Briefwechsel

Fulda, Ludwig und Wedekind, Frank

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Berlin, 11. Dezember 1896 (Freitag)
von Wedekind, Frank
an Fulda, Ludwig

CLUBDie 1891 gegründete Deutsche Schriftsteller-Genossenschaft in Berlin (siehe unten), eine soziale, rechtliche und ökonomische Interessenvertretung der Mitglieder dieser Schriftstellervereinigung, auf deren Briefpapier der vorliegende Brief geschrieben ist, betrieb einen „Klub“ [Deutscher Litteratur-Kalender auf das Jahr 1897, Teil I, Sp. 13], der am 26.9.1894 eröffnet wurde, wie aus Otto Erich Hartlebens Brief vom 27.9.1894 an die Gattin von Fritz Rumpf hervorgeht: „gestern bei der Eröffnung unseres neuen Clubs der Schriftsteller-Genossenschaft“ [Heitmüller 1912, S. 214].. DER DEUTSCHEN
SCHRIFTSTELLER-GENOSSENSCHAFTDie Deutsche Schriftsteller-Genossenschaft G.m.b.H. in Berlin (Kronenstraße 61) war für „Manuscripten-Vertrieb an Zeitungen“ [Adreßbuch für Berlin 1897, Teil VI, S. 167] eingetragen.
BERLIN W. 8, KRONEN-STRASSE 61.


Sehr geehrter Herr Doctor,

Herr Liebermann, den ich darum ersuchte mein Stück in seiner WohnungDer Maler Max Liebermann bewohnte eine geräumige Wohnung in Berlin (Pariser Platz 7) [vgl. Adreßbuch für Berlin 1897, Teil I, S. 755]; er war Eigentümer des Hauses [vgl. Adreßbuch für Berlin 1897, Teil III, S. 428]. vorlesenMax Liebermann schilderte Wedekinds „Erdgeist“-Lesung am 16.12.1896 in seiner Wohnung (siehe oben) rückblickend (demnach waren außer ihm selbst Otto Brahm, Otto Erich Hartleben, Paul Schlenther, Ludwig Fulda, Wilhelm Bölsche, Fritz Mauthner, Heinrich und Julius Hart sowie Walter Leistikow anwesend): „Der Vorstand der freien Bühne [...] wurde eingeladen: Brahm, Otto Erich Hartleben, Schlenther, Fulda, Bölsche, Mauthner, die Gebrüder Hart, Leistikow, der [...] sich lebhaft für Literatur interessierte [...]. Dagegen wurde meiner Frau geraten, während der Vorlesung ... spazieren zu gehen. Lag es am Vorleser oder am Stücke, jedenfalls machte der ‚Der Erdgeist‘ gerade die entgegengesetzte Wirkung, die sich Wedekind versprochen hatte: die tragischen Stellen hatten einen starken Heiterkeitserfolg, und namentlich Otto Erich berstete vor Lachen. Darin waren alle einig, meine Wenigkeit eingerechnet, daß eine Aufführung unmöglich sei, ein kolossaler Theaterskandal wäre sonst unvermeidlich.“ [Max Liebermann: Wie ich Wedekind kennen lernte. In: Friedenthal 1914, S. 213] Wedekind wollte mit seiner „Erdgeist“ Lesung die Vorstandsmitglieder des Berliner Theatervereins Freie Bühne zu einer Aufführung des Stückes bewegen [vgl. KSA 3/II, S. 1202, 1214], außerdem die Dramatische Gesellschaft in Berlin (1. Vorsitzender: Ludwig Fulda) [vgl. Neuer Theater-Almanach 1897, S. 281]; die Freie Bühne hatte „Erdgeist“ bereits im Frühjahr 1895 abgelehnt [vgl. Wedekind an Otto Brahm, 3.5.1895] und konnte sich zu einer Aufführung nicht entschließen, mit der Dramatischen Gesellschaft verhandelte Wedekind zu dieser Zeit über eine Aufführung [vgl. Wedekind an Otto Erich Hartleben, 14.11.1896], die ebenfalls nicht stattfand. „Der Erdgeist“ wurde erst am 25.2.1898 durch das Ibsen-Theater im Kristallpalast in Leipzig uraufgeführt. zu dürfen, ging mit großer Liebenswürdigkeit auf mein Ansuchen ein. Erlauben Sie mir die Anfrage ob es Ihnen paßt nächsten Mittwoch den 16den 16.12.1896, an dem die „Erdgeist“ Lesung stattfand (siehe oben)., Mittags zwölf Uhr in seine Wohnung zu kommen. Morgenam 12.12.1896 (Samstag), an dem es Wedekind nicht möglich war, Ludwig Fulda wie angekündigt aufzusuchen [vgl. Wedekind an Ludwig Fulda, 14.12.1896]. Nachmittag zwischen 5 und 6 Uhr17 und 18 Uhr. werde ich mir die Ehre nehmen | persönlich bei IhnenDr. phil. Ludwig Fulda, Schriftsteller, wohnte in Charlottenburg (Uhlandstraße 1, 3. Stock) [vgl. Adreßbuch für Berlin 1897, Teil I, S. 322]. Er „lernte Wedekind am 7.12.1896 kennen“ [Gajek/von Ungern-Sternberg 1988, S. 698]. vorzusprechen. Sollten Sie nicht zu Hause sein, so darf ich Sie wohl darum bitten mir einige Worte zu hinterlassen für den Fall, daß Sie Mittwoch verhindert sein sollten mein Stück zu hören.

