Briefwechsel

Wedekind, Frank und Tomarkin, Elias (Ernst Thoma)

14 Dokumente

Zürich, 31. Dezember 1888 (Montag)
von Tomarkin, Elias
an Wedekind, Frank

Postkarte.

Carte postale. – Cartolina postale.


Herrn Franklin Wedekind
Schloß Lenzburg
Aargau |


Lieber Herr Wedekind!

Empfangen Sie u. Ihre vh Familie meine Glückwünsche zum neuen Jahr.

Herr Gerhart Hauptmann läßt Sie aus Hamburg grüßenGerhart Hauptmann, der von Anfang 1888 bis zum Herbst bei seinem Bruder Carl Hauptmann in Zürich zu Besuch war, dort in einem Kreis von Schriftstellern verkehrte, zu dem Elias Tomarkin, Karl Henckell und Wedekind gehörte, den er hier kennenlernte, verbrachte nach diesem Aufenthalt einige Zeit in Hamburg..

Herzlichen Gruß
Ihr ergebener
E. Tomarkin


Z. 31.XII.88

Einzelstellenkommentare

Zürich, 16. Januar 1889 (Mittwoch)
von Tomarkin, Elias
an Wedekind, Frank

Postkarte.
Carte postale. – Cartolina postale.


Nur für die Adresse.
Côté réservé à l’adresse.
Lato riservato all’ indirizzo.


Herrn Franklin Wedekind
Schloss Lenzburg |


Lieber Herr Wedekind!

Wenn Sie noch die paar Blätter besitzen von der geplanten „Scheckingen[“] MappeZusammenhang nicht ermittelt; Scheckingen ist entweder ein Ortsname (in Württemberg nachgewiesen, aber auch in der Schweiz) oder ein Personenname. besitzenSchreibversehen (Wortwiederholung)., so möchte SieSchreibversehen, statt: ich Sie. um gütige Zusendung bitten. In der Beilage der „GleichheitElias Tomarkins Beitrag dürfte in der „Unterhaltungs-Beilage zu Nr. 3 der ‚Gleichheit‘“ vom 18.1.1889 erschienen sein (ein Exemplar war nicht zu beschaffen) – das war die Beilage zu dieser Ausgabe der Wiener Zeitung (dem Vorgängerblatt der Wiener „Arbeiter-Zeitung“): Gleichheit. Sozial-demokratisches Wochenblatt, Jg. 3, Nr. 3, 18.1.1889 (Zeitung und Beilage herausgegeben von Victor Adler mit Ludwig August Bretschneider als leitendem Redakteur). erscheint jetzt was von mir. –

Grüßen Sie gefäl H. Henkell; die Mod. Dichtercharaktere werden nächstens abgeschicktWedekind erwartete offenbar – ob speziell für ihn bestimmt oder für seinen seinerzeit in Lenzburg lebenden Freund Karl Henckell bleibt offen – ein Exemplar der von Wilhelm Arent herausgegebenen, von Hermann Conradi und Karl Henckell mit Einleitungen versehenen frühnaturalistischen Lyrik-Anthologie „Moderne Dichter-Charaktere“ (1885); möglicherweise war auch die zweite Auflage der Anthologie gemeint, die unter dem Titel „Jungdeutschland“ (1886) erschienen ist. werden. –

Mit freundl. Gruß
Ihr
E. Tomar


Kommen Sie mal nach Zürich!

Ebenso würde ich mich freuen Herrn Henkell zu sehn!

Einzelstellenkommentare

Zürich, 7. September 1890 (Sonntag)
von Tomarkin, Elias
an Wedekind, Frank

Lieber Herr Wedekind.

Ich bedaure es unendlich, daß unsere Beziehungen durch meine Schuld eine für mich außerordentlich peinliche Verzerrung erleiden müssen.

Am 27t dieses Monats habe ich einer unumgänglichen Verpflichtung nachzukommen und heute morgens ist mir ganz unerwarteter Bescheid geworden, daß ich erst später Geld erhalten werde.

Ich möchte mir daher erlauben, Sie anzufragen, ob Sie vielleicht die Güte haben könnten, mir entweder bis zum 1sten October oder schlimmsten Falles bis 1sten November eine Summe von etwa 120 bis 135 fr. zu borgen. Pünktliche Rückerstattung auf Ehrenwort. – |

Verzeihen Sie, lieber Herr Wedekind, diese Mißlichkeit.

