Briefwechsel

Schröder, Rudolf Alexander und Wedekind, Frank

5 Dokumente

München, 18. April 1901 (Donnerstag)
von Schröder, Rudolf Alexander
an Wedekind, Frank

[Hinweis in Wedekinds Brief an Rudolf Alexander Schröder vom 22.4.1901 aus München:]


Sie erweisen mir eine außerordentliche Auszeichnung, indem Sie mir von den fünfzig Exemplaren Ihres „Empedokles“ eines zum Geschenk machen.

Einzelstellenkommentare

München, 22. April 1901 (Montag)
von Wedekind, Frank
an Schröder, Rudolf Alexander

FRANK WEDEKIND.


Sehr geehrter Herr SchröderRudolf Alexander Schröder, Schriftsteller und Redakteur der „Insel“ in München (Rottmannstraße 14, Gartenhaus) [vgl. Deutscher Litteratur-Kalender auf das Jahr 1901, Teil II, Sp. 1286], gab gemeinsam mit Otto Julius Bierbaum und Alfred Walter Heymel die Monatsschrift „Die Insel“ heraus, in der Wedekind aktuell stark vertreten war; so war dort im Jahr 1900 nicht nur „Marquis von Keith“ (unter dem Titel „Münchner Scenen“) vorabgedruckt [vgl. KSA 4, S. 425], sondern im Vormonat war gerade der „Prolog zum Erdgeist“ [vgl. Die Insel, Jg. 2, 2. Quartal, Nr. 6, März 1901, S. 351-353] erschienen und im aktuellen Heft begann der Abdruck des Romanfragments „Mine-Haha“ [vgl. Die Insel, Jg. 2, 3. Quartal, Nr. 7, April 1901, S. 27-36; Nr. 8, Mai 1901, S. 93-111; Nr. 9, Juni 1901, S. 234-255].,

Sie erweisen mir eine außerordentliche Auszeichnung, indem Sie mir von den fünfzig ExemplarenIn einem von Rudolf Alexander Schröder redaktionell verantworteten „Insel“-Heft ist zu seinem Band „Empedokles. Ein Gedicht“ (1901), der als Privatdruck der Zeitschrift „Die Insel“ in München erschienen ist (gedruckt in der Officin W. Drugulin in Leipzig), angemerkt: „Wir machen unsere Leser darauf aufmerksam, dass im Verlage der Insel ein Gedicht von Rudolf Alexander Schröder unter dem Titel Empedokles in Buch-Form erschienen ist. Das Buch ist in nur 50 numerierten Exemplaren gedruckt und somit eine grosse bibliophile Seltenheit. Da es nur durch die Redaktion der Insel direkt zu beziehen ist, bitten wir die Interessenten sich an uns zu wenden. Der Preis des Exemplares beträgt bis auf weiteres M. 15.“ [Die Insel, Jg. 2, 4. Quartal, Nr. 11, August 1901, S. 238] Der Insel-Verlag, aus der Zeitschrift „Die Insel“ hervorgegangen, wurde offiziell allerdings erst am 1.10.1901 in Leipzig gegründet: „Der Insel-Verlag in München, dessen Kommission bisher in den Händen der Firma Schuster & Loeffler in Berlin lag, wird demnächst in die Hände einer Gesellschaft mit beschränkter Haftung übergehen, die die Firma Insel-Verlag G.m.b.H. führen und in Leipzig ihren Sitz haben wird.“ [Börsenblatt für den Deutschen Buchhandel, Nr. 227, 28.9.1901, S. 7671] Ihres „Empedokles“ eines zum Geschenk machenHinweis auf ein nicht überliefertes Begleitschreiben zur Buchsendung (oder eine Widmung); erschlossenes Korrespondenzstück: Rudolf Alexander Schröder an Wedekind, 18.4.1901. Das Exemplar von Rudolf Alexander Schröders „Empedokles“ (siehe oben) dürfte Wedekind unter der Adresse des bereits so genannten Insel-Verlags aus München zugegangen sein (siehe oben), wie Reaktionen anderer Empfänger vermuten lassen. So schrieb Rainer Maria Rilke dem Verfasser am 22.4.1901: „Sehr verehrter Herr Rudolf Alexander Schröder, der Verlag der ‚Insel‘ sendet mir das Gedicht ‚Empedokles‘, ich vermute, daß dies in Ihrem Auftrag geschehen ist, und danke Ihnen“ [Rainer Maria Rilke: Briefe aus den Jahren 1892 bis 1904. Leipzig 1939, S. 157]; oder Hugo von Hofmannsthal schrieb ihm am 19.4.1901, er wolle ihm „nur in Eile [...] für das Buch ‚Empedokles‘ danken, von welchem mir mehrere Exemplare zugekommen sind“ [Hugo von Hofmannsthal: Briefe 1900-1909. Wien 1937, S. 42].. Der Empedokles scheint | mir eines der Bücher zu sein, d in denen man gerne oft und viel liest ohne sie trotzdem je auszulesen. Ich finde, dies Geschenk müßte jedem klugen ernsten Menschen eine große Freude sein ‒ Umso höher weiß ich den Vorzug zu schätzen zu Ihren | Auserwählten zu gehören. Der allerdings etwas resignierten Weltanschauung die Sie in so schönen Formen gestalten, liegt die meinige wenn ich aufrichtig gegen mich bin ziemlich nahe. Deshalb wird mir das Buch jedenfalls immer ein lieber Gesellschafter | sein, besonders auch dannen in Augenblicken, wo ich das Bedürfnis empfinde, allein zu sein.

Mit den herzlichsten Grüßen
Ihr
Frank Wedekind


München, im April 1901.

