Briefwechsel

Welti, Heinrich und Wedekind, Frank

11 Dokumente

München, 1. April 1885 (Mittwoch)
von Welti, Heinrich
an Wedekind, Frank

DR. HEINRICH WELTIDr. phil. Heinrich Welti, 1882 in München promoviert, seine Dissertation „Geschichte des Sonettes in der Deutschen Dichtung“ (1884) erschien in Leipzig, gehörte „zu Wedekinds Freunden während der Schulzeit in Aarau“ [KSA 8, S. 1000], ein Freund Wedekinds aber eigentlich erst seit der gemeinsamen Zeit in München.

Amalienstraße 77IIHeinrich Welti, der als Literatur- und vor allem Musikkritiker in München (Schellingstraße 28) [vgl. Deutscher Litteratur-Kalender auf das Jahr 1885, Teil II, Sp. 487] lebte (Wedekind wohnte 1885 in der Schellingstraße 27), war umgezogen (Amalienstraße 77) [vgl. Deutscher Litteratur-Kalender auf das Jahr 1886, Teil II, Sp. 487] (2. Stock).

Einzelstellenkommentare

München, 15. August 1885 (Samstag)
von Welti, Heinrich
an Wedekind, Frank

M. L. Erwarte mich nicht mehr. Seit gestern ist meine Mutterdie Pfarrersgattin Emma Welti-Kettiger (geb. Kettiger) aus Aarburg in der Schweiz; wann genau sie ihren Sohn im Sommer 1885 in München besuchte, ist nicht ermittelt. hier und so fehlt mir natürlich alle Zeit zum Besuchemachen.

Hoffentlich zürnst Du mir ob meines langen Wegbleibens nicht. Ich bin über und über beschäftigtHeinrich Welti war Opernreferent vor allem für die Münchner „Neuesten Nachrichten“ (schrieb aber auch für andere Zeitungen, etwa für die „Neue Zürcher Zeitung“); bald darauf meldete die Presse: „Wir werden um Veröffentlichung nachstehender Erklärung ersucht: Der Unterzeichnete ist wegen Inangriffnahme größerer schriftstellerischer Arbeiten mit dem 15. Sept. von der Stellung eines Opernreferenten der ‚N. N.‘ zurückgetreten. Dr. Heinrich Welti.“ [Opernreferat. In: Neueste Nachrichten, Jg. 38, Nr. 261, 18.9.1885, 1. Blatt, S. 3] und zudem das letzte Malnicht ermittelt. Wedekind lag wegen einer Entzündung am Bein seit dem 5.8.1885 „im Studentensaal“ [Frank Wedekind an Friedrich Wilhelm Wedekind, 12.8.1885] des Städtischen Krankenhauses in München (Krankenhausstraße 2), dem Krankenhaus links der Isar [vgl. Frank Wedekind an Friedrich Wilhelm Wedekind, 15.9.1885], behandelt von Prof. Dr. Johann Nepomuk von Nußbaum [vgl. Vinçon 2021, Bd. 2, S. 77]. Heinrich Welti dürfte ihn bald darauf dort besucht haben. durch den Anblick und die Musik Deines todkranken Gegenübersnicht identifiziert. Wedekind berichtete seiner Mutter von drei Mitpatienten [vgl. Frank Wedekind an Emilie Wedekind, 7.9.1885]. nervös | so aufgeregt worden, dass ich mich nur schwer entschliessen kann, den Saal wieder zu betreten.

Falls Du mich aber irgendwie brauchst, werd’ ich selbstverständlich doch erscheinen. Zu Deiner neuen Bekanntschaftder nicht identifizierte Mitpatient (siehe oben). gratulir’ ich.

DR. HEINRICH WELTI

Zu allen Zeiten Dein getreuer aber nachlässiger Freund
Welti


Gute Besserung!

Einzelstellenkommentare

München, 31. August 1885 (Montag)
von Welti, Heinrich
an Wedekind, Frank

Carte de Correspondence.


Lieber Freund!

