Briefwechsel

Wedekind, Frank und Akademische Bühne Berlin [(Verein)]

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Berlin, 17. September 1908 (Donnerstag)
von Akademische Bühne Berlin, (Verein) und Schaie, Fritz
an Wedekind, Frank

[Hinweis in Wedekinds Brief an die Akademische Bühne Berlin vom 18.9.1908 aus Berlin:]


Ich danke Ihnen sehr für Ihre liebenswürdigen Zeilen [...]

Einzelstellenkommentare

Berlin, 18. September 1908 (Freitag)
von Wedekind, Frank
an Akademische Bühne Berlin, (Verein), Schaie, Fritz

An die „Akademische BühneBerlin.


Münchenrecte: Berlin. Wedekind wohnte seinerzeit noch in Berlin und war dem Tagebuch zufolge am 18.9.1908 dort., 18.IX.1908.


Sehr geehrter Herr Schainrecte: Schaie. – Fritz Schaie war der Vorsitzende des studentischen Vereins Akademische Bühne in Berlin (siehe unten), wie in der Presse mitgeteilt war: „Unter dem Namen ‚Akademische Bühne‘ haben Studierende der Berliner Universität einen Verein ins Leben gerufen, dessen ‚Direktorium‘ uns um die Aufnahme der folgenden, [...] Mitteilung ersucht: ‚Der Verein beabsichtigt, junge dramatische Talente, denen wegen des materiellen Zuges in unserem Theaterwesen die bestehenden Bühnen in der Regel verschlossen bleiben, durch Aufführung ihrer Werke zu fördern, ferner wertvolle Dichtungen bekannter Autoren, die in Berlin noch nicht gespielt sind, zur Darstellung zu bringen. [...] Die Unkosten werden auf dem Wege einer Subskription gedeckt. Die Überschüsse fließen in einen Unterstützungsfonds für bedürftige Studierende der Berliner Universität. Die Aufführungen finden in einem unserer ersten Theater statt. [...] Alle Mitteilungen sind zu richten an den Vorsitzenden des Direktoriums, stud. jur. Fritz Schaie, Berlin C Burgstraße Nr. 30.‘“ [Hamburgischer Correspondent, Jg. 178, Nr. 340, 7.7.1908, Morgen-Ausgabe, 1. Beilage, S. (1)] Das war die Privatadresse von Fritz Schaie [vgl. Amtliches Verzeichnis des Personals und der Studierenden der Königlichen Friedrich-Wilhelms-Universität zu Berlin. Auf das Winterhalbjahr vom 16. Oktober 1908 bis 15. März 1909. Berlin 1908, S. 216], der vom Sommersemester 1908 bis Wintersemester 1912/13 als Student der Rechte an der Berliner Universität eingeschrieben war.!