Ihr ergebenster.
E. Tomarkin

Einzelstellenkommentare

Paris, 3. August 1892 (Mittwoch)
von Wedekind, Frank
an Tomarkin, Elias

[Hinweis in Wedekinds Tagebuch vom 3.8.1892 in Paris:]


Schreibe an Thomar.

Einzelstellenkommentare

Paris, 29. März 1893 (Mittwoch)
von Wedekind, Frank
an Tomarkin, Elias

[Hinweis in Wedekinds Brief an Carl Muth vom 29.3.1893 aus Paris:]


Ich lege Ihnen CartenVisitenkarten – das ist im einen Fall belegt [vgl. Wedekind an Karl Henckell, 29.3.1893], im anderen Fall, dem hier erschlossenen Korrespondenzstück, wahrscheinlich. an Tomarkin und Henckell bei für den Fall daß Sie Zürich besuchen.

Einzelstellenkommentare

Zürich, 20. September 1893 (Mittwoch)
von Wedekind, Donald (Doda) und Tomarkin, Elias
an Wedekind, Frank

Postkarte
Carte postale. – Cartolina postale.


Nur für die Adresse.
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Monsieur Frank Wedekind
63. Rue de Seine (Hôtel Mont Blanc)
Paris
France |


Zürich 20. September 1893


L. B.

Deine Kartenicht überliefert; erschlossenes Korrespondenzstück: Frank Wedekind an Donald Wedekind, 6.9.1893. mit der AdresseSeine neue Unterkunft in Paris (Rue de Seine 63) bezog Frank Wedekind nach seiner Rückkehr aus der Schweiz am 5.9.1893: „Im Gare de l’Est nehme ich eine Droschke, versäume leider meinen Koffer gleich mitzunehmen, und fahre in’s Hotel Mont Blanc, rue de Seine 63. Ich miethe mir ein großes helles nach dem Hof gelegenes ruhiges Zimmer im zweiten Stock“ [Tb]. habe ich erhalten, ich danke dir selber für die Adresse. Hami ist in den HitzferienKontext unklar; der September 1893 war in Zürich durchschnittlich warm [vgl. Annalen der schweizerischen meteorologischen Central-Anstalt 1893, Jg. 30, S. 132].. Ich weiß nicht ob du seinen Plan schon kennst, eine VersuchsreiseArmin Wedekind erwog nach den USA-Reisen seiner Brüder William (1886 bis 1888) und Donald Wedekind (1889) ebenfalls einen längeren Aufenthalt in Amerika, auch um die Möglichkeiten einer Auswanderung zu prüfen [vgl. Armin Wedekind an Frank Wedekind, 9.10.1893]. nach U.S.A. zu unternehmen. Es hat mich wirklich gefreut, als er mir die Sache darlegte. Ich möchte dich bitten, wenn du etwas von meiner „Auswandererfahrt“Donald Wedekinds Bericht über seine Amerikareise, deren Kapitel Frank Wedekind korrigierte, erschien in der Beilage der „Züricher Post“ im Februar 1894 in mehreren Teilen [Nr. 29 vom 4.2.1894, Nr. 36 vom 13.2.1894, Nr. 41 vom 18.2.1894, Nr. 47 vom 25.2.1894 und Nr. 53 vom 4.3.1894]. schon corrigirt hast, es an Thomar zu senden (p. Adresse) oder wenn die Correctur nicht weiter vorgeschritten, doch die Zeit, so du dir welche für die Arbeit ersparen kannst, nicht gereuen zu lassen, da ich das Übrige fertig bereit halte und es gerne bald irgendwo unterbringen möchte. Scheint dir aber die Fortsetzung für Feuilletonzweck unmöglich, so schreibe mir auch das frei heraus, es würde mich nicht überraschen und ich könnte leicht die Sache am geeigneten Punkt abschließen. Bitte gib mir bestimmte Nachrichten noch während der nächsten 3 Wochen, daß ich sie noch in Zürich erhalte. Ich bin dein treuer Bruder
Donald Län


[um 90 Grad gedreht am linken Rand:]

Seitliche beste Grüsse von Ihrem alten
E. Tomar

Einzelstellenkommentare

Zürich, 20. Dezember 1893 (Mittwoch)
von Hartleben, Otto Erich, Wedekind, Donald (Doda), Tomarkin, Elias, Seelig, Carl und Hartleben, Selma
an Wedekind, Frank

– Carte postale –
Union postale universelle. – Weltpostverein. – Unione postale universale.
SUISSE. SCHWEIZ. SVIZZERA.


Nur für die Adresse.
Côté réservé à l’adresse.
Lato riservato all’ indirizzo.