Solltest Du, was ich sehnlich wünsche, schon morgen der KrankenhaftWedekind lag wegen einer Entzündung am Bein seit dem 5.8.1885 „im Studentensaal“ [Frank Wedekind an Friedrich Wilhelm Wedekind, 12.8.1885] des Städtischen Krankenhauses in München (Krankenhausstraße 2), behandelt von Prof. Dr. Johann Nepomuk von Nußbaum [vgl. Vinçon 2021, Bd. 2, S. 77]. Er wurde am 18.9.1885 aus dem Krankenhaus entlassen [vgl. Frank Wedekind an Friedrich Wilhelm Wedekind, 18.9.1885]. entrinnen können, so bitte ich Dich, nicht bei mir anzukehren(schweiz.) einzukehren., da ich Dienstag und Freitag zweifelsohne nicht zu sprechen sein werde. Mittwoch und DonerstagSchreibversehen, statt: Donnerstag. dagegen bin ich mit ziemlicher Sicherheit zu treffen. Also auf baldiges Wiedersehen und vor allem gute und rasche Besserung. Ganz Dein
Welti


31. Aug. 1885

Einzelstellenkommentare

München, 28. Juli 1889 (Sonntag)
von Wedekind, Frank
an Welti, Heinrich

[Hinweis in Wedekinds Tagebuch vom 28.7.1889 in München:]


Brief an WeltiHeinrich Welti hielt sich zwischenzeitlich in Aarburg auf [vgl. Heinrich Welti an Wedekind, 19.8.1889]..

Einzelstellenkommentare

Aarburg, 19. August 1889 (Montag)
von Welti, Heinrich
an Wedekind, Frank

Bayern


Postkarte.

Carte postale. Cartolina postale.


Nur für die Adresse.
Côté réservé à l’adresse.
Lato riservato all’ indirizzo.


