Lieber Max!
Es hat mir sehr leid gethan daß wir uns gestern
AbendFrank Wedekind besuchte am 23.10.1911 nach einem „Kutscherabend im Ratskeller“ [Tb] gemeinsam mit seinem Neffen Armin Wilhelm Gottlieb Wedekind das Weinlokal Zur Torggelstube (Platzl 8) und traf dort Max Dauthendey und dessen Gattin Annie Dauthendey (geb. Johanson) sowie Korfiz Holm und dessen Frau: „T.St. mit Armin Dauthendeis Holms“ [Tb]. unversehens aus den Augen verloren. Ich bitte Dich, meinen Neffen und
mich bei Deiner verehrten lieben FrauAnnie Dauthendey (geb. Johanson) war seit vielen Jahren die Gattin von Max Dauthendey, den sie am 6.5.1896 in Saint Helier auf Jersey geheiratet hat. deshalb entschuldigen zu wollen. Bei | jedem
Wort, das ich in den Zeitungen über Dich lese, freue ich mich immer wieder von
neuem, daß auch Du endlich ans Ziel gelangt bist, und zwar nicht nur als
Freund, sondern in erster Linie weil Deine Kunst sicherlich der stärkste
Sturmbockmetaphorisch; „belagerungsmaschine des altertums und mittelalters“ [DWB, Bd. 20, Sp. 605], Rammbock. gegen die pedantische Schulmeisterei des Naturalismus ist, unter
dessen Engherzigkeit wir beide lange Jahre gelitten haben. |
Mit besten Empfehlungen an Frau Annie und
herzlichen Gruß
Dein alter
Frank Wedekind.
München 24.10.11.