veröffentlichte dann die Anzeige: „Ich beabsichtige, aus meinem Verlage sämtliche bei mir erschienenen Werke von FRANK WEDEKIND zu verkaufen.“ [Börsenblatt für den Deutschen Buchhandel, Jg. 77, Nr. 56, 10.3.1910, S. 3079]. Auf diesem Wege ließen sich dann vielleicht die Genugthuungen, die er fordert, am wertvollsten anbringen, in demAbschreibversehen, statt: indem (so im Erstdruck). ich ihn auch darauf aufmerksam machen kann, daß er vielleicht nicht das Recht hat an dem Verkauf der Verlagsrechte anderer als geschäftliche Bedingungen zu knüpfen. Sollten Sie mir jetzt etwas mitzutheilen haben, dann erbitte ich Ihren Brief nach Dresden, Webers Hotel wo ich am 8. eintreffeWedekind traf dem Tagebuch zufolge am 8.3.1910 in Dresden ein.. Von da an dann wieder in München.

Mit ergebensten Grüßen
Ihr
Frank Wedekind.


[2. Erstdruck:]


Prag, 5.3.10.

Hotel Blauer Stern


Sehr geehrter Herr Herzog!

Ich ersuche Sie nachdem ich Ihre geehrten Zeilen und die Einlage gelesen insofern weiter zu gehen, als es sich darum handelt endlich einmal den Preis zu erfahren, den B.C. fordert. Zu meiner Genugtuung sehe ich aus dem Brief B.C’s, daß von einem Bühnenvertrieb nicht mehr die Rede ist. Sobald die Preisfrage erledigt ist, wird der Käufer wenn ihn B.C. wünscht leicht zu konstruieren sein.

Sobald ich in München bin, leider nicht vor dem 12.3. werde ich selber dem B.C. schreiben, was ihm ja nicht unwillkommen zu sein scheint und werde ihn auffordern, den Verlag direkt an mich zu verkaufen. Auf diesem Wege ließen sich dann vielleicht die Genugtuungen, die er fordert, am wertvollsten anbringen, indem ich ihn auch darauf aufmerksam machen kann, daß er vielleicht nicht das Recht hat an dem Verkauf der Verlagsrechte andere als geschäftliche Bedingungen zu knüpfen. Sollten Sie mir jetzt etwas mitzuteilen haben, dann erbitte ich Ihren Brief nach Dresden, Webers Hotel, wo ich am 8. eintreffe. Von da an dann wieder München.

Mit ergebensten Grüßen
Ihr
Frank Wedekind.

Einzelstellenkommentare

München, 20. Juni 1910 (Montag)
von Wedekind, Frank
an Herzog, Wilhelm

[1. Notiz in Wilhelm Herzogs Tagebuch vom 23.6.1910 in München (Tb Herzog):]


Vormittag Wedekinds Broschüre „Schauspielkunst“ gelesen – mit Erna. [...].


[2. Hinweis und Zitat in Wilhelm Herzogs Tagebuch vom 23.6.1910 in München, spätere getippte Version (Tb Herzog):]


Frank Wedekinds Broschüre „Schauspielkunst“ gelesen. Er schickte sie mir „mit herzlichen Grüßen“ auf dem Titelblatt des Widmungsexemplars.

Einzelstellenkommentare

Berlin, 27. Oktober 1910 (Donnerstag)
von Herzog, Wilhelm
an Wedekind, Frank

[Hinweis in Wedekinds Brief an Wilhelm Herzog vom 28.10.1910 aus München:]


[...] Gutmann [...]. Ich sende ihm also Ihren Brief [...]

Einzelstellenkommentare

München, 28. Oktober 1910 (Freitag)
von Wedekind, Frank
an Herzog, Wilhelm

Sehr geehrter Herr Herzog!

BeiliegendDie Beilage, ein Manuskript von „Aufklärungen“ (siehe unten), ist nicht überliefert. sende ich Ihnen die Fahnenvon Wedekinds Essay „Aufklärungen“ [KSA 5/II, S. 389-393], der vier Tage später im ersten Heft der neugegründeten Halbmonatsschrift „Pan“ (herausgegeben von Wilhelm Herzog und Paul Cassirer) gedruckt vorlag [vgl. Frank Wedekind: Aufklärungen. In: Pan, Jg. 1, Heft 1, 1.11.1910, S. 11-16]. Sie erschien im Verlag Paul Cassirer, wo Wilhelm Herzog als Lektor tätig war. Das Manuskript war am 12.10.1910 abgeschlossen und wurde vom Autor vor Ort im Verlag Paul Cassirer diktiert, wie Wedekind an diesem Tag in Berlin notierte: „Ich diktiere bei Cassirer Aufklärungen“ [Tb]. korrigiert zurück.