Herrn Franklin Wedekind, Schriftsteller
München
Academiestrasse 21III. |


Mein lieber Freund! Obwohl es schnöde ist, zwei freundliche Briefenicht überliefert; erschlossene Korrespondenzstücke: Wedekind an Heinrich Welti, 28.7.1889 (und ein weiterer verschollener Brief). mit einer communengemeinen, allgemeinen. Postkarte zu erwidern, musst Du Dich heute mit diesem wenigen Zeilen begnügen, da ich, in gewohnter Weise, noch allerlei fertig zu machen haben vor meiner Abreise. Dieselbe erfolgt nächsten Sonntag, den 25. August & am Montag Morgen hoff' ich den mir heiligen Boden Münchens wieder zu betreten. Meine Ankunft findet so in aller Gottesfrühe statt, daß ich Dich nicht veranlassen will, an den Bahnhof; ich hoffe Dich so zwischen 7 & 7 ¼ Uhrzwischen 7 Uhr und 7.15 Uhr. wohlbehalten in Deinen Federn zu finden & gedenke den ersten und kurzen Halt bei DirWedekind hat am 26.8.1889 (Montag) den Besuch von Heinrich Welti notiert: „Während ich im Bett liegen bleibe macht er Toilette“ und er habe dann „Abschied genommen um seine Braut in die Arme zu schließen“ [Tb]; das war Emilie Herzog (siehe unten). zu machen & von dort nach Schwabing zu fahren. Meine BrautEmilie Herzog, die Hofopernsängerin in München gewesen ist, sich am 28.2.1889 „vom Münchener Publikum verabschiedet“ hatte, „um einem ehrenvollen Rufe an das Berliner Hoftheater Folge zu leisten“ [Münchner Neueste Nachrichten, Jg. 42, Nr. 97, 27.2.1889, Vorabendblatt, S. 4], war inzwischen Hofopernsängerin am Berliner Hoftheater [vgl. Neuer Theater-Almanach auf das Jahr 1890, S. 15]. trifft heute dort ein; vielleicht hast Du Gelegenheit, sie einmal rasch zu sehen, obwohl sie ein ganzes SchockMengenzählmaß: 1 Schock sind 5 Dutzend (= 60 Stück). ComißionenAufträge, hier: gesellschaftliche Verpflichtungen. & Besuche zu erledigen hat. Sie wird sich jedenfalls sehr freuen, Dich begrüßenWedekind notierte am 22.8.1889 seinen Besuch bei Emilie Herzog: „Ich kaufe mir eine Cravatte und einen Regenschirm und gehe am Nachmittag zur Herzog mit der ich zwei gemüthliche Stunden verplaudere.“ [Tb] Ob Emilie Herzog noch ihre Wohnung in München (Kaulbachstraße 38a) [vgl. Adreßbuch von München für das Jahr 1889, Teil I, S. 132] hatte, ist unklar. zu können. An Frau Pansegrau„Wedekinds Berliner Wirtin in der Genthinerstraße 28, wo er im Juni 1889 seine Arbeit an ‚Kinder und Narren‘ begann“, eine „gutmütige, praktisch veranlagte und der weiblichen Emanzipation skeptisch begegnende Frau“, die „Bedenken hatte gegenüber weiblichen Bildungsansprüchen“ [KSA 2, S. 710]. Sie war die Gattin des Portiers W. Pansegrau (Genthinerstraße 28) [vgl. Berliner Adreßbuch für das Jahr 1889, Teil I, S. 853; Teil II, S. 894]. Eine ironische Reminiszenz an sie ist der Name der Leiterin des Mädchenpensionats in „Kinder und Narren“ (1891) – die „DIREKTORIN PANSEGRAU“ [KSA 2, S. 106]. Heinrich Welti wollte wohl an die frühere Vermieterin Wedekinds schreiben, da er plante, nach Berlin zu gehen. werd’ ich schreiben; die Sache wäre mir in mancher Beziehung sehr angenehm, aber ich fürchte Unzuträglichkeiten, die mir aus der Hausgemeinschaft mit einem Theatercollegen Emiliens erwachsen könnten. Siehst Du gelegentlich Einen von der alten Runde, so künde meine bevorstehende Ankunft an. Dir wünsch’ ich alles Gute & hoffe Du werdest von allen KatarrhenSchleimhautentzündungen. etc. befreit sein, wenn ich anrücke. Mit freundschaftlichstem Grusse Dein
Welti

Einzelstellenkommentare

Berlin, 21. Oktober 1889 (Montag)
von Welti, Heinrich
an Wedekind, Frank

Deutsche Reichspost
Postkarte


An

Herrn Franklin Wedekind Schriftsteller
in München
Wohnung (Straße und Hausnummer) Akademiestraße 21III |


Berlin W. Magdeburgerstrasse 11 Hof III
am 21. October 1889


Mein lieber Freund!