Ich danke Ihnen sehr für Ihre liebenswürdigen Zeilennicht überliefert; erschlossenes Korrespondenzstück: Akademische Bühne Berlin, Fritz Schaie an Wedekind, 17.9.1908. und dafür, daß Sie meiner KomödieWedekind hatte mit Eugen Robert, Direktor des Hebbel-Theaters in Berlin [vgl. Neuer Theater-Almanach 1909, S. 288], bereits am 17.3.1908 eine Inszenierung seines Lustspiels „Die junge Welt“ (1897) vereinbart: „Mit Dr. Robert vom Hebbeltheater schließe ich provisorischen Contrakt“ [Tb]. Eugen Robert führte dann in der von der Akademischen Bühne am 12.3.1909 im Hebbel-Theater veranstalteten Berliner Premiere von Wedekinds Lustspiel die Regie. Die Presse meldete zunächst: „Die Akademische Bühne, deren Bestreben es ist, dramatischen Talenten den Weg zu bahnen und namhafte Autoren mit in Berlin, noch nicht gespielten Werken zu Worte kommen zu lassen, veranstaltet in der Saison 1908 auf 1909 eine Reihe von Erstaufführungen, für die folgende Dichtungen angenommen worden sind: […] eine Komödie von Frank Wedekind“ [Das Programm der Akademischen Bühne. In: Berliner Tageblatt, Jg. 37, Nr. 531, 17.10.1908, Abend-Ausgabe, S. (3)]. Sehr viel später erst wurde der Titel genannt: „Die Akademische Bühne ist von Frank Wedekind autorisiert worden, seine satirische Komödie ‚Die junge Welt‘ zum ersten Male zur Darstellung zu bringen.“ [Berliner Tageblatt, Jg. 38, Nr. 40, 23.1.1909, Morgen-Ausgabe, S. (3)]Die junge Welt“ soviel Vertrauen entgegen bringen, daß Sie sie bei Ihren Aufführungen mit in Erwägung ziehen wollen. Die Aufgabe der Inszenirung dürfte jedenfalls eine unvergleichlich interessantere sein, als bei meinem „Liebestrank“. Wollen Sie mir nun noch folgenden Vorschlag gestatten. Wenn Sie im Ernst an die Einstudirung gehen, dann würde ich, wenn ich es rechtzeitig weiß, Ihnen gerne ein ExemplarWedekind sandte dann Eugen Robert [vgl. Wedekind an Eugen Robert, 9.2.1909] „ein von ihm bearbeitetes Textbuch und eine Charakterisierung der Personen“ [KSA 2, S. 746] seines Lustspiels „Die junge Welt“, das die Akademische Bühne am 12.3.1909 am Hebbel-Theater (Regie: Eugen Robert) zur Aufführung brachte. zur Verfügung stellen, indem ich bei den einzelnen Personen, besonders bei denen, deren Zeichnung blasser ist, mit ein paar Worten angemerkt habe, wie ich mir den betreffenden Charakter vorstellte. Es liegt mir völlig fern, mich in die Inscenirung oder in Besetzungsfragen mischen zu wollen. Ich glaube nur, daß ich dem Leiter der Aufführung die Besetzung des Stückes durch diese Bemerkungen wesentlich erleichtern könnte.

Indem ich Ihrem jungen UnternehmenDie Akademische Bühne war ein im Sommer 1908 von Studenten der Königlichen Friedrich-Wilhelms-Universität zu Berlin gegründeter Verein. Die Presse meldete: „Ein Verein ‚Akademische Bühne an der Universität Berlin‘ hat sich dieser Tage hier konstituiert. Der Verein beabsichtigt, junge literarische Talente durch Aufführung ihrer Werke zu fördern und wertvolle Bühnendichtungen bekannter Autoren zur Darstellung zu bringen. [...] Es wird geplant, die Kosten der Aufführungen auf dem Wege der Subskription zu decken; die Überschüsse sollen in einen Unterstützungsfond für bedürftige Studierende der Berliner Universität fließen. Die Aufführungen werden in einem unserer ersten Theater stattfinden.“ [Berliner Tageblatt, Jg. 37, Nr. 301, 16.6.1908, Morgen-Ausgabe, S. (3)] von Herzen ein schönes Gedeihen wünsche und Sie bitte, mich den Herren Ihrer Vereinigung ergebenst zu empfehlen, in vorzüglicher Hochschätzung
Frank Wedekind.

Einzelstellenkommentare

München, 28. Januar 1909 (Donnerstag)
von Wedekind, Frank
an Schaie, Fritz, Akademische Bühne Berlin, (Verein)

[1. Briefentwurf:]


An den Vorstand des Vereines Akademische Bühne.
Berlin.


Sehr geehrter HerrFritz Schaie, der Vorsitzende der Akademischen Bühne in Berlin [vgl. Wedekind an Akademische Bühne Berlin, Fritz Schaie, 18.9.1908].