Einzelstellenkommentare

München, 14. Oktober 1901 (Montag)
von Schröder, Rudolf Alexander
an Wedekind, Frank

[Hinweis in Wedekinds Brief an Rudolf Alexander Schröder vom 15.10.1901 aus München:]


Ich danke Ihnen [...] für Ihre liebenswürdige Einladung [...]

Einzelstellenkommentare

München, 15. Oktober 1901 (Dienstag)
von Wedekind, Frank
an Schröder, Rudolf Alexander

FRANK WEDEKIND.


Sehr geehrter Herr SchröderRudolf Alexander Schröder, Schriftsteller in München (Nymphenburg, Südliche Auffahrtsallee 5) [vgl. Deutscher Litteratur-Kalender auf das Jahr 1902, Teil II, Sp. 1295].!

Ich danke Ihnen bestens für Ihre liebenswürdige Einladungnicht überliefert; erschlossenes Korrespondenzstück: Rudolf Alexander Schröder an Wedekind, 14.10.1901. und werde mich also morgen, Mittwoch gegen halb zwei Uhr bei Ihnen einfinden. Sie werden derweil wol auch gehört habenRudolf Alexander Schröder könnte von Otto Julius Bierbaum vom Misserfolg der Uraufführung des „Marquis von Keith“ gehört haben, ganz abgesehen davon, dass davon in der überregionalen Presse die Rede war, die urteilte, der Abend war „kein Sieg. Es war das Gegenteil. Erst Erwartung, dann Belächeln, schließlich Belachen vieler Stellen.“ [F.E. (= Fritz Engel): Literatur im Residenztheater. „Marquis von Keith“ von Frank Wedekind. In: Berliner Tageblatt, Jg. 30, Nr. 519, 12.10.1901, Morgen-Ausgabe, S. 2] Otto Julius Bierbaum, inzwischen alleiniger Herausgeber der Monatsschrift „Die Insel“ (Rudolf Alexander Schröder und Alfred Walter Heymel waren bis September 1901 Mitherausgeber gewesen), die im Vorjahr den „Marquis von Keith“ vorabgedruckt hatte (unter dem Titel „Münchner Scenen“), schrieb dort: „Der Marquis von Keith, das Schauspiel Frank Wedekinds, das die Leser der Insel unter dem Titel Münchner Scenen kennen gelernt haben, ist am Berliner Residenztheater in Scene gegangen, ohne die Würdigung zu finden, die es [...] verdient. Die Psychologie dieses Misserfolgs ist diese: Das Publikum glaubte sich vom Dichter gefoppt [...]. Wedekinds Stil wird von den Schauspielern noch nicht verstanden [...]. Dramatisch hat das Stück vollständig versagt. Man muss das hinnehmen.“ [Die Insel, Jg. 3, 1. Quartal, Nr. 2, November 1901, S. 169., daß ich in Berlin durchgerasseltAnspielung auf die alles andere als erfolgreiche Uraufführung des „Marquis von Keith“ am 11.10.1901 im Rahmen des 2. Literarischen Abends am Residenztheater in Berlin unter der Regie von Martin Zickel. Das Stück soll nach drei Vorstellungen abgesetzt worden sein [vgl. KSA 4, S. 534], wofür es aber keine Belege gibt (der Presse ist zu entnehmen, dass es nur eine Vorstellung gab, die Uraufführung). bin.

Mit ergebenstem Gruß
Ihr
Frank Wedekind.

Einzelstellenkommentare

Berlin, 25. November 1906 (Sonntag)
von Schröder, Rudolf Alexander
an Wedekind, Frank

Rudolf Alexander SchröderWedekind traf Rudolf Alexander Schröder, den ihm aus München bekannten ehemaligen Mitherausgeber der Zeitschrift „Die Insel“, in Berlin wieder, bei einem Diner wohl am 25.11.1906 im exquisiten Weinlokal F. W. Borchardt (Französische Straße 47/48) [vgl. Berliner Adreßbuch 1907, Teil I, S. 221], an dem außer Julius Meier-Graefe, Gerhard Mutius, Max Reinhardt und Joachim von Winterfeldt auch er selbst und Rudolf Alexander Schröder („Rudi“) teilnahmen, wie Julius Meier-Graefe notierte (schwankend, ob es der 25. oder 26.11.1906 war): „25 oder 26 Herren Diner bei Borchardt, Mutius, Wedekind, Reinhart, Winterfeld, Rudi, ich.“ [Tb Meier-Graefe, S. 31] Das Diner dürfte angesichts der Teilnahme Max Reinhardts und Wedekinds im Anschluss an die vierte Vorstellung von „Frühlings Erwachen“ (am 20.11.1906 war das Stück in den Kammerspielen des Deutschen Theaters unter der Regie von Max Reinhardt uraufgeführt worden), die Wedekind am 25.11.1906 im Tagebuch notierte („Fr. Erw. 4“), stattgefunden haben (Wedekind hat ansonsten für diesen Tag und auch für den 26.11.1906 im Tagebuch nichts notiert).


Berlin W.
13 GenthinerstrasseUnter der Adresse Genthinerstraße 13 (Villa J) sind sowohl der Schriftsteller Julius Meier-Graefe, der eigentlich in Paris lebte, als auch der Schriftsteller Rudolf Alexander Schröder verzeichnet [vgl. Berliner Adreßbuch 1907, Teil III, S. 248]. Rudolf Alexander Schröder wohnte von 1905 bis 1908 als Untermieter in der Berliner Wohnung des mit ihm befreundeten Julius Meier-Graefe, der für 1905 notierte: „Im September Genthinerstr. 13 eingezogen. Schröder kam im Oktober.“ [Tb Meier-Graefe, S. 23]

Einzelstellenkommentare