Da ich mich bis heute über meine verdammenswerte Nachlässigkeit im Briefschreiben immer mit der Ausrede getröstet, ich wolle die PremiereDie Uraufführung von Gerhart Hauptmanns Drama „Vor Sonnenaufgang“ (1889) durch den Verein Freie Bühne am 20.10.1889 im Lessingtheater in Berlin unter der Regie von Hans Meery, wie der Theaterzettel anzeigt [vgl. Leppmann 1989, S. 122], als Mittagsvorstellung um 11.30 Uhr – angekündigt: „Gerhardt Hauptmanus sociales Drama ‚Vor Sonnenaufgang‘ gelangt am Sonntag, den 20. Vormittags 11½ Uhr, im Verein ‚Freie Bühne‘ (im Lessingtheater) zur Aufführung“ [Berliner Börsen-Zeitung, Nr. 487, 18.10.1889, Morgen-Ausgabe, S. 11] – brachte den Durchbruch des Naturalismus und zählt zu „zu einem der großen Skandale der Bühnengeschichte“ [Leppmann 1989, S. 123]. von Gerhart Hauptmanns „Vor Sonnenaufgang“ abwarten, um Dir die schuldige Epistellängerer Brief. zu schreiben, so will ich heute vor allen Dingen Dein gedenken. Da ich aber anderseits gerade heute & gerade in Folge der gestrigen Aufführung sehr beschäftigt bin, so mußt Du Dich bis auf Weiteres mit diesem Kärtchen zufrieden geben. Also I. wir sind gesund und vielfach tätig und hoffen dasselbe von Dir. II. Ich habe gestern der mit starkem KrakehlDie Presse – ihr „Echo“ war „geteilt“ [Leppmann 1989, 129] – berichtete über die Uraufführung von „Vor Sonnenaufgang“ (siehe oben): „Die gestrige Aufführung des sozialen Dramas ‚Vor Sonnenaufgang‘ von Gerhart Hauptmann, die die ‚Freie Bühne‘ [...] veranstaltet hatte, gehört unstreitig zu den interessantesten Theaterdaten, die wir seit langer Zeit zu verzeichnen gehabt haben. [...] Für heute muß es uns genügen, ein möglichst getreues Bild der Aufnahme zu geben, die es bei dem Publikum gefunden hat. Selten haben wir die Gegensätze, die ja in jedem Publikum vorhanden sind, so scharf, ja so brutal im Ausdruck gefunden, wie gestern – brutal im Zujauchzen und brutal im Niederzischen. Nach meiner Schätzung war die Zuhörerschaft in zwei ungefähr gleiche Hälften getheilt. Es wurde gerade so viel geklatscht wie gezischt [...] und unter den wunderlichen Lauten dieses Konzertes erschien der jugendliche Dichter Gerhart Hauptmann nach jedem Fallen des Vorhanges.“ [P.L.: „Freie Bühne.“ In: Berliner Tageblatt, Jg. 18, Nr. 533, 21.10.1889, Montags-Ausgabe, S. (1)] „Die Vorstellung gestaltete sich zu einem Parteikampf, zu einer Demonstration für und gegen die neue Schule“ [Berliner Börsen-Zeitung, Nr. 493, 22.10.1889, Morgen-Ausgabe, S. (9)]. verbundenen Aufführung des „Vor Sonnenaufgang“ beigewohnt. Das Stück ist eine sehr talentvolle Scheußlichkeit. Ich schreibe eben an einem Aufsatz darüber für die N.Z.Z.Eine mit dem Namen Heinrich Welti gezeichnete Besprechung der Uraufführung von Gerhart Hauptmanns Drama „Vor Sonnenaufgang“ ist in der „Neuen Zürcher Zeitung“, die zwei Aufsätze dazu brachte, nicht erschienen; vermutlich hat er sie unter dem Pseudonym Caliban (nach der Figur aus Shakespeares „Der Sturm“) veröffentlicht [vgl. Caliban: Berliner Arabesken. In: Neue Zürcher Zeitung, Jg. 69, Nr. 301, 28.10.1889, 1. Blatt, S. (1-2); Nr. 302, 20.10.1889, 1. Blatt, S. (1-2)], vielleicht auch unter dem Pseudonym Hans Thunichgut [vgl. Hans Thunichgut: Berliner Streifzüge. In: Neue Zürcher Zeitung, Jg. 69, Nr. 323, 19.11.1889, 1. Blatt, S. (1-2)]. III. Meine Wünsche auf Anstellung sind leider noch immer nicht erfüllt & so sehe ich einem schweren Winter entgegen. Ich schreibe indessen wieder ein ReclambändchenHeinrich Welti hatte in Reclams Universal-Bibliothek (Nr. 2421) als Band 9 der Reihe „Musiker-Biographien“ bereits eine Biografie Christoph Willibald Glucks veröffentlicht [vgl. Heinrich Welti: Gluck. Leipzig (1888)]., doch ganz im Geheimen. IV Emilien geht es ausgezeichnet; sie hat jüngst die Gilda im RigolettoEmilie Herzogs Auftritt am 10.10.1889 als Gilda in Giuseppe Verdis Oper „Rigoletto“ war in der Presse angekündigt: „In der morgigen Aufführung des ‚Rigoletto‘ im Königlichen Opernhause wird Frl. Herzog zum ersten Male die Gilda singen.“ [Berliner Börsen-Zeitung, Nr. 471, 9.10.1889, Morgen-Ausgabe, S. 8] mit großartigem Erfolg gesungen & auch auf dem Concertpodium viel Beifall gefunden. V. Was treibst Du? Was macht Deine Arbeit? Schade, daß Du nicht da bist, wir könnten zusammen ein Parodie Stück etwa „Der hartnäckige Blasenkatarrh oder Die Heirat mit Hindernissen“ im Ibsenstil oder à la Hauptmann: „Nach Sonnenuntergang oder die Verwechslungen im Torusein Rotationskörper (in der Mathematik).“ schreiben. Hauptmann wurde ja gestern ein ½ Duzzendmal gerufen!!! VI Zum Schluß, was zum Anfang stehen sollte: Herzlichsten, besten Dank für Deine GastfreundschaftHeinrich Welti war während seines Kurzaufenthaltes in München (26.8.1889 bis 28.8.1889) täglich bei Wedekind zu Besuch. und viele Grüsse von uns Beiden mit den besten Wünschen für Dein Wohlergehn und Deine Arbeit
Allzeit getreu Dein W.