Den/ie/ flegelhafte Ausdrucksweise des Berliner Tageblattes
veranlaßt mich zu der die ergebene BitteEs folgt ein Einweisungszeichen. an Sie zu richten, von der geplanten (beabsichtigten) Aufführung meiner KomödieDie Presse hatte gemeldet: „Die Akademische Bühne ist von Frank Wedekind autorisiert worden, seine satirische Komödie ‚Die junge Welt‘ zum ersten Male zur Darstellung zu bringen.“ [Berliner Tageblatt, Jg. 38, Nr. 40, 23.1.1909, Morgen-Ausgabe, S. (3)] Dann war angekündigt: „Die Premiere von Frank Wedekinds satirischer Komödie ‚Die junge Welt‘, die, wie bereits bekannt gegeben, als Veranstaltung der Akademischen Bühne im Hebbel-Theater stattfindet, ist auf Freitag, den 12. März, angesetzt worden. Dargestellt wird das Werk vom Ensemble des Hebbel-Theaters. Die Inszenierung leitet Direktor Dr. Robert. Das Vorspiel des Stückes, das in einem Mädchenpensionat spielt, gelangt gleichfalls zur Darstellung. Die Aufführung wird nicht wiederholt.“ [Berliner Tageblatt, Jg. 38, Nr. 111, 2.3.1909, Abend-Ausgabe, S. (3)] Der Erfolg der Berliner Premiere war mäßig [vgl. KSA 2, S. 757f.]; die Kritik im „Berliner Tageblatt“ schrieb nun nicht Fritz Engel, sondern Monty Jacobs, der meinte: „Alles in allem, es war eine Kraftverschwendung. Die Akademische Bühne war nicht gut beraten, als sie gerade Wedekinds Erstling ‚Die junge Welt‘ auswählte.“ Er meinte aber auch, „daß Wedekinds schmerzgeborener Galgenhumor zu seinem Rechte kam.“ [M.J.: Akademische Bühne. „Die junge Welt“, Komödie von Frank Wedekind. In: Berliner Tageblatt, Jg. 38, Nr. 131, 13.3.1909, Morgen-Ausgabe, S. (2-3)] Die junge Welt, die Sie Ihr Verein in Aussicht genommen hat, gütigst absehen zu wollen

Ich weiß die Ehre gewiß zu schätzen

Mögen Sie mich immerhin für einen besondeSchreibversehen, statt: besonders. empfindsamen oder besonders eitlen Menschen halten, aber ich habe meine Stücke | nicht geschrieben, um mich öffentlich beschimpfen zu lassen.

Meine Junge Welt gieltSchreibversehen, statt: gilt. mir heute als eine anspruchslose Jugendarbeit von ziemlich schwerfälligem Aufbau.

Ich will mein Stück „Die junge Welt[“] in Berlin lieber nicht aufgeführt wissen als es der
F/f/legelhaften Ausdrucksweise des Berliner Tageblattes
preisgegebenEs folgt ein wieder gestrichenes Einweisungszeichen. sehen.
ausgesetzt sehen.


[2. Briefentwurf:]


Offener BriefDer gekürzt im „Berliner Börsen-Courier“ veröffentlichte offene Brief Wedekinds wurde auch außerhalb Berlins registriert – so in München: „Frank Wedekind hat seine dem Verein ‚Akademische Bühne‘ in Berlin überlassene Komödie ‚Die junge Welt‘ (deren Uraufführung am 22. April 1908 im Münchner Schauspielhause stattfand) durch einen offenen Brief zurückgezogen. Der Brief enthält nach dem Börsencourier eine ziemlich scharfe Selbstkritik, eine viel schärfere aber an einem Berliner Blatte, dem Berl. Tageblatt. Dieses hatte seinerzeit Wedekinds Musik ‚verrissen‘ und Wedekind möchte ihm nun offenbar nicht auch noch die junge Welt ausliefern.“ [Kleine Chronik. In: Münchner Neueste Nachrichten, Jg. 62, Nr. 51, 2.2.1909, Vorabendblatt, S. 2].

