Briefwechsel

Wedekind, Frank und Weißhaupt, Irma

3 Dokumente

München, 28. Dezember 1896 (Montag)
von Weißhaupt, Irma
an Wedekind, Frank

Lieber Frank!

Es ist sehr unlieb von Dir gewesen mir nicht einmal durch einige Zeilen mitgeteilt zu haben, daß du dich nach Berlin begebenWedekind war Anfang Dezember nach Berlin übergesiedelt und blieb dort bis August 1897. hast. Es thut ja nichts zur Sache. Aber einen Gruß aus der Ferne würde dir wahrlich nichts | geschadet haben mir zu senden. Eine andre als ich würde sich durch diese Gelegenheit sofort das Leben genommen haben, während es mir nur großen Spaß bereitet, du weißt, daß ich eine treue Seele bin, und dich nicht vergessen kann. Auf baldiges Wiedersehn hofft und grüßt dich
MiziEs dürfte sich dabei um Irma Weißhaupt handeln, die Wedekind statt Irma auch Mizi genannt hat, etwa am 26.7.1904: „Um Elf Uhr kommt Mizi Weißhaupt zu mir“ [Tb]. Wedekind verwendete die Initialen ihres Namens bereits für eine Figur in seinem Entwurf „Schema eines Dramas“ (1897): „I. W., verheiratete Courtisane“ [KSA 4, S. 304]. Zur Beziehung zwischen „F. W.“ (= Frank Wedekind) und „I. W.“ (= Irma Weißhaupt) notierte er dort: „I. W. treibt die Hurerei bis zur Künstlerschaft, möchte gerne ein Kind von ihm. (geschmackvollste Hurerei)“ [KSA 4, S. 305]. „Welche Bedeutung sie in Wedekinds Biographie hatte, ließ sich nicht ermitteln. Aus einem Eintrag [...] geht hervor, daß sie in einer der Zeichnungen Wedekinds [...] abgebildet ist; um welche [...] es sich handelt, ist nicht zu entscheiden.“ [KSA 4, S. 660]


[am rechten Rand um 90 Grad gedreht:]


Camilla Dupontnicht näher identifiziert; vermutlich Mizis Vermieterin.
Haus ++ vorn

Einzelstellenkommentare

München, 6. Juli 1905 (Donnerstag)
von Weißhaupt, Irma
an Wedekind, Frank

[Hinweis in Wedekinds Tagebuch vom 7.7.1905 in München:]


Irma WeißhauptWedekind hat in einer Namensliste „Irma Weißhaupt“ [Nb 46, Blatt 36r] notiert – zu dem 1897 entstandenen Entwurf „Schema eines Dramas (nach Erdgeist)“, in dem er sich selbst als „F.W., Schriftsteller“ bezeichnet und sie mit einem Kürzel: „I.W., verheiratete Courtisane [...] F.W. und I.W. – I.W. treibt die Hurerei bis zur Künstlerschaft, möchte gerne ein Kind von ihm. (geschmackvollste Hurerei) [...] Dämonische Jammerscene mit Revolverbegleitung. I.W. hält die Prostitution mit ihrem Mann nicht mehr aus und will in’s Bordell gehen, um wieder ein anständiges Mädchen zu werden.“ [KSA 4, S. 304-306] Wer Irma Weißhaupt war, ist unklar. „Welche Bedeutung sie in Wedekinds Biographie hatte, ließ sich nicht ermitteln. Aus einem Eintrag [...] geht hervor, daß sie in einer der Zeichnungen Wedekinds [...] abgebildet ist; um welche [...] es sich handelt, ist nicht zu entscheiden.“ [KSA 4, S. 660] Irma Weißhaupt dürfte in München gelebt haben, wie aus Münchner Tagebucheinträgen Wedekinds hervorgeht – so am 27.10.1904 („Irma kommt zu mir“), 28.10.1904 („Irma bringt mir die Bundeslade zurück“), 20.4.1905 („Irma macht mich mit ihrer Freundin Rosa bekannt“), 17.6.1905 („treffe [...] Irma Weißhaupt“), 8.7.1905 („Irma schickt mir ihre Nichte von Ballet in Geldangelegenheit“) und 17.7.1905 („Irma Weißhaupt kommt zu mir“). schreibt mirIrma Weißhaupt dürfte Wedekind um Geld gebeten haben, das er ihr daraufhin schickt. Ich schicke ihr 50 M.

Einzelstellenkommentare

München, 7. Juli 1905 (Freitag)
von Wedekind, Frank
an Weißhaupt, Irma

[Hinweis in Wedekinds Tagebuch vom 7.7.1905 in München:]


Irma Weißhaupt schreibt mirHinweis auf ein nicht überliefertes Schreiben; erschlossenes Korrespondenzstück: Irma Weißhaupt an Wedekind, 6.7.1905. – Irma Weißhaupt dürfte Wedekind um Geld gebeten haben. Ich schicke ihrHinweis auf ein nicht überliefertes Begleitschreiben zur Geldsendung, das hier erschlossene Korrespondenzstück. 50 M.

Einzelstellenkommentare