Beste Grüsse auch an die KletzenbrühblaseAnspielung auf die Münchner Gastwirtschaft Zum Kletzengarten (Fürstenstraße 9) [vgl. Adreßbuch von München für das Jahr 1890, Teil II, S. 99], wo Heinrich Welti mit Wedekind dem Tagebuch zufolge am 26.8.1889 („Im Kletzengarten treffe ich Welti“, dem das „Kletzenbier [...] Sodbrennen gemacht“ hat) und 27.8.1889 („Welti und ich begeben uns in den Kletzengarten“) bis in die Nacht verkehrte. Da die ‚Brühblase‘ (eigentlich eine durch Verbrühung entstandene Blase auf der Haut) gegrüßt werden soll, dürften die Personen gemeint sein, die Heinrich Welti und Wedekind dort trafen (vor allem Musiker).Anspielung auf die Münchner Gastwirtschaft Zum Kletzengarten (Fürstenstraße 9), wo Welti mit Wedekind dem Tagebuch zufolge am 26.8.1889 („Im Kletzengarten treffe ich Welti“, dem das „Kletzenbier [...] Sodbrennen gemacht“ hat) und 27.8.1889 („Welti und ich begeben uns in den Kletzengarten“) bis in die Nacht verkehrte. Da die ‚Brühblase‘ (eigentlich eine durch Verbrühung entstandene Blase auf der Haut) gegrüßt werden soll, dürften die Personen gemeint sein, die Welti und Wedekind dort trafen (vor allem Musiker).

Einzelstellenkommentare

Berlin, 31. Dezember 1889 (Dienstag)
von Welti, Heinrich
an Wedekind, Frank

Deutsche Reichspost
Postkarte


An

Herrn Franklin Wedekind Schriftsteller
in München
Wohnung (Straße und Hausnummer) Akademiestraße 21III |


Mein lieber Freund!

Empfange meiner Braut und meine besten Wünsche zum neuen Jahre: Möge es für Dich ein Jahr des Fortschrittes und Ruhmes werden. Zürne mir nicht über die Kürze dieses Wunsches; meine erste epistula familiaris(lat.) Privatbrief. soll Dir gelten. Zur Zeit weiß ich vor Arbeit und Geschäften nicht wo aus und ein. Wir sind gesund & wünschen Dir das Gleiche. Allzeit in Treuenin Wahrheit, wahrhaftig.in Wahrheit.
Dein Freund
Welti

Einzelstellenkommentare

Berlin, 26. Juli 1890 (Samstag)
von Welti, Heinrich
an Wedekind, Frank

Mein lieber Freund!