Meine Komödie Die junge Welt vereinigt mit einem plumpen unbeholfenen Aufbau eine dürftige blutlere Charakterzeichnung und ist in unmittelbarer Anlehnung an Ibsens Komödie der LiebeWedekind hatte am 24.7.1889 notiert: „Ibsens ‚Komödie der Liebe‘ gekauft. Sie wird einige Evolutionen in meinem Plan hervorrufen.“ [Tb] Mit dem Plan war „Kinder und Narren“ (1891) gemeint, später umgearbeitet in „Die junge Welt“ (1897). Wedekind hat die deutsche Erstausgabe von Ibsens Stück (1862 im norwegischen Original erschienen) erworben, „Comödie der Liebe. Comödie in drei Akten“ (1889), die autorisierte deutsche Übersetzung, die im Verlag S. Fischer in Berlin herauskam. Ibsens Stück war allerdings nur unter Vorbehalt eine Quelle für Wedekinds Lustspiel, da sich „Analogien [...] auf die Personenkonstellation“ beschränken und „während Ibsen das Verhältnis der Geschlechter und die Stellung des Künstlers in der bürgerlichen Gesellschaft im allgemeinen betrachtet, greift Wedekind mit den Themen Emanzipation und Naturalismus zeitgenössische, zeitgebundene Sujets auf und beleuchtet sie ironisch.“ [KSA 2, S. 663] entstanden. Trotzdem ist die Arbeit nicht ganz humorlos und könnte bei guter Darstellung der männlichen HauptrolleFranz Ludwig Meier [vgl. KSA 2, S. 184], die männliche Hauptfigur in „Die junge Welt“, in der der Naturalist Gerhart Hauptmann persifliert ist [vgl. KSA 2, S. 666f.]. als harmlose versöhnliche Satyre wirken.

Ich ersuche Sie geehrter Herr meinen aufrichtigen Dank und meine besten Wünsche zum Gelingen Ihre künstlerischen Bestrebungen entgegenzunehmen.

Mit dem Ausdruck vorzüglichster Hochschätzung, |

Ich sehe nun aber gar nicht ein, warum ich mir diese Thatsachen, über die ich mir seit fünfzehn Jahren vollkommen klar bin, im Ton unflätigster SchimpfereienWedekind bezieht sich auf ihn kränkende Veröffentlichungen über ihn im „Berliner Tageblatt“ [vgl. F.E.: Wedekinds „Musik“. Erste Aufführung im „Kleinen Theater“. In: Berliner Tageblatt, Jg. 37, Nr. 558, 1.11.1908, Sonntags-Ausgabe, S. (2); F.E.: Frank Wedekind zürnt. In: Berliner Tageblatt, Berlin, Jg. 37, Nr. 562, 3.11.1908, Abend-Ausgabe, S. (2-3); fe: Herr Wedekind irrt. In: Berliner Tageblatt, Jg. 37, Nr. 571, 8.11.1908, Sonntags-Ausgabe, S. (3)], die alle Fritz Engel verfasst hat; seinem Ärger darüber gab er brieflich Ausdruck [vgl. Wedekind an Berliner Tageblatt, 2.11.1908 und 4.11.1908]. Fritz Engel äußerte sich prompt zu dem im „Berliner Börsen-Courier“ im Auszug abgedruckten offenen Brief, obwohl dort und auch in der redaktionellen Vorbemerkung das „Berliner Tageblatt“ nicht explizit genannt ist: „Im ‚Berliner Börsenkurier‘ lesen wir, daß Herr Frank Wedekind seine dem Verein ‚Akademische Bühne‘ überlassene Komödie ‚Die junge Welt‘ im Hinblick auf das ‚Berliner Tageblatt‘ zurückgezogen habe. Herr Wedekind spielt in dem uns nicht vorliegenden Briefe an den genannten Verein offenbar auf die an dieser Stelle erschienene abfällige Kritik seines Sittengemäldes ‚Musik‘ an, und er scheint dabei einen Topf voll echt Wedekindscher Uebelgerüche nach unserem Referenten zu schleudern. Uns läßt das sehr kalt, wie uns auch die Briefe kalt gelassen haben, die Wedekind im Laufe der letzten Monate direkt an uns gerichtet hat. Vor den Strafrichter gebracht, würden sie Herrn Wedekind einige Unannehmlichkeiten bereiten, uns selbst erschienen sie als die Aeußerungen eines Gehirns, das in beklagenswerter Weise alle Urteilsfähigkeit und gesellschaftliche Kultur eingebüßt hat, um sich dafür mit einer abnormen Selbstanbetung zu füllen. Wenn Wedekinds neues Stück nun nicht zur Aufführung kommt, so ist das vielleicht in seinem eigenen Interesse zu beklagen, denn niemand wäre mehr als wir bereit gewesen, über einem neuen guten Werk die strafwürdige ‚Musik‘ zu vergessen und Herrn Wedekind die Achtung zu erweisen, die wir dem Dichter von ‚Frühlingserwachen‘ sogar noch in jenem Referat über die ‚Musik‘ unter lebhafter Berufung auf seine Gesamtpersönlichkeit bezeugt haben.“ [fe.: Frank Wedekind und die „Akademische Bühne“. In: Berliner Tageblatt, Jg. 38, Nr. 54, 30.1.1909, Abend-Ausgabe, S. (3)] Dazu erfolgte eine Korrektur: „Zu der Debatte über Wedekinds Schauspiel ‚Die junge Welt‘ teilt unser fl.-Kritiker mit, daß er sich eines Irrtums bezichtigen muß. Das Stück ist nicht neu, sondern schon im Jahre 1897 entstanden. An der sachlichen Stellungnahme gegenüber dem Verfasser wird durch diese Berichtigung natürlich nichts geändert.“ [Theaterchronik. In: Berliner Tageblatt, Jg. 38, Nr. 57, 1.2.1909, Abend-Ausgabe, S. (3)] öffentlich zum Vorwurf machen lassen soll.