Mit dem Vortrag, Donnerstag 10. NovemberWedekind las seinen Essay „Aufklärungen“ am 10.11.1910 auf dem ersten Vortragsabend der Gesellschaft Pan im Salon Paul Cassirer in Berlin (Viktoriastraße 35), die wie die Zeitschrift „Pan“ gerade gegründet worden war. Er notierte am 7.11.1910 noch in München: „Berliner Vortrag vorbereitet“ [Tb], fuhr am 9.11.1910 abends von München nach Berlin, wo er am 10.11.1910 morgens eintraf, sich ausruhte, nach der Lesung abends den „Vortrag von Aufklärungen“ [Tb] notierte und am 11.11.1910 zurück nach München reiste. bin ich einverstanden. Soviel ich mich erinnere war ein Honorar von M. 500 vorgesehen. Ich würde den Vortrag aber gern durch GutmannWedekinds Vortrags- und Gastspielreisen wurden vom Münchner Konzertbüro Emil Gutmann organisiert. Er hat am 25.10.1910 „Besprechung mit Gutmann“ [Tb] notiert, dann am 9.11.1910 noch in München kurz vor seiner Abreise nach Berlin „Besuch bei Gutmann.“ [Tb] Bei den Gesprächen mit Emil Gutmann dürfte es um den Vortrag von „Aufklärungen“ gegangen sein. abschliessen. Da er selber sich um einen Vortrag für mich in Berlin bemüht hat und ich mich seiner Vermittlung in Zukunft auch bei Gastspielen in Berlin bedienen müsste. Ich sende ihm also Ihren Briefnicht überliefert; erschlossenes Korrespondenzstück: Wilhelm Herzog an Wedekind, 27.10.1910. ‒ Der Vertragsabschluss zwischen Wilhelm Herzog und Paul Cassirer über die gemeinsame „Pan“-Herausgeberschaft erfolgte ebenfalls am 27.10.1910 [vgl. Müller-Feyen 1996, S. 26], was von Wilhelm Herzog in seinem verschollenen Brief thematisiert worden sein könnte, da im vorliegenden Brief von zukünftigen Veröffentlichungen Wedekinds im „Pan“ die Rede ist. worauf er an Sie schreiben wird.

Was ich zur Veröffentlichung fertig habe, werde ich Ihnen für den „PanIm zweiten Heft des „Pan“ am 15.11.1910 erschien Wedekinds „Prolog in der Buchhandlung“ [KSA 3/I, S. 549-552; vgl. KSA 3/II, S. 867], im fünften Heft am 1.1.1911 „Autobiographisches“ [KSA 5/II, S. 355-357; vgl. KSA 5/III, S. 73f.] von ihm. schicken.

Ich bitte Sie mich Herrn und Frau CassiererPaul Cassirer (Mitherausgeber und Verleger des „Pan“) und Tilla Durieux, die seit dem 24.6.1910 verheiratet waren, was in der Öffentlichkeit noch nicht publik war. bestens zu empfehlen.

Mit den besten Grüßen
in vorzüglicher Hochschätzung
Ihr Frank Wedekind


28.10.10.

Einzelstellenkommentare

München, 25. Mai 1911 (Donnerstag)
von Wedekind, Frank
an Herzog, Wilhelm

Sehr verehrter Herr Herzog!

Im/n/ b/B/eiliegenden/mDie Beilage ist nicht überliefert; es dürfte sich um einige vermutlich kürzere Texte von Will Scheller gehandelt haben./ sende ich Ihnen einige Proben der schriftstellerischen Thätigkeit des Herrn WildAbschreibversehen, statt: Will (Will Scheller ist gemeint). Scheller. Ich halte es für richtig auch den Briefnicht überliefert; erschlossenes Korrespondenzstück: Will Scheller an Wedekind, 24.5.1911. den er an mich gerichtet gleich beizulegen. Sollte Ihnen Herr Scheller als MitarbeiterWill Scheller hat im „Pan“, als Wilhelm Herzog nicht mehr Herausgeber der Zeitschrift war, einen Beitrag publiziert [vgl. Will Scheller: Gustav Meyrink. In: Pan, Jg. 2, Heft 13, 15.2.1912, S, 391-395]. nicht genehm sein, so haben Sie vielleicht die Güte, die Sachen an mich oder an Herrn Schellervgl. Wedekind an Will Scheller, 26.5.1911. ‒ Wedekind hatte mit Will Scheller, der später Werke von ihm wohlwollend rezensierte, in den nächsten Wochen näheren Kontakt. So notierte er am 17.6.1911 eine „Unterredung mit Will Scheller“ [Tb] und am 28.7.1911 nach einem Auftritt einen gemeinsamen Abend mit Frau und Schwägerin in der Torggelstube: „Nachher mit Tilly und Martha und Will Scheller in der T.St.“ [Tb] selber zurückzusenden.