Mr. Frank Wedekind

Rue de Seine No 63

Paris |


[Otto Erich Hartleben:]

Wann wirds kommen daß du dich häutest
Und nimmer mit der Sauglocke läutest?
– – – –
– Die Madeln hier können singen,
aber die Madeln könn’s net schwingen
– – – –
Der Thomar, der Donald, das sind ihrer zwei,
aber wann’s dichten solln, fallt ihn’n nix bei.
– – – –

[Donald Wedekind:]

Quand est votre argent au fin?(frz.) Wann ist dein Geld zu Ende?
Quand venez vous à – Berlin?(frz.) Wann kommst du nach – Berlin?
– – – –

[Elias Tomarkin:]

Ich lasse Herrn Hartleben continuiren
Er weiss besser die Verse zu fixiren.
– – – –

Als Schutzformel für Berlin und Gefahren
lerne folgendes unrhytmische Sprüchel:
„Es steht jemand im Mondenlicht ganz allein,
Wer ist es wohl? – Gewiss ein Schornstein“ –

[Otto Erich Hartleben:]

So haben sie sich aufgerafft –
Ein jeglicher nach seiner Kraft!


[am linken Rand um 90 Grad gedreht:]

Heil Ihr Otto Erich.


E. Tomarkin.


Donald.


Schöner Abend heut Abend C. SeeligCarl Seelig in Zürich (Wipkingerstraße 3), Besitzer der Seidenfärberei Seelig & Sohn (Wipkingerstraße 1 und 3) [vgl. Adressbuch der Stadt Zürich für 1894, Teil I, S. 371] sowie begeisterter Bergsteiger.


[am rechten Rand um 90 Grad gedreht:]

Heil MoppchenSelma Hesse, die spätere Ehefrau von Otto Erich Hartleben (am 2.12.1893 Heirat in Berlin).

Einzelstellenkommentare

Zürich, 1. Oktober 1894 (Montag)
von Tomarkin, Elias
an Wedekind, Frank

[Hinweis in Donald Wedekinds und Elias Tomarkins Postkarte an Frank und Armin Wedekind vom 10.10.1894 aus Zürich:]


Meinen Brief haben Sie wol erhalten.

Einzelstellenkommentare

Zürich, 10. Oktober 1894 (Mittwoch)
von Wedekind, Donald (Doda) und Tomarkin, Elias
an Wedekind, Frank, Wedekind, Armin (Hami)

– Carte postale. –
Union postale universelle. – Weltpostverein. – Unione postale universale.
SUISSE. SCHWEIZ. SVIZZERA.


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Lato riservato all’indirizzo.


Mr/e/ssrs Frank & Armin Wedekind
Rue Monsieur le Prince 45
Paris |


Geliebte,

Einen Gruss aus Zürich an den Seinestrandverbreitete Metonymie für Paris.. Viel Vergnügen. Reise in einigen Tagen nach Berlin über Dresden. Hoffentlich sehe ich den letzteren der FirmaArmin Wedekind, der zweite der genannten Adressaten, der offenbar kurz vor der Abreise zu einem Besuch bei Frank Wedekind in Paris stand. noch in Zürich. Schade, Franklin, dass du mir meinen Briefnicht überliefert; erschlossenes Korrespondenzstück: Donald Wedekind an Frank Wedekind, 10.9.1894. nicht beantwortet hast. Nochmals, viel Vergnügen

Euer Bruder Donald.


Lieber Herr DoctorArmin Wedekind war Arzt in Zürich.! ich schicke Ihnen herzliche Grüße und wünsche Ihnen ein angenehmes Paris. Lieber Herr Franklin! Wie geht es Ihnen und erfreuen Sie mich bald mit ausführlichen Nachrichten. Meinen Briefnicht überliefert; erschlossenes Korrespondenzstück: Elias Tomarkin an Frank Wedekind, 1.10.1894. haben Sie wol erhalten. Indessen, Ihr edles Brüderpaar, empfiehlt sich Euch Euer Tomarkin.


Einzelstellenkommentare

München, 4. April 1912 (Donnerstag)
von Wedekind, Frank
an Tomarkin, Elias

[Hinweis in Elias Tomarkins Brief an Wedekind vom 7.4.1912 aus Bern:]


Ich habe Deinen Brief erst heute [...] erhalten [...]