Ich bitte Sie von meiner größten Hochschätzung überzeugt sein zu wollen.

Ergebenst
Ihr
Frank Wedekind.


Lindenhotel, Kleine Kirchstraße
(Unter den Linden)

11.12.96.

Einzelstellenkommentare

Berlin, 14. Dezember 1896 (Montag)
von Wedekind, Frank
an Fulda, Ludwig

Otto Erich HartlebenWedekind schrieb den Brief auf dem Briefpapier von Otto Erich Hartleben in Berlin (Karlstraße 32) [vgl. Adreßbuch für Berlin 1897, Teil I, S. 435], dessen Tagebuch (keine Eintragungen vom 7. bis 13.12.1896) Begegnungen mit Wedekind für den 6.12.1896 sowie für den 16. und 17.12.1896 dokumentiert [vgl. Tb Hartleben]; am 14.12.1896 hat Otto Erich Hartleben lediglich notiert: „Aufsichtsrathssitzung der Genossenschaft.“ [Tb Hartleben] Er war Vorsitzender im Aufsichtsrat der Deutschen Schriftsteller-Genossenschaft [vgl. Deutscher Litteratur-Kalender auf das Jahr 1897, Teil I, Sp. 13], auf deren Briefpapier Wedekind den vorangehenden Brief geschrieben hat [vgl. Wedekind an Ludwig Fulda, 11.12.1896].

Berlin N.W., Karlstraße 32.


Sehr geehrter Herr Doctor,

Sonnabendder 12.12.1896 (Samstag), an dem Wedekind Ludwig Fulda in dessen Wohnung in Charlottenburg (Uhlandstraße 1, 3. Stock) [vgl. Adreßbuch für Berlin 1897, Teil I, S. 322] zwischen 17 und 18 Uhr aufzusuchen angekündigt hatte [vgl. Wedekind an Ludwig Fulda, 11.12.1896]. Abend habe ich mich leider verspätet sonst wäre ich hierher gekommen, und dann hoffte ich Sie eventuell Abends in der FahnenweiheJosef Ruederers Lustspiel „Die Fahnenweihe“ (1895) hatte am 12.12.1896 (Samstag) um 20.30 Uhr im Theater des Westens in Berlin (Kantstraße 12, am Bahnhof Zoologischer Garten) öffentliche Premiere: „Abends 8½ Uhr, zum ersten Male: Die Fahnenweihe. Eine Komödie in drei Acten von Josef Ruederer.“ [Berliner Tageblatt, Jg. 25, Nr. 632, 12.12.1896, Morgen-Ausgabe, 1. Beiblatt, S. (4)] Das Stück des mit Wedekind befreundeten Autors war zuvor am 29.11.1896 durch die Dramatische Gesellschaft in Berlin (1. Vorsitzender: Ludwig Fulda) [vgl. Neuer Theater-Almanach 1897, S. 281] uraufgeführt worden: „Die neugegründete ‚Dramatische Gesellschaft‘ hat gestern unter den günstigsten Auspizien ihren ersten Schritt ins Leben gethan. Die dreiaktige Komödie ‚Die Fahnenweihe‘ von Josef Ruederer, die sie ihren Mitgliedern bei der gestrigen Matinée im Theater des Westens als erste Gabe bot, wurde mit lebhaftem, durchaus unbestrittenem Beifall aufgenommen.“ [Norddeutsche Allgemeine Zeitung, Jg. 36, Nr. 562, 30.11.1896, Abend-Ausgabe, S. 2] zu treffen. Jetzt habe ich noch den ersten Aktvon Wedekinds Tragödie „Der Erdgeist“ (1895), die er am 16.12.1896 vorlas (siehe unten) und Ludwig Fulda dazu bereits eingeladen hatte [vgl. Wedekind an Ludwig Fulda, 11.12.1896]. durchzuarbeiten. Ihr Erscheinen wird mir von sehr hohem Werth sein. Herr Liebermann wohnt Pariser Platz 7. (Mittwochder 16.12.1896, an dem Wedekinds „Erdgeist“-Lesung in der Wohnung von Max Liebermann (Pariser Platz 7) [vgl. Adreßbuch für Berlin 1897, Teil I, S. 755] stattfand; Max Liebermanns Erinnerung zufolge waren außer ihm selbst bei der Lesung Otto Brahm, Otto Erich Hartleben, Paul Schlenther, Ludwig Fulda, Wilhelm Bölsche, Fritz Mauthner, Heinrich und Julius Hart sowie Walter Leistikow anwesend und es „machte der ‚Der Erdgeist‘ gerade die entgegengesetzte Wirkung, die sich Wedekind versprochen hatte: die tragischen Stellen hatten einen starken Heiterkeitserfolg, und namentlich Otto Erich berstete vor Lachen.“ [Friedenthal 1914, S. 213]. 12 Uhr)