Mit hochs/a/chtungsvollem Gruße
Ihr ergebener
Frank Wedekind


München
25.5.11.

Einzelstellenkommentare

München, 26. Mai 1911 (Freitag)
von Wedekind, Frank
an Herzog, Wilhelm

[1. Abschrift:]


Sehr geehrter Herr Herzog!

Darf ich sie höflichst um die Gefälligkeit bitten, um ein Exemplar der PannummerDas fünfte Heft des ersten Jahrgangs des „Pan“ mit Wedekinds drittem Beitrag, der in der von Wilhelm Herzog und Paul Cassirer herausgegebenen Zeitschrift erschienen ist [vgl. Frank Wedekind: Autobiographisches. In: Pan, Jg. 1, Heft 5, 1.1.1911, S. 147-149]., die meine biographische Notiz von HardekopfWedekinds Beitrag „Autobiographisches“ [KSA 5/II, S. 355-357] im „Pan“ (siehe oben) liegt ein Brief Wedekinds zugrunde [vgl. Wedekind an Ferdinand Hardekopf, 28.4.1901], den Ferdinand Hardekopf dem „Pan“ für das Heft vom 1.1.1911 zur Verfügung stellte und dort mit einer Einleitung versah [vgl. KSA 5/III, S. 74]: „Zur Abfassung dieser Skizze, die 1901 – also vor jetzt neun Jahren – in München niedergeschrieben wurde, bewog Herrn Frank Wedekind einzig die Absicht, einem jungen Literaten freundliche Förderung angedeihen zu lassen. Aus meiner Bewunderung für den Dichter war mir der Wunsch erwachsen, seine Produktion durch einen Lebenslauf dokumentiert zu sehen, seine Werke als Teil eines Schicksals erkennen zu dürfen. So wagte ich mich, nachdem mehrere Briefe vorausgegangen waren, bis zu der Bitte vor: der Dichter möge mir, für meine literarischen Zwecke, einige biographische Sachlichkeiten zur Verfügung stellen. Das Material, das Herr Wedekind mir sandte, wird hier zum ersten Male gedruckt. Ich habe den Text in keiner Weise geändert. / FERDINAND HARDEKOPF“ [Pan, Jg. 1, Heft 5, 1.1.1911, S. 147]. Wedekinds Text ist im „Pan“ um einige Passagen gekürzt. Ferdinand Hardekopf hat darüber hinaus im vorangehenden Heft einen Beitrag über Wedekind veröffentlicht [vgl. Ferdinand Hardekopf: Wedekinds Weg. In: Pan, Jg. 1, Heft 4, 16.12.1910, S. 130-132]. enthält senden lassen zu wollene an Herrn Privatdozent Dr. Arthur Kutscher München m/M/auerkirchstrasse 6Mauerkircherstraße 6 (4. Stock), wo Artur Kutscher wohnte und dort dienstags von 14 bis 15 Uhr auch seine Sprechstunden abhielt [vgl. Adreßbuch für München 1912, Teil I, S. 340].. Herr Dr. Kutscher braucht, soviel ich weiss die Notiz zu einem KollegLehrveranstaltung des Literatur- und Theaterwissenschaftlers Dr. phil. Artur Kutscher, Privatdozent an der Universität München, im Sommersemester 1911 (es hatte am 21.4.1911 begonnen): „Kleist ‒ Grabbe ‒ Hebbel ‒ Wedekind, zweistündig, Montag und Donnerstag von 6‒7 Uhr, privatim“ [Verzeichnis der Vorlesungen an der Ludwig-Maximilians-Universität zu München im Sommer-Semester 1911. München (1911), S. 24; vgl. ebd. S. 43]; es fand also privatim (mit Kolleggeld belegt) an den genannten Tagen von 18 bis 19 Uhr statt. und würde auch den „Pan“ als Quelle erwähnen.

In vorzüglicher Hochschätzung
Ihr ergebener
Frank Wedekind


München
26.5.11.


[2. Erstdruck:]


München, 26.5.11.


Sehr geehrter Herr Herzog!

Darf ich sie höflichst um die Gefälligkeit bitten, ein Exemplar der Pannummer, die meine biographische Notiz von Hardekopf enthält senden lassen zu wollen an Herrn Privatdozent Dr. Arthur Kutscher, München, Mauerkirchstraße 6. Herr Dr. Kutscher braucht, soviel ich weiß, die Notiz zu einem Kolleg und würde auch den „Pan“ als Quelle erwähnen.