Einzelstellenkommentare

Bern, 7. April 1912 (Sonntag)
von Tomarkin, Elias
an Wedekind, Frank

PENSION BELLEVUE
BERNE

6 a Effingerstrasse
à 3 minutes de la gare
Lumière electrique, Lift, chauffage central
Portier à la gare
Prop.: Metz, Himmelhan & Cie.
Téléphone 2534


le 191


Sonntagder 7.4.1912, Ostersonntag., d 7 M/A/pril


Mein lieber Frank

Ich habe Deinen Briefnicht überliefert; erschlossenes Korrespondenzstück: Wedekind an Elias Tomarkin, 4.4.1912. – Wedekind dürfte dem Freund in dem nicht überlieferten Brief Mittheilungen über seinen Aufenthalt in Bern vom 5. bis 9.4.1912 zu dem einmaligen „Erdgeist“-Gastspiel am 8.5.1912 am dortigen Stadttheater gemacht haben. In der Presse war angekündigt: „Am kommenden Montag [...] findet ein hochinteressantes Gastspiel statt. Frank Wedekind und Frau [...] treten nur dies eine Mal auf in des Dichters Stück ‚Der Erdgeist‘. Frank Wedekind hat durch sein persönliches Auftreten auf den Bühnen bewiesen, daß in vielen seiner dramatischen Arbeiten ein tieferer sittlicher Gehalt zu finden ist, als es bei oberflächlicher Lektüre den Anschein hat. Die vielen Anfeindungen, die er hauptsächlich auch durch das Verbot einzelner seiner Stücke erleiden mußte, haben nicht hindern können, daß Wedekinds Werke immer weiter verbreitet und in einer großen Anzahl von maßgebenden Städten aufgeführt werden. [...] Die Freunde literarischer Kunst werden gewiß dem Werke des eigenartigen Dichters mit Interesse entgegensehen und das künstlerische Ehepaar als Vertreter der beiden Hauptpartien im ‚Erdgeist‘ gastfreundlich aufnehmen. Die Vorstellung findet außer Abonnement bei Opernpreisen statt.“ [Der Bund, Jg. 63, Nr. 159, 3.4.1912, Abendblatt, S. 3] Und nochmals: „Montag findet als dritter literarischer Abend ein einmaliges Gastspiel des Künstlerpaares Frank Wedekind und Frau statt. Zur Aufführung gelangt Frank Wedekinds ‚Erdgeist‘, worin der Dichter die Rolle des ‚Dr. Schön‘ und seine Gattin die der Rolle der ‚Lulu‘ spielen. Auf dieses jedenfalls interessante Gastspiel sei nochmals besonders aufmerksam gemacht.“ [Der Bund, Jg. 63, Nr. 162, 6.4.1912, Morgenblatt, S. 2] erst heute Mittags in meiner WohnungElias Tomarkin wohnte dem gedruckten Briefkopf des vorliegenden Briefs zufolge in der Pension Bellevue. Im Berner Adressbuch ist er nicht verzeichnet. erhalten. Um 3 Uhr war ich bei DirElias Tomarkin war am 7.4.1912 auf der Suche nach Wedekind vergebens in dem Hotel, in dem Wedekind logierte, während Wedekind nachmittags am 6.4.1912 in Bern seinerseits nach dem Freund gesucht hatte: „Mittagessen im Hotel. Geschlafen. Spaziergang durch die Stadt [...] Auf der Suche nach Thomar im Café heilige Elisabeth“ [Tb]., es hieß aber, Du seiest wahrscheinlich nach InterlakenWedekind in Bern hat am 7.4.1912 Ausflüge notiert: „Auf dem Gurten. Thunersee und Interlaken.“ [Tb] gegangen. Ich muß mich also in meinem herzlichen Wunsche, Dich und Deine verehrte Gattin zu begrüßen, noch h/b/is morgender 8.4.1912, Ostermontag – abends fand im Stadttheater in Bern die „Erdgeist“-Vorstellung mit Tilly Wedekind als Lulu und Frank Wedekind in der Rolle des Dr. Schön statt. gedulden.