[Druck im „Berliner Börsen-Courier“:]


[...]

Herr Wedekind bittet:

„... von der beabsichtigten Aufführung meiner Komödie ‚Die junge Welt‘ Abstand nehmen zu wollen. Die Gründe, die mich zu dieser Bitte bestimmen, sind folgende: Meine Komödie ‚Die junge Welt‘ vereinigt mit einem schwerfälligen szenischen Aufbau eine blasse wenig lebenswarme Charakterzeichnung und ist in unmittelbarer Anlehnung an Ibsens ‚Komödie der Liebe‘ entstanden. Trotzdem halte ich die Arbeit für nicht ganz humorlos und glaube, sie könnte bei guter Darstellung der männlichen Hauptrolle als eine heitere harmlose Satire wirken. Ich sehe nun aber gar nicht ein, warum ich mir diese Tatsachen, über die ich mir seit fünfzehn Jahren vollkommen klar bin, … öffentlich zum Vorwurf machen lassen soll. Ich bitte Sie, geehrter Herr, davon überzeugt zu sein, daß ich die Ehre, die Sie meiner Komödie durch die geplante Aufführung zu erweisen gedachten, im höchsten Maße zu schätzen weiß. Aber so anspruchslos mir die Arbeit auch erscheint, ich stehe ihr doch zu nahe, als daß ...[“]

Einzelstellenkommentare

Berlin, 31. Januar 1909 (Sonntag)
von Akademische Bühne Berlin, (Verein)
an Wedekind, Frank

[Hinweis in GB 2, S. 366:]


Die Akademische Bühne hatte Wedekind mitgeteilt, dass sie sich trotz seines Protestesvgl. Wedekind an Akademische Bühne Berlin, Fritz Schaie, 28.1.1909 zu einer Aufführung der „Jungen WeltautorisiertWedekind bezog sich in seiner Antwort auf die „Autorisation“ [Wedekind an Akademische Bühne Berlin, 4.2.1909] der Akademische Bühne zur Aufführung seines Jugendstücks „Die junge Welt“ (1897), das sie am 12.3.1909 am Hebbel-Theater in Berlin zur Aufführung brachte. halte.

Einzelstellenkommentare

Frankfurt am Main, 4. Februar 1909 (Donnerstag)
von Wedekind, Frank
an Akademische Bühne Berlin, (Verein)

Akademische Bühne Berlin


Burgstraße 30Adresse der Akademischen Bühne in Berlin, die nach ihrer Gründung im Vorjahr bekannt gegeben war: „Alle Mitteilungen sind zu richten an den Vorsitzenden des Direktoriums, stud. jur. Fritz Schaie, Berlin C Burgstraße Nr. 30.‘ [Hamburgischer Correspondent, Jg. 178, Nr. 340, 7.7.1908, Morgen-Ausgabe, 1. Beilage, S. (1)]