In größter Hochschätzung
Ihr
Frank Wedekind.


Lindenhotel, Kleine Kirchstraße.

14.12.96.

Einzelstellenkommentare

Berlin, 21. Dezember 1896 (Montag)
von Wedekind, Frank
an Fulda, Ludwig

Sehr geehrter Herr Doctor,

mit gleicher PostHinweis auf ein nicht überliefertes Begleitschreiben zur Sendung; erschlossenes Korrespondenzstück: Wedekind an Ludwig Fulda, 21.12.1896. – Wedekind versandte ein nicht überliefertes Manuskript seines Stücks, das unter dem Titel „Die junge Welt. Comödie in drei Aufzügen und einem Vorspiel“ Ende 1897 verlegt von W. Pauli’s Nachfolger (H. Jerosch) in Berlin erschien [vgl. KSA 2, S. 646], eine Neubearbeitung von „Kinder und Narren. Lustspiel in vier Aufzügen“ (1891), das seinerzeit als Privatdruck bei R. Warth in München herausgekommen ist [vgl. KSA 2, S. 643]. erlaube ich mir, Ihnen „Die Junge WeltWedekind hoffte, die Dramatische Gesellschaft in Berlin, deren 1. Vorsitzender Ludwig Fulda war [vgl. Neuer Theater-Almanach 1897, S. 281], werde sein Lustspiel „Die junge Welt“ (siehe oben) uraufführen; er stand „in Verhandlungen mit Ludwig Fulda und Otto Erich Hartleben vom Vorstand der Berliner Dramatischen Gesellschaft, die das Stück am Berliner Residenztheater auf die Bühne bringen wollten. Das Projekt scheiterte“ – wenige Wochen vor der für den 15.2.1897 „geplanten Uraufführung“ [KSA 2, S. 631], deren Termin gesetzt war [vgl. Wedekind an Hans Richard Weinhöppel, 17.1.1897] und der Aufführungsplan sich zu realisieren schien [vgl. Wedekind an Otto Erich Hartleben, 18.1.1897].“ zuzuschicken. Das Stück hieß ursprünglich „Kinder und Narren“, ein Titel den ich gern wieder aufnehmen würde, wenn er nicht zu prätenziös klingt. Nach Weihnachten werde ich so frei sein wieder bei Ihnen vorzusprechenWedekind hatte Ludwig Fulda, wie aus dessen Tagebuch hervorgeht, am 19.12.1896 besucht [vgl. Gajek/von Ungern-Sternberg 1988, S. 700]. Ein weiteres Treffen zwischen Weihnachten und Neujahr ist nicht nachweisbar..

Genehmigen Sie bitte die Versicherung meiner größten Hochschätzung.
Frank Wedekind.


21.12.96.

Lindenhotel, Kleine Kirchgasse.

Einzelstellenkommentare

Berlin, 21. Dezember 1896 (Montag)
von Wedekind, Frank
an Fulda, Ludwig

[Hinweis in Wedekinds Brief an Ludwig Fulda vom 21.12.1896 aus Berlin:]


[...] mit gleicher Post erlaube ich mir, Ihnen „Die Junge Welt“ zuzuschicken.

Einzelstellenkommentare

Charlottenburg, 23. Dezember 1896 (Mittwoch)
von Fulda, Ludwig
an Wedekind, Frank

Dankbrief an Wedekind für das Fulda übersandte Exemplar von „Die Junge Welt“. Fulda hatte sich offenbar positiv hinsichtlich einer Uraufführung des Dramas durch die Dramatische Gesellschaft zu Berlin geäußert [vgl. Wedekinds Brief an Fulda vom 21.12.1896].[1. Hinweis in Wedekinds Brief an Ludwig Fulda vom 24.12.1896 aus Berlin:]


Ihre freundlichen Zeilen machen mich sehr glücklich.


[2. Hinweis nach Ludwig Fuldas Tagebuch vom 23.12.1896 (Gajek/von Ungern-Sternberg 1988, S. 700):]


F. antwortet am 23.12.1896 (Tgb. [...]) [...]

Einzelstellenkommentare

Berlin, 24. Dezember 1896 (Donnerstag)
von Wedekind, Frank
an Fulda, Ludwig

CLUB DER DEUTSCHEN
SCHRIFTSTELLER-GENOSSENSCHAFT
BERLIN W. 8, KRONEN-STRASSE 61.


