München, 1.XII.1915.
Sehr verehrter Herr Heinrich Mann!
Wollen Sie mir erlauben, Sie zu
dem prachtvollen Denkmal, das Sie in Ihrem Werk über ZolaWedekind äußert sich über Heinrich Manns Essay „Zola“ (erschienen im November-Heft 1915 der Monatsschrift „Die weißen Blätter“). Bei seinem Vortragsabend am 2.12.1915 in der Galerie Caspari las Heinrich Mann dann einen „Abschnitt aus der Abhandlung über Zola“ [E (d.i. Richard Elchinger): Vortragsabend. In: Münchner Neueste Nachrichten, Jg. 68, Nr. 619, 4.12.1915, Vorabendblatt, S. 2]. Wedekind saß wohl nicht im Publikum, da er im Tagebuch eine andere Veranstaltung notiert hat.
errichtet haben, von ganzem Herzen zu beglückwünschen.
Die Form des Ganzen finde ich ebenso gewaltig und
geschlossen wie die Form der Sprache, mit der es aufgebaut ist. Wenn Frankreich
stolz auf Zola sein kann, so kann Deutschland
meinem Gefühl nach in weit höherem Maße darauf stolz sein, daß dieses BuchMissverständnis Wedekinds ‒ der umfangreiche Essay „Zola“ ist im November-Heft 1915 der Monatsschrift „Die weißen Blätter“ erschienen (1919 dann in Heinrich Manns Sammelband „Macht und Mensch“). von
einem Deutschen in dieser Zeit geschrieben wurde. Ihre
Arbeit verkörpert die Ueberlegenheit deutschen Geistes, nicht dem Geiste anderer
Völker, sondern der ganzen Weltlage gegenüber. Außerdem
erscheint mir Ihr Werk als eine That des Friedens, für die Ihnen
jeder, dem das Glück seiner Mitmenschen am Herzen liegt, nicht dankbar genug
sein kann.
Mit herzlichen Grüßen Ihr ergebener Frank Wedekind.