In aller Eile und entsprechender Kürze die Mitteilung, daß ich am 31 Juli nächsthin mit meiner lieben Braut die langersehnte HochzeitDie Heirat von Heinrich Welti und Emilie Herzog – nur sie ist in Berlin wohnend verzeichnet (Lützowstraße 20) [vgl. Berliner Adreß-Buch für das Jahr 1890, Teil I, S. 463] –am 31.7.1890 war zunächst in den „Münchner Neuesten Nachrichten“ (im Vorabendblatt einen Tag vordatiert) angezeigt: „Frl. Emilie Herzog, welche allen Münchnern von ihrer hiesigen Thätigkeit am Hoftheater noch in bester Erinnerung steht, hat sich mit Herrn Musikschriftsteller Dr. Heinrich Welti vermählt. Unsere herzlichsten Glückwünsche!“ [Münchner Neueste Nachrichten, Jg. 43, Nr. 347, 1.8.1890, Vorabendblatt, S. 4], dann in Berlin: „Fräulein Emilie Herzog vom Königlichen Opernhause hat sich, wie wir den ‚Münch. N. N.‘ entnehmen, mit Herrn Musikschriftsteller Dr. Heinrich Welti vermählt.“ [Berliner Börsen-Zeitung, Nr. 355, 1.8.1890, Morgen-Ausgabe, S. 9] feiere. In steter Erinnerung an die Freundschaft und Teilnahme, die Du mir gerade zur Zeit meiner VerlobungWedekind hat über die Beziehung des Freundes zur Verlobten am 1.6.1889 in Berlin die Äußerung der gemeinsamen Bekannten Anna Spichart über Heinrich Welti notiert: „Er werde eben immer der Mann seiner Frau bleiben.“ [Tb] Und am 28.8.1889 in München hat er über Heinrich Welti festgehalten: „Es scheint das in seiner Bestimmung zu liegen, nicht nur der Mann seiner Frau zu sein sondern geradezu ihr Laufbursche. Er fühlt sich offenbar glücklich in dieser Rolle.“ [Tb] und in den schweren Stunden & Tagen, die ihr vorangingen, bewiesen hast, wird es mir unmöglich, Dir die endliche Erfüllung unsrer Wünsche nur durch eine gedruckte Karte kundzutun. Freilich lassen mich die Geschäfte, die ein solches Fest mit sich bringt, auch nicht zu einem | Briefe ankommen, sonst hätt’ ich Dir vielerlei zu sagen und tausenderlei zu fragen. Ich hoffe, diese Fragen aber, falls Du noch in München weilstDie aus Berlin über Lenzburg versandte Briefkarte dürfte Wedekind in München erreicht haben, wo er seinerzeit noch wohnte., Mitte August selbst stellen zu können & bitte Dich nur um Deine Adresse, damit wir Dir Bericht geben können, wenn wir an der Isar das Ende unsrer Ferien verbummeln. Wir denken vom 18 ‒ 25 August uns dort aufzuhalten. Emilie grüßt Dich bestens und hofft, wie ich, daß wir Dich gesund und froher Laune treffen. Da ich gar nicht weiß, wo Du steckst send’ ich dies Kärtchen nach Lenzburg; Deine Frau Mutter, der wir uns bestens empfehlen, wird dann wohl die Güte haben, es an die richtige Adresse zu befördern

Mit bestem Gruß in alter Treue
Dein Heinrich Welti


26 Juli 1890.

Einzelstellenkommentare

Berlin, 23. November 1906 (Freitag)
von Welti, Heinrich
an Wedekind, Frank

W

Berlin W. 35, d. 23. Nov. 1906

Lützowstr. 20.


Lieber Wedekind!