Ich kann den offnen Briefvgl. Wedekind an Akademische Bühne Berlin, 28.1.1909. Der Brief war als offener Brief konzipiert an mehrere Empfänger verschickt [vgl. Wedekind an Albert Dornblatt, 28.1.1909; Wedekind an Berliner Tageblatt, 28.1.1909] und stark gekürzt im „Berliner Börsen-Courier“ gedruckt worden [vgl. Berliner Börsen-Courier, Jg. 42, Nr. 49, 30.1.1909, Morgen-Ausgabe, S. 6]. unmöglich wiederrufen. Thun Sie, wozu Sie sich durch Autorisation berechtigtWedekinds Lustspiel „Die junge Welt“ (1897) aufzuführen, wozu die Akademische Bühne sich für autorisiert hielt [vgl. Akademische Bühne Berlin an Wedekind, 31.1.1909]. In der Presse war angekündigt gewesen: „Die Akademische Bühne ist von Frank Wedekind autorisiert worden, seine satirische Komödie ‚Die junge Welt‘ zum ersten Male zur Darstellung zu bringen.“ [Berliner Tageblatt, Jg. 38, Nr. 40, 23.1.1909, Morgen-Ausgabe, S. (3)] Die Premiere wurde am 12.3.1909 realisiert; angezeigt war: „Hebbel-Theater. Freitag, den 12. März, abends 8 Uhr: Ausserordentliche Veranstaltung der Akademischen Bühne zum Besten des Unterstützungsfonds zum ersten Male: Die junge Welt. Komödie in drei Akten und einem Vorspiel von Frank Wedekind. Die Rollen sind mit den ersten Kräften des Hebbel-Theaters besetzt. Regie: Direktor Dr. Robert. Die Preise der Plätze sind erhöht. Die Vorstellung wird nicht wiederholt.“ [Berliner Tageblatt, Jg. 38, Nr. 20, 7.3.1909, Sonntags-Ausgabe, 9. Beiblatt: S. (1)] halten. Mit Aufführung in WienDie Akademische Bühne gab am 19.6.1909 „im Deutschen Volkstheater in Wien eine einmalige Gastvorstellung.“ [KSA 2, S. 746] Dazu wurde bemerkt („Theaterzeitung. Illustrirtes Wiener Extrablatt“, 19.6.1909): „‚Die junge Welt‘, das Jugendwerk von Frank Wedekind, welches das Ensemble des Berliner Hebbel-Theaters heute im Deutschen Volkstheater zum ersten Male zur Aufführung bringt, durfte in Berlin nur einmal gespielt werden, weil der Dichter die öffentliche Aufführung seiner Werke jetzt in Berlin nicht gestatten will.“ [KSA 2, S. 758f.] Angespielt wurde auch auf den offenen Brief an die Akademische Bühne (siehe oben): „‚Die junge Welt‘, das Jugendwerk von Frank Wedekind, das heute vom Ensemble der Berliner Hebbel-Theaters im Deutschen Volkstheater zum erstenmal zur Aufführung gebracht wird, durfte in Berlin nur einmal gespielt werden, weil der Dichter die öffentliche Aufführung seiner Werke jetzt in Berlin nicht gestatten will. Er hat in einem viel besprochenen offenen Brief unumwunden herausgesagt, daß er die Objektivität der Berliner Kritik nicht anerkenne.“ [Neues Wiener Journal, Jg. 17, Nr. 5624, 19.6.1909, S. 8] Pauschalisierend hieß es dann: „Das Gastspiel des Hebbel-Theaters hat gestern ein unbekanntes Jugendwerk Wedekinds gebracht [...]. Berlin hat dieses Stück abgelehnt; der empfindliche Dichter ging hin, verbot die weiteren Aufführungen und schrieb dann sackgrobe offene Briefe an seine Kritiker.“ [Neues Wiener Journal, Jg. 17, Nr. 5625, 20.6.1909, S. 14] durch Direktor Robert bin ich sehr einverstanden. Werde zu dem Zweck nächster Tage Exemplar mit RegiebemerkungenWedekind sandte Eugen Robert [vgl. Wedekind an Eugen Robert, 9.2.1909], Direktor des Hebbel-Theaters in Berlin [vgl. Neuer Theater-Almanach 1909, S. 288], der bei der dort von der Akademischen Bühne veranstalteten Berliner Premiere des Lustspiels „Die junge Welt“ die Regie führte, „ein von ihm bearbeitetes Textbuch und eine Charakterisierung der Personen“ [KSA 2, S. 746]; das war ein Exemplar der „einer gründlichen Bearbeitung“ [KSA 2, S. 646] unterzogenen 2. Auflage von „Die junge Welt“ (1907), das als Regiebuch handschriftlich mit diversen Inszenierungshinweisen versehen ist [KSA 2, S. 760f.], die Wedekind zurück in München am 7.2.1909 eingetragen hat: „Ich richte Regiebuch von Junge Welt ein.“ [Tb] schicken.