In vorzüglicher Hochschätzung
Ihr ergebener
Frank Wedekind.

Einzelstellenkommentare

München, 23. Oktober 1911 (Montag)
von Wedekind, Frank
an Herzog, Wilhelm

[1. Abschrift:]


Sehr geehrter Herr Herzog!

Empfangen Sie meinen herzlichsten Dank für das große Lob, das Sie immer wieder für meine Arbeiten übrig haben. Was Sie im Frühling über Büchse der Pandora schriebenWilhelm Herzogs Essay über Wedekind als Verfasser der Tragödie „Die Büchse der Pandora“ (1903) erschien zuerst in dem von Rudolf Breitscheid herausgegebenen demokratischen Wochenblatt [vgl. Wilhelm Herzog: Pandora, Presse und Publikum. In: Das freie Volk, Jg. 2, Nr. 21, 27.5.1911], dessen Feuilleton Wilhelm Herzog redigierte, und wurde 1914 wieder abgedruckt in seiner eigenen Zeitschrift [vgl. Wilhelm Herzog: Der Pandora-Dichter. In: Das Forum, Jg. 1, Heft 3, Juni 1914, S. 173-177] sowie zu Wedekinds 50. Geburtstag im „Wedekindbuch“ [vgl. Wilhelm Herzog: Der Pandoradichter. In: Friedenthal 1914, S. 181-188]., machte mußte mir eine ganz besondere Freude, ich darf sagen Erhebung sein inmitten der b/B/erliner k/K/ritiken. Ob ich Ihr Wohlwollen verdient habe weiss ich nicht, auf jeden Fall werde ich mich bemühen, es weder künstlerisch noch menschlich zu verscherzen.

Mit gros/ß/sem Bedauern las ich, dass Sie aus der Redaktion des „Pan“ ausgeschiedenDifferenzen mit Alfred Kerr hatten dazu geführt, dass Wilhelm Herzog den „Pan“ verließ (das letzte von ihm herausgegebene Heft war das Heft vom 1.10.1911). Erich Mühsam notierte am 16.10.1911, dass es Alfred Kerr war, „der Herzog hinausgeekelt hat“ [Tb Mühsam]. Wilhelm Herzog hat Alfred Kerr nach seinem Ausscheiden aus der Redaktion des „Pan“ am 11.10.1911 ein Telegramm geschickt: „Habe mein Vertragsverhältnis als Redakteur gelöst. Wiederhole dies hiermit auch Ihnen gegenüber und verbiete meine Nennung als verantwortlicher Redakteur in allen zukünftigen Heften“ [Müller-Feyen 1996, S. 40]. sind. Ich hoffem/,/ daß Sie den Verlust sobald wie möglich nicht zu bedauern haben werden. Es würde mich sehr freuen wenn ich in Berlin das Vergnügen hätte, Sie zu sehen. Sollten Sie ein neues UnternehmenWilhelm Herzog ließ sich nach seiner Rückkehr aus Paris im Herbst 1912 in München von Ludwig Thoma dafür gewinnen, die Zeitschrift „März“ im Verlag Albert Langen zu redigieren, wovon ihm Wedekind abgeraten hat [vgl. Herzog 1959, S. 209-210], und gründete dann 1914 seine eigene Zeitschrift: „Als ich mir in München [...] eine eigene Tribüne, ‚Das Forum‘, zimmerte, hatte ich die Freude, daß Wedekind mein ständiger Mitarbeiter wurde. Dem Erscheinen des ersten Forum-Heftes gingen acht Forum-Abende voran [...]. Wedekind war der erste Abend gewidmet (28. Nov. 1913).“ [Herzog 1959, S. 211f.] beginnen, so hoffe ich derart darauf Ihnen, soweit Sie mich brauchen können, von Nutzen sein zu können.

Mit besten Grüßen
Ihr ergebener
Frank Wedekind


23.10.11.


[2. Erstdruck:]


(München), 23.10.11.


Sehr geehrter Herr Herzog!

Empfangen Sie meinen herzlichen Dank für das große Lob, das Sie immer wieder für meine Arbeiten übrig haben. Was Sie im Frühling über Büchse der Pandora schrieben, mußte mir eine ganz besondere Freude, ich darf sagen Erhebung sein inmitten der Berliner Kritiken. Ob ich Ihr Wohlwollen verdient habe weiß ich nicht, auf jeden Fall werde ich mich bemühen, es weder künstlerisch noch menschlich zu verscherzen.