In aller Eile nur ein paar Worte um Dir zu sagen, daß ich gestern Abendam 22.11.1906, an dem Heinrich Welti in den Kammerspielen des Deutschen Theaters (Direktion: Max Reinhardt) in Berlin nach der Uraufführung von „Frühlings Erwachen“ am 20.11.1906 die zweite Vorstellung besucht hat. Das war die „Pressevorstellung von Fr Erw.“ [Tb], wie Wedekind am 22.11.1906 notierte. in stiller Ergriffenheit Deinen Lebensbildern gefolgt bin. Es war der stärkste und reinste Eindruck, den ich bisher von Deinem Dichten empfangen, und ich freue mich dieser Erfahrung herzlichst. Ueber manches „aber“, mit dem mein innerster künstlerischer Mensch sich zu Worte meldet, sprechen wir beide wohl gelegentlichWedekind traf Heinrich Welti dann am 1.12.1906 in einer Berliner Weinstube: „Abends mit Tilly und Welti bei Steinert.“ [Tb]. Für heute nur nochmals Dank und besten Glückwunsch.

Herzlichst grüsst Dich
Dein alter
Welti

Einzelstellenkommentare

Berlin, 29. Dezember 1906 (Samstag)
von Wedekind, Frank
an Welti, Heinrich

Lieber FreundDr. phil. Heinrich Welti, Wedekinds alter Schulfreund aus Aarau, mit dem er in den 1880er Jahren in München engen Kontakt hatte, lebte seit Jahren als Musikschriftsteller in Berlin (Lützowstraße 20) [vgl. Berliner Adreßbuch 1907, Teil I, S. 2612], wo die Freundschaft, seit Wedekind in Berlin wohnte und nicht zuletzt nach der Uraufführung von „Frühlings Erwachen“ [vgl. Heinrich Welti an Wedekind, 23.11.1906], erneuert wurde und Wedekind ihn häufiger sah.!

ich freue mich also sehr darauf, daß wir Freitag den 4. JanuarWedekind notierte am 4.1.1907 abends um 23 Uhr ein „Gastmahl bei Borchardt“ [Tb], dem exquisiten Weinlokal F. W. Borchardt in Berlin (Französische Straße 47/48) [vgl. Berliner Adreßbuch 1907, Teil I, S. 221], an dem außer Wedekind und Heinrich Welti teilgenommen haben: Rudolf Blümner, Paul Cassirer, Efraim Frisch, Emil Gerhäuser, Felix Hollaender, Arthur Kahane, Walther Rathenau, Edmund Reinhardt, Max Reinhardt, wie Wedekind festhielt: „Rathenau Reinhart Gerhäuser Welti Blümner Frisch, ich, Kahane, Edmund, Holländer Kassirer“ [Tb] – das sind überwiegend Leute vom Deutschen Theater, zuletzt war Wedekind am 20.12.1906 „mit dem Deutschen Theater bei Borchardt“ [Tb]; in den Kammerspielen des Deutschen Theaters lief mit großem Erfolg „Frühlings Erwachen“ (uraufgeführt am 20.11.1906; am 29.12.1906 war die 25. Vorstellung). Abends 11 UhrDie späte Uhrzeit ‒ 23 Uhr ‒ erklärt sich dadurch, dass Wedekind am 4.1.1907 zunächst die Generalprobe von Gerhart Hauptmanns Drama „Das Friedensfest“ in den Kammerspielen und dann die Doppelpremiere von Goethes Stücken „Die Geschwister“ und „Die Mitschuldigen“ im Deutschen Theater besuchte, um anschließend in geselliger Runde bei Borchardt zusammenzukommen [vgl. Tb]. zusammen sein werden (bei Borchardt; ich habe das Zimmer bestellt.) und begrüße Dich mit den herzlichsten Glückwün|schen zum neuen Jahr
als
Dein getreuer
Frank Wedekind.


29.12.6Wedekind hat an diesem Tag in Berlin noch andere Einladungen oder Bestätigungen zu dem Beisammensein bei F. W. Borchardt am 4.1.1907 (siehe oben) geschrieben [vgl. Wedekind an Efraim Frisch, 29.12.1906; Wedekind an Maximilian Harden, 29.12.1906]..

Einzelstellenkommentare

Berlin, 17. September 1908 (Donnerstag)
von Wedekind, Frank
an Welti, Heinrich

[Hinweis in Wedekinds Notizbuch (Nb 54, Blatt 50v):]


OAHA senden an
[…]
Heinrich Welti
[...]

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