In Hochschätzung
Wedekind.

Einzelstellenkommentare

Berlin, 14. August 1909 (Samstag)
von Akademische Bühne Berlin, (Verein) und Schaie, Fritz
an Wedekind, Frank

[Hinweis in Wedekinds Brief an die Akademische Bühne Berlin vom 30.8.1909 aus München:]


Für Ihre herzliche Zuschrift vom 14. August [...] empfangen Sie meinen [...] Dank. [...] Ihr liebenswürdiges Anerbieten [...]

Einzelstellenkommentare

München, 30. August 1909 (Montag)
von Wedekind, Frank
an Schaie, Fritz, Akademische Bühne Berlin, (Verein)

[1. Briefentwurf:]


Auf Ihren Vorschlag

Auf Ihren liebenswürdigen/s/Vorschlags Anerbieten auch hin (in der kommenden Saison) auch wieder eine Arbeit von mir auf die Bühne zu bringen, erkläre ich mich gern damit einverstanden und würde erlaube mir Ihnen für den betreffenden Abend meinen Einakter „Totentanz“ und als einen dazu geeigneten Prolog dazu die drei Scenen „Zensurvorschlagen. vorzuschlagen.

Indem ich Sie bitte den Mitgliedern der Akademischen Bühne den Ausdruck meiner vorzüglichsten Hochschätzung übermitteln zu wollen
Ihr ergebener


[2. Briefentwurf:]


An das tit DirektoriumFritz Schaie, der Vorsitzende der Akademischen Bühne Berlin, war angesprochen: „Alle Mitteilungen sind zu richten an den Vorsitzenden des Direktoriums, stud. jur. Fritz Schaie, Berlin C Burgstraße Nr. 30.“ [Hamburgischer Correspondent, Jg. 178, Nr. 340, 7.7.1908, Morgen-Ausgabe, 1. Beilage, S. 1] der
Akademischen Bühne
Berlin.


Sehr geehrter Herr!

Für Ihre herzliche Zuschrift vom 14. Augustnicht überliefert; erschlossenes Korrespondenzstück: Wedekind an Akademische Bühne Berlin, Fritz Schaie, 14.8.1909. und für die Glückwünsche, die mir Ihre Semester Schluß versammlung meiner Frau und mir übersendet empfangen Sie meinen aufrichtigen, ebenso herzlichen Dank.

Die ehrenvolle Auszeichnung die mir die Vereinigung „Akademische Bühne“ dadurch zutheil werden läßt, daß sie mich zu ihrem EhrenmitgliedNäheres zu Wedekinds Ehrenmitgliedschaft ist nicht ermittelt. „Die Berliner Akademische Bühne durfte ihn zum Ehrenmitglied ernennen.“ [Kutscher 3, S. 280f.] wählt, nehme ich mit Dank an. Ich erblicke darin den symbolischen Ausdruck ein schönes Ehrenzeichen Dokument für unserer gemeinschaftlichesamen Arbeit, an die ich mich immer mit größter Freude zurückerinnernan die Inszenierung von Wedekinds Lustspiel „Die junge Welt“ am Hebbel-Theater in Berlin durch die Akademische Bühne (Premiere: 12.3.1909). werde.