Mit großem Bedauern las ich, daß Sie aus der Redaktion des „Pan“ ausgeschieden sind. Ich hoffe, daß Sie den Verlust sobald wie möglich nicht zu bedauern haben werden. Es würde mich sehr freuen, wenn ich in Berlin das Vergnügen hätte, Sie zu sehen. Sollten Sie ein neues Unternehmen beginnen, so hoffe ich darauf, Ihnen, soweit Sie mich brauchen können, von Nutzen sein zu können.

Mit besten Grüßen
Ihr ergebener
Frank Wedekind.

Im Erstdruck (in Wilhelm Herzogs „Das Forum“) steht das Datum im Briefkopf, mit in eckigen Klammern vorangestellten Schreibort München.

Einzelstellenkommentare

Königsberg, 1. November 1911 (Mittwoch)
von Wedekind, Frank
an Herzog, Wilhelm

Sehr geehrter Herr Herzog!

Es hat mir sehr leid getan, dass wir uns am Sonntagder 29.10.1911, für den angekündigt war: „Frank Wedekind wird nach mehrjähriger Pause wieder in Berlin am Vortragspult erscheinen. Der Dichter hält am Sonntag, den 29. Oktober im Klindworth-Scharwenka-Saal einen freien Vortrag über ein ethisch-ästhetisches Thema.“ [Berliner Tageblatt, Jg. 40, Nr. 500, 1.10.1911, Morgen-Ausgabe, S. (2)] Wedekind wollte sich nach seinem Vortragsabend um 20 Uhr im Klindworth-Scharwenka-Saal in Berlin unter dem Titel „‚GEDANKEN‘ Ethische und ästhetische Probleme“ [Berliner Tageblatt, Jg. 40, Nr. 546, 26.10.1911, Morgen-Ausgabe, 4. Beiblatt, S. (3)], bei dem er erstmals seine Rede „Heinrich von Kleist“ vortrug (und weitere Texte las), mit Wilhelm Herzog (und Paul Cassirer) zu einer Besprechung im Weinlokal A. Frederich treffen wollte (siehe unten). Abend nicht mehr gesehen haben. Glauben Sie bitte nicht dass ich der BesprechungWedekind dürfte die nicht zustande gekommene Besprechung mit Wilhelm Herzog und Paul Cassirer spät abends nach seinem Vortrag am 29.10.1911 (siehe oben) mit den beiden Gründern der Zeitschrift „Pan“ am Abend zuvor verabredet haben (wohl aus Anlass von Wilhelm Herzogs im Vormonat erfolgten Ausscheiden aus der Redaktion des „Pan“). Er traf am 28.10.1911 in Berlin ein, war nachmittags zu „Besuch bei Cassirer“ [Tb] und verbrachte den Abend im Weinlokal A. Frederich (Potsdamer Straße 12) mit Tilla Durieux, Paul Cassirer, seinem Schwager Dagobert Newes und Wilhelm Herzog: „Frederich mit Durieux Cassirer Bertl Herzog“ [Tb]. aus dem Wege gehen woltteAbschreibfehler, statt: wollte.. Ich war nur etwas abgespannt, direkt nach dem VortragWedekind war nach seinem Vortrag am 29.10.1911 im Klindworth-Scharwenka-Saal (siehe oben) „mit Bertl Sachs und Frau“ [Tb], also mit Dagobert Newes, Erich Sachs (Inhaber der Konzertdirektion Jules Sachs) und dessen Gattin wiederum wie schon am Vorabend im Weinlokal A. Frederich (siehe oben), um am nächsten Morgen zu seinem Gastspiel nach Königsberg aufzubrechen., glaubte aber bestimmt, Sie würden noch kommennach Wedekinds Vortrag am 29.10.1911 in das Weinlokal A. Frederich (siehe oben).. Grüßen Sie bitte Herrn Cassierer von mir und seien Sie selber bestens gegrüßt von IhrenAbschreibfehler, statt: Ihrem. ergebenen
Frank Wedekind


Königsberg
1.11.1911.

Einzelstellenkommentare

Berlin, 17. November 1911 (Freitag)
von Herzog, Wilhelm
an Wedekind, Frank

[Hinweis in Wedekinds Brief an Wilhelm Herzog vom 19.11.1911 aus München:]


Empfangen Sie meinen schönsten Dank für das prachtvolle Geschenk, das Sie mir mit Ihrer Kleistbiographie gemacht haben.

Einzelstellenkommentare

München, 19. November 1911 (Sonntag)
von Wedekind, Frank
an Herzog, Wilhelm

[1. Abschrift:]


Sehr geehrter Herr Herzog!