Es freut mich wirklich gar sehr, Euch hier zu sehen. Morgen, Montag, werde ich wa etwa gegen ½ 9 Uhr morgens bei Dir im Hotelnicht ermittelt. Wedekind dürfte dem Freund sein Hotel in Bern in dem nicht überlieferten Brief (siehe oben) mitgeteilt haben. | antelephoniren. Es wäre mir sehr lieb, wenn ich mit Dir der Probe anwohnenWedekind dürfte dem Freund in dem nicht überlieferten Brief (siehe oben) vorgeschlagen haben, die Probe am 6.4.1912 zu besuchen (was nicht zustande kam): „Probe von Erdgeist.“ [Tb] Elias Tomarkin wohnte dann der Generalprobe am 8.4.1912 bei (und besuchte abends die Vorstellung): „Generalprobe vor Thomarkin. Zu Hause geschlafen. Vorstellung von Erdgeist. Nachher mit Thomar [...] im Casino“ [Tb]. Wedekind hat sich am Tag seiner Abreise von Bern nochmals mit dem Freund getroffen; er notierte am 9.4.1912: „Diner mit Thomar im Hotel Abfahrt nach St. Gallen.“ [Tb] könnte. Für den Abend habe ich bereits BilleteTheaterkarten für die Vorstellung am 6.4.1912 um 20 Uhr im Stadttheater in Bern: „III. literarischer Abend. Gastspiel Frank Wedekind und Frau Wedekind. ‚Erdgeist.‘“ [Berner Intelligenzblatt, Jg. 79, Nr. 95, 6.4.1912, Morgen-Ausgabe, S. (3)] Die Presse warb noch am Tag der Aufführung: „Gastspiel Frank Wedekind und Tilly Wedekind-Newes. Frank Wedekind ist ein Altergenosse der Naturalisten. Seine ersten Werke ‚Frühlings Erwachen‘ und ‚Erdgeist‘ erschienen gleichzeitig mit Hauptmanns ‚Webern‘ und mit Halbes ‚Jugend‘. Da sich Wedekind aber in keiner Weise von den herrschenden literarischen Zeitströmungen in seinem Schaffen beeinflussen ließ, wurde er Jahre lang so gut wie gar nicht genannt. Sobald seine Werke dann bekannt wurden, entfesselten sie sofort eine stürmische Opposition, die aber neuerdings überall einer ruhigen Würdigung seiner künstlerischen und ethischen Verdienste Platz macht. Vor einigen Jahren verheiratete sich Frank Wedekind mit der Schauspielerin Tilly Newes, die schon als junge Anfängerin in einer in Wien von Karl Kraus, dem geistvollen Herausgeber der ‚Fackel‘, veranstalteten Sondervorstellung von Wedekinds ‚Die Büchse der Pandora‘ die Rolle der Lulu kreiert hatte. Frau Tilly Wedekind, später am Kleinen Theater in Berlin tätig, ist heute nach dem Urteil erlesener Kritiker die berufenste Darstellerin der wichtigsten Frauenrollen in den Werken ihres Gatten.“ [Der Bund, Jg. 63, Nr. 163, 7.4.1912, S. 4] Über die Aufführung hieß es: „Das Gastspiel von Frank Wedekind und Frau mit Wedekinds Tragödie ‚Erdgeist‘ war, wie uns berichtet wird, ein künstlerisches Ereignis. Selbst vielerfahrene Theaterleute behaupten, noch selten eine so interessante Schauspiel-Vorstellung gesehen zu haben. Leider hatte der Besuch etwas unter der Ostermontags-Stimmung zu leiden, er hätte besser sein dürfen. Eine Wiederholung der Gastspiels ist der vorgerückten Spielzeit wegen leider nicht möglich.“ [Der Bund, Jg. 63, Nr. 165, 9.4.1912, Abendblatt, S. 3] mit einem befreundeten Dr. Rothermundt aus DresdenDer Arzt Dr. med. Max Rothermundt (Riedweg 17) [vgl. Berner Adressbuch 1912-1913, Teil VII, S. 370], „der deutsch-russische Bakteriologe und Vorsteher des Berner Pasteur-Instituts“ [Rogger/Herren 2012, S. 198], war der Sohn des russischen Unternehmers Adolph Rothermundt aus St. Petersburg, der 1895 mit seiner Familie nach Dresden zog und sich dort als Kunstmäzen einen Namen machte. Er war ein Kollege Elias Tomarkins am Bakteriologisches Institut in Bern (Friedbühlstraße 22) [vgl. Berner Adressbuch 1912-1913, Teil VII, S. 156]; wenige Tage nach dem vorliegenden Brief teilte die Presse seine Wahl mit „zum I. Assistenten am hygienisch-bakteriologischen Institut: Dr. Max Rothermund“ [Der Bund, Jg. 63, Nr. 180, 18.4.1912, Morgenblatt, S. 2]., der Dich gerne sehen möchte. Herr R. ist an unserm Institut. –

Heute ist es sch so schön draußen u. ich hätte herzlich gerne eine heitere Osterstunde mit Euch gefeiert.