Zu Ihren PlänenPläne, Gerhart Hauptmanns Lustspiel „Schluck und Jau“ (1900), die antike Tragödie „Hippolytos“ [vgl. Euripides: Hippolytos. Griechisch und deutsch von Ulrich von Wilamowitz-Möllendorff. Berlin 1891] sowie Ludwig Tiecks Komödie „Der gestiefelte Kater“ (1797) aufzuführen. Fritz Schaie dürfte Wedekind die drei Stücke in seinem nicht überlieferten Brief (siehe oben) aufgezählt haben; nur zwei davon waren bis dahin in der Presse genannt: „Als nächste Premiere der Akademischen Bühne geht die literarische und politische Satire ‚Der gestiefelte Kater‘ von Ludwig Tieck in Szene. Die Komikerrolle des Gestiefelten Katers, die ehedem von Nestroy gespielt worden ist, wird diesmal von einer Dame verkörpert. Helene Ritscher ist für die Darstellung des Katers gewonnen worden.“ [Berliner Tageblatt, Jg. 38, Nr. 259, 24.5.1909, Abend-Ausgabe, S. (2)] „Der ‚Hippolyt‘ des Euripides gelangt im Rahmen der Akademischen Bühne in der Uebersetzung von Ulrich v. Wilamowitz-Möllendorff zum ersten Mal zur Darstellung. Das Werk geht als Ehrung für Professor v. Wilamowitz-Möllendorff und als Festvorstellung der Akademischen Bühne zum Universitätsjubiläum in Szene. Alfred Halm wird den Hippolyt inszenieren.“ [Berliner Tageblatt, Jg. 38, Nr. 410, 14.8.1909, Abend-Ausgabe, S. (3)], in der kommenden Saison SemesterSchluck und Jau“, „Hippolyt“ und „Der gestiefelte Kater[“] aufzuführen beglückwünsche ich Sie von Herzen, indem die Sendung ein solches Programm jeden Zweifel an der Reinheit und Echtheit Ihrer rein künstlerisch literarischen Ziele aus dem Weg räumen ausschließt.

Auf Ihr liebenswürdiges Anerbieten hin, auch wieder eine Arbeit von mir auf die Bühne zu bringen, erkläre ich mich gern damit einverstanden und erlaube mir, Ihnen für den betreffenden Abend den Einakter „Totentanz“ und als einen dazu geeigneten Prolog die drei Scenen „Zensur“ vorzuschlagenWedekinds dem Vorsitzenden der Akademischen Bühne zur Aufführung vorgeschlagenen Stücke „Totentanz“ und „Die Zensur“ waren in der Presse einige Zeit später entsprechend angekündigt: „Die Akademische Bühne wird in der Saison 1910 noch folgende Werke darstellen lassen: [...] Den Schluß der Saison bildet endlich ein Wedekind-Abend, der unter anderem ‚Die Zensur‘ bringen wird. Frank Wedekind wird selbst die Regie führen.“ [Berliner Tageblatt, Jg. 39, Nr. 48, 27.1.1910, Abend-Ausgabe, S. (3)] „Die Berliner Literarische Gesellschaft Akademische Bühne wird [...] in dieser Saison noch folgende Werke zur Aufführung bringen: [...] ‚Die Zensur‘ und ‚Tod und Teufel‘ von Frank Wedekind. Wedekind wird selbst die Hauptrollen in seinen beiden Werken darstellen.“ [Berliner Tageblatt, Jg. 39, Nr. 133, 14.3.1910, Abend-Ausgabe, S. (2)] Der Wedekind-Abend mit „Die Zensur“ und „Totentanz“ kam nicht zustande. Wedekind hatte dagegen protestiert, dass seine Mitwirkung angekündigt war [vgl. Vorwärts, Jg. 27, Nr. 67, 20.3.1910, 1. Beilage, S. (1)].. |

Indem ich Sie bitte, den Mitgliedern der Akademischen Bühne den Ausdruck meiner vorzüglichsten Hochschätzung übermitteln zu wollen
Ihr ergebener
FrW.


München 30. S/A/ugust 1909.

Einzelstellenkommentare