Empfangen Sie meinen schönsten Dank für das prachtvolle GeschenkHinweis auf ein nicht überliefertes Begleitschreiben zur Buchsendung; erschlossenes Korrespondenzstück: Wilhelm Herzog an Wedekind, 17.11.1911. ‒ „Heinrich von Kleist. Sein Leben und sein Werk“ von Wilhelm Herzog war gerade erschienen und „gelangte soeben zur Versendung“ [Börsenblatt für den Deutschen Buchhandel, Nr. 269, 18.11.1911, S. 14392] an den Buchhandel, wie die C.H. Beck Verlagsbuchhandlung Oskar Beck in München annoncierte, und der Verfasser sandte ein Exemplar der Monografie an Wedekind., das Sie mir mit Ihrer Kleistbiographie gemacht haben. Morgen Abendam 20.11.1911. Die Presse hatte zum 100. Todestag des Dichters Heinrich von Kleist angekündigt: „Auch das Münchner Schauspielhaus plant eine Heinrich v. Kleist-Feier. Montag, 20. November, gelangt der ‚Zerbrochene Krug‘ völlig neu einstudiert zur Aufführung. Dann wird Frank Wedekind eine Gedächtnisrede auf Kleist halten“ [Münchner Neueste Nachrichten, Jg. 64, Nr. 499, 25.10.1911, Vorabendblatt, S. 2]; dann nochmals: „den 20. November, findet eine Kleist-Feier statt, eine Aufführung von ‚Der zerbrochene Krug‘. [...] Zum Schluß der Feier wird, wie bereits mitgeteilt, Frank Wedekind eine Gedächtnisrede auf Kleist halten.“ [Münchner Neueste Nachrichten, Jg. 64, Nr. 537, 17.11.1911, Vorabendblatt, S. 1] Wedekind hielt am 20.11.1911 in München im Rahmen dieser Feier seinen „Kleistvortrag im Schauspielhaus“ [Tb], in der Fußnote zum Erstdruck als „Rede, gehalten bei der Kleist-Feier des Münchner Schauspielhauses“ [Münchner Neueste Nachrichten, Jg. 64, Nr. 546, 22.11.1911, Morgenblatt, S. 1] bezeichnet, hat aber noch am selben Tag an dieser Rede gearbeitet, wie er am 20.11.1911 notierte: „Schreibe an Kleistvortrag.“ [Tb] Insofern las er in München eine andere Fassung als in Berlin, wo er seine Kleist-Rede am 29.10.1911 erstmals gehalten hat. Er dürfte den Auftakt der Rede mit der Würdigung Wilhelm Herzogs (siehe unten) am 20.11.1911 neu formuliert haben, nachdem er nun dessen Kleist-Monografie (siehe oben) vorliegen hatte. spreche ich einige Worte über Kleist im Münchener Schauspielhaus: und werde mir erlauben, Ihnen meinen Dank dabei öffentlich auszusprechenDer Auftakt von Wedekinds Kleist-Rede lautet: „Meine hochverehrten Damen und Herren! Das schönste Denkmal, das Heinrich v. Kleist zu seinem hundertjährigen Todestag erhalten hat, ist meines Wissens die über 500 Seiten starke Kleist-Biographie des jungen Literarhistorikers Wilhelm Herzog. Im allgemeinen teile ich die Literarhistoriker in zwei große Klassen ein. Die einen sind Literarhistoriker, für die die gesamte Literatur immer hundert Jahre vor der Gegenwart aufhört. Die anderen haben den genialen Blick, die Literatur der Gegenwart mit der vergangener Jahrhunderte zu vergleichen und an ihr zu messen. Die einen sind die geborenen Erfolgsanbeter [...]. Die anderen sind die Mitkämpfer, die Mitschaffenden, die oft auf gleicher geistiger Höhe stehen, wie die Dichter, mit denen sie sich beschäftigen, ihnen oft auch geistig weit überlegen sind. [...] Zu der zweiten Art von Literarhistorikern gehört Wilhelm Herzog. Seine Kleist-Biographie, die alle Resultate der bisherigen Kleist-Forschung umfaßt und der er sechs Jahre seines Lebens widmete, hat ihn nicht gehindert, der Literatur der Gegenwart seine ganze Seelenglut und eine überlegene souveräne Auffassungsgabe entgegenzubringen.“ [KSA 5/II, S. 420].

Mit besten Grüßen
Ihr ergebener
Frank Wedekind


München 19.11.11.


[2. Erstdruck:]


München, 19.11.11.


Sehr geehrter Herr Herzog!

Empfangen Sie meinen schönsten Dank für das prachtvolle Geschenk, das Sie mir mit Ihrer Kleistbiographie gemacht haben. Morgen Abend spreche ich einige Worte über Kleist im Münchener Schauspielhaus: und werde mir erlauben, Ihnen meinen Dank dabei öffentlich auszusprechen.

Mit besten Grüßen
Ihr ergebener
Frank Wedekind.