Es grüßt Euch in Herzlichkeit, aufrichtiger Wiedersehensfreude und in unwandelbarer Treue
Euer alter
Eli

Einzelstellenkommentare

München, 25. August 1913 (Montag)
von Wedekind, Frank
an Tomarkin, Elias

[Hinweis in Elias Tomarkins Brief an Wedekind vom 27.8.1913 aus Bern:]


Empfange herzlichsten Dank für [...] die 4 Bänden Deiner gesammelten Werke [...]

Einzelstellenkommentare

Bern, 27. August 1913 (Mittwoch)
von Tomarkin, Elias
an Wedekind, Frank

Institut zur Erforschung der Infektionskrankheiten in Bern


Friedbühlstrasse 22, den 27.VIII.13


Teurer Frank,

Empfange herzlichsten DankHinweis auf ein nicht überliefertes Begleitschreiben zu der Büchersendung (siehe unten); erschlossenes Korrespondenzstück: Wedekind an Elias Tomarkin, 25.8.1913. für das hocherfreuliche GeschenkeSchreibversehen, statt: Geschenk.; das Du mir mit dieSchreibversehen, statt: den. 4 BändenDie dann neunbändige Ausgabe „Frank Wedekind. Gesammelte Werke“ erschien seit dem Vorjahr im Georg Müller Verlag (München und Leipzig). Band 1 (1912) enthält die Gedichtsammlung „Die vier Jahreszeiten“, das Versdrama „Der Stein der Weisen“, die Erzählsammlung „Feuerwerk“ und das Romanfragment „Mine-Haha“, Band 2 (1912) die Dramen „Die junge Welt“, „Frühlings Erwachen“ und „Fritz Schwigerling (Der Liebestrank)“, Band 3 (1913) „Erdgeist“, „Die Büchse der Pandora“ und „Der Kammersänger“, Band 4 (1913) „Der Marquis von Keith“, „König Nicolo oder So ist das Leben“ und „Karl Hetmann, der Zwergriese (Hidalla)“. Deiner gesammelten Werke gemacht hast. Manches Bekannte habe ich wiedergesehen und manches Neue mit Begeisterung begrüßt. Also herzlichsten Dank.

Im October (wohl Anfang) bin ich in München und hoffe Euch zu sehenElias Tomarkin sah Frank Wedekind dessen Tagebuch zufolge bei seinem Besuch in München am 18.10.1913 abends mit Tilly Wedekind und dem gemeinsamen Freund Karl Henckell im Hoftheater-Restaurant („HTR mit Tilly Henckell und Tomarkin“), außerdem den Freund nochmals den Tag darauf, am 19.10.1913, an dem er mit ihm, dessen Neffen Armin Wedekind jun. und dem Ehepaar Karl und Anny Henckell einen Spaziergang unternahm („Armin Tomarkin Henckell und Frau. Spaziergang nach Hinterbrühl“).. Ich freue mich tatsächlich kindlich darauf, da ich schon seit Jahren +handschriftlich ausgeführtes Plus-Zeichen (mit + ist hier kein unleserliches Zeichen markiert). Tag nach einem geistigen Freundeswort vergebens lechze. VerhehrungsvolleSchreibversehen, statt: Verehrungsvolle. Grüße an Deine Gattin. Herzlichst seien mir auch die Kleinen gegrüßt.

In aller Treue
Dein
Eli

Einzelstellenkommentare

Bern, 31. Dezember 1913 (Mittwoch)
von Tomarkin, Elias
an Wedekind, Frank, Wedekind, Tilly

Herrn u Frau
Frank Wedekind
München
Prinzregentenstrasse


Zum neuen Jahre sende ich euch herzliche Glückwünsche u. Grüße. Möge mir eure Sympathie u. Freundschaft im alt/n/euen wie im alten JahreElias Tomarkin war im Herbst 1913 in München zu Besuch, wie Frank Wedekind im Tagebuch notierte – am 18.10.1913 ist er abends mit Tilly Wedekind, Karl Henckell und ihm im Hoftheater-Restaurant („HTR mit Tilly Henckell und Tomarkin“), am 19.10.1913 macht er mit ihm, dem Neffen Armin Wedekind jun. und dem Ehepaar Karl und Anny Henckell einen Spaziergang („Armin Tomarkin Henckell und Frau. Spaziergang nach Hinterbrühl“). erhalten bleiben.

In unwandelbarer Treue
Euer
Eli. |


Ein frohes Neujahr

Einzelstellenkommentare