Einzelstellenkommentare

München, 3. Februar 1914 (Dienstag)
von Wedekind, Frank
an Herzog, Wilhelm

[1. Abschrift:]


Sehr geehrter Herr Herzog!

Hier die KackelnummerAbschreibfehler, statt: Fackelnummer (so im Erstdruck). Gemeint ist das Heft der Zeitschrift „Die Fackel“ mit Wedekinds Essay über Henrik Ibsen und dessen Schauspiel „Baumeister Solneß“, in dem der Herausgeber Karl Kraus dazu die Fußnote gesetzt hat: „Frank Wedekind hat mir diese Studie, die – zehn Jahre nach Ibsens Werk – in einer kleinen Münchener Revue ‚Freistatt‘ IV./28., 13. Juli 1902 erschienen und weiteren Kreisen völlig unbekannt geblieben ist, für die ‚Fackel‘ überlassen.“ [Frank Wedekind: Schriftsteller Ibsen und „Baumeister Solneß“. Ein kritischer Essay. In: Die Fackel, Jg. 8, Nr. 205, 11.6.1906, S. 5-20] Der Druck des Essays „Schriftsteller Ibsen und ‚Baumeister Solneß‘“ [KSA 5/II, S. 176-188] in der „Freistatt“ vom 13.7.1902 war eine Überarbeitung der früheren Fassung „Schriftsteller Ibsen. (‚Baumeister Solneß‘)“ [KSA 5/II, S. 131-144], die in Fortsetzungen vom 2. bis 5.11.1895 in der „Neuen Zürcher Zeitung“ erschienen ist. mit SolnesAbschreibfehler, statt: Solneß (so im Erstdruck).. Mit den besten Wünschen für das „Forum“Wedekind notierte am 1.8.1913: „Wilhelm Herzog kommt zu mir. Gründung des Forum.“ [Tb] Sein Essay erschien im vierten Heft der von Wilhelm Herzog herausgegebenen neuen Zeitschrift [vgl. Frank Wedekind: Schriftsteller Ibsen und „Baumeister Solneß“. Ein kritischer Essay. In: Das Forum, Jg. 1, Heft 4, Juli 1914, S. 201-218], deren erstes Heft im April 1914 im Forum-Verlag in München herausgekommen war. Wilhelm Herzog wies im Erstdruck des vorliegenden Briefes auf den Druck im „Forum“ hin, zitierte aus seiner Vorbemerkung und merkte zu Wedekinds Essay an, dass er „acht Jahre vorher [...] zum erstenmal in der ‚Fackel‘ erschienen war. Wedekind schickte mir als Druckvorlage die alte Nummer der von Karl Kraus herausgegebenen ‚Fackel‘.“ Zu dem von ihm mit einer ausführlichen Vorbemerkung [vgl. KSA 5/III, S. 756, 766] versehenen Druck im „Forum“ merkte er einleitend an: „Auf meinen Wunsch hat mir Frank Wedekind für das Forum die Veröffentlichung dieses Essays überlassen, der viel zu wenigen bekannt geworden ist, obwohl er bereits vor acht Jahren von Karl Kraus in seiner ‚Fackel‘ zum zweiten Male gedruckt wurde.“ [Das Forum, Jg. 1, Heft 4, Juli 1914, S. 201] und schönstem Gruß

Ihr ergebener
Frank Wedekind


3.2.14.


[2. Erstdruck:]


München, 3.2.14.


Sehr geehrter Herr Herzog!

Hier die Fackelnummer mit Solneß. Mit den besten Wünschen für das „Forum“ und schönsten Gruß

Ihr ergebener
Frank Wedekind.

Einzelstellenkommentare

München, 17. Februar 1914 (Dienstag)
von Wedekind, Frank
an Herzog, Wilhelm

[1. Abschrift:]


Herr Herzog!

Inliegend der AufsatzDie Beilage, ein Manuskript des Essays „Weltlage“ [KSA 5/II, S. 513f.], ist nicht überliefert. Wedekinds Tagebuch zufolge hat er den Essay für Wilhelm Herzogs neue Zeitschrift „Das Forum“ (München) am 17.2.1914 geschrieben („Schreibe Artikel für Forum“) und noch an diesem Tag als Beilage zu dem vorliegenden Begleitbrief abgeschickt. Wilhelm Herzog merkte im Erstdruck dieses Briefes an: „Das ist der mir für das Eröffnungsheft des ‚Forum‘ (April 1914) geschickte Aufsatz ‚Weltlage‘, einer der wenigen politischen Artikel Wedekinds.“ Nach Erscheinen des Essays [vgl. Frank Wedekind: Weltlage. In: Das Forum, Jg. 1, Heft 1, April 1914, S. 17-18] notierte Wedekind im Kontobuch am 30.4.1914 unter Einnahmen: „Von Forum für Weltlage 20 [Mark]“ [KSA 5/III, S. 870]. Die Veröffentlichung dürfte am 15.2.1914 bei einem „Spaziergang mit Herzog“ [Tb] verabredet worden sein.. Hoffentlich ist er nicht gänzlich missglückt. Mit schönstem Gruß
Ihr
Frank Wedekind.


17.2.14.


[2. Erstdruck:]


München, 17.2.14.


Sehr geehrter Herr Herzog!

Inliegend der Aufsatz. Hoffentlich ist er nicht gänzlich mißglückt. Mit schönstem Gruß
Ihr
Frank Wedekind.

Einzelstellenkommentare

München, 3. Juli 1914 (Freitag)
von Herzog, Wilhelm und Das Forum, (Zeitschrift)
an Wedekind, Frank

[Hinweis in Tilly Wedekinds Brief an Frank Wedekind vom 4.7.1914 aus München:]


Das „Forum“ schickt 50 M.

Einzelstellenkommentare

München, 21. April 1915 (Mittwoch)
von Wedekind, Frank
an Herzog, Wilhelm

Lieber verehrter Herr Herzog!

Empfangen Sie herzlichsten Dank für die prachtvollen BlumenGenesungspräsent für den Rekonvaleszenten ‒ Wedekind hatte sich am 14.4.1915 in das Josephinum begeben, eine Privatheilanstalt in München (Schönfeldstraße 16), und war dort am 15.4.1915 erneut am Blinddarm operiert worden [vgl. Tb]. mit denen Sie mein Zimmer geschmückt haben. Wenn Sie in diesen Tagen einmal einen Augenblick frei haben besuchen Sie mich vielleicht und erzählen mir auch etwas von/m/ F ClubAnspielung auf das letzte Treffen: Wedekind war am 8.4.1915 zu Besuch „bei Wilhelm Herzog der einen politischen Club gründen will. Forum Club.“ [Tb] Das Vorhaben, benannt nach Wilhelm Herzogs Zeitschrift „Das Forum“, war eine der Initiativen des Pazifisten, gegen den Krieg zu wirken. Gemeint gewesen sein könnte der Bund Deutsches Vaterland, der sich für Frieden und Völkerverständigung einsetzte. Wilhelm Herzog hat 1915 im März-Heft des „Forum“ über dessen Gründung berichtet (und zu berichten angekündigt).. Hoffentlich befinden sich Ihre verehrte Frau Gemahlin und Ihre TochterEva-Maria Herzog war am 2.4.1915 geboren worden, die gemeinsame Tochter von Wilhelm Herzog und Erna Morena. wohl. Wenn Sie Harden sehenMaximilian Harden wurde in München zu einem von der Konzertagentur Hugo Bauer am 24.4.1915 um 20 Uhr in der Tonhalle veranstalteten Vortrag [vgl. Münchner Neueste Nachrichten, Jg. 68, Nr. 184, 11.4.1915, Morgenblatt, S. 7] erwartet: „Heute Samstag findet in der Tonhalle der zweite Kriegsvortrag ‚Wie steht’s?‘ von Maximilian Harden statt. Der Vortrag beginnt pünktlich 8 Uhr; das Publikum ist gebeten, des großen Stoffes wegen Störungen durch verspäteten Eintritt freundlichst zu vermeiden.“ [Münchner Neueste Nachrichten, Jg. 68, Nr. 208, 24.4.1915, General-Anzeiger, S. 1] Die Presse berichtete, Maximilian Harden habe „in der Tonhalle vor einem zahlreichen Publikum“ [Wie steht’s? Kriegsvortrag von Maximilian Harden. In: Münchner Neueste Nachrichten, Jg. 68, Nr. 211, 26.4.1915, Morgenblatt, S. 3] gesprochen. melden Sie bitte einen schönen Gruß. Mit besten Grüßen und Empfehlungen an Sie und Ihre verehrte Frau GemahlinWilhelm Herzog und Erna Morena waren seit dem 22.12.1914 verheiratet (Trauzeugen waren Heinrich Mann und Carl Rößler). von meiner Frau und mir
Ihr ergebener
Frank Wedekind


21.4.15.

Einzelstellenkommentare

München, 10. November 1917 (Samstag)
von Herzog, Wilhelm und Forum-Verlag, (Verlag)
an Wedekind, Frank

[Hinweis in Tilly Wedekinds Postkarte an Frank Wedekind vom 11.11.1917 aus München:]


Das Forum schickt einen Band „Geist“ für Dich gedruckt.

Einzelstellenkommentare