Sehr geehrter Herr Doctor,

Ihre freundlichen Zeilennicht überliefert; erschlossenes Korrespondenzstück: Ludwig Fulda an Wedekind, 23.12.1896. – Ludwig Fulda hatte sich in seinem Dankschreiben für das ihm übersandte Exemplar von „Die junge Welt“ [vgl. Wedekind an Ludwig Fulda, 21.12.1896] offenbar für eine Aufführung des Stücks durch die Dramatische Gesellschaft in Berlin ausgesprochen, die allerdings nicht realisiert wurde. machen mich sehr glücklich. Ich denke, das Beste ist nun, ich lade die übrigen Herren des VorstandesDer Vorstand der Dramatischen Gesellschaft in Berlin setzte sich wie folgt zusammen: „1. Vorsitzender Dr. Ludwig Fulda, 2. Vorsitzender Dr. Bruno Wille. 1. Schriftführer Otto Ploecker-Eckardt, 2. Schriftführer Dr. J. Lehmann. Schatzmeister Rechtsanwalt Dr. R. Grelling. Beisitzer: Otto Neumann-Hofer, Regisseur Lessing, Otto Erich Hartleben.“ [Neuer Theater-Almanach 1897, S. 281] noch einmal zusammen, sei es bei LiebermannMax Liebermann hatte Wedekind für die „Erdgeist“-Lesung am 16.12.1896 seine Berliner Wohnung zur Verfügung gestellt [vgl. Wedekind an Ludwig Fulda, 11.12.1896]. oder im Sitzungszimmer des GenossenschaftsklubDie Deutsche Schriftsteller-Genossenschaft in Berlin, auf deren Briefpapier der vorliegende Brief geschrieben ist, verfügte über einen „Klub“ [Deutscher Litteratur-Kalender auf das Jahr 1897, Teil I, Sp. 13], dessen Räumlichkeiten sich in der Kronenstraße 61 befanden (siehe Briefkopf). und lese Ihnen das Stück vor. Nächster Tage werde ich mir das Vergnügen machen, Sie bei aufzusuchenWedekind hatte Ludwig Fulda am 19.12.1896 aufgesucht [vgl. Wedekind an Ludwig Fulda, 21.12.1896]; ein weiterer Besuch ist nicht nachweisbar.. Das Paar Oscar-Ricardadie Figuren Dr. med. Oskar von Klenke und Ricarda Russ in „Die junge Welt“ [vgl. KSA 2, S. 202]. Wedekind hat die Begegnung des Paars in der Szene III/4 stark überarbeitet [vgl. KSA 2, S. 656]. war von jeher die Achillesverseverwundbare Stelle in einem übergeordneten Zusammenhang (Metapher nach der griechischen Sagengestalt des Achilles, dessen Ferse seine einzige verwundbare Stelle war). | des Ganzen. Ich habe schon sehr viel daran corrigirt und stehe ihr jetzt ganz eindruckslos gegenüber. Um so werthvoller würde mir jeder Fingerzeig sein, den Sie mir vielleicht zu Theil werden liessen. Was den Titel betrifftWedekind hatte mit dem Gedanken gespielt, seinem Lustspiel „Die junge Welt“ wieder den ursprünglichen Titel „Kinder und Narren“ zu geben [vgl. Wedekind an Ludwig Fulda, 21.12.1896] – Ludwig Fulda hat sich offenbar dagegen ausgesprochen. füge ich mich ebenso Ihrem Eindruck.

Mit herzlichem Dank und in größter Hochschätzung
Ihr
Frank Wedekind.


24.12.96.

Einzelstellenkommentare

München, 1. November 1910 (Dienstag)
von Wedekind, Frank
an Fulda, Ludwig

Sehr geehrter Herr DoctorDr. phil. Ludwig Fulda, Schriftsteller, wohnte inzwischen in Berlin (Kaiserallee 20) [vgl. Berliner Adreßbuch 1911, Teil I, S. 729], wo Wedekind ihn bei seinem Gastspielaufenthalt in Berlin vom 30.9.1910 bis 20.10.1910 nachweislich zweimal getroffen hat – dem Tagebuch zufolge am 15.10.1910 nach dem Theater in größerer Runde („Nachher Landsberger Gesellschaft. Fulda Karl Hauptmann Reike Frau Goldmann Brandes Reinhardt Barnowsky“) und am 16.10.1910 („Unbehagliches Abendessen bei Steinert in Charlottenburg“) nach dem Theater wiederum in größerer Runde bei einem Essen für Carl Hauptmann auf Einladung von Max Reinhardt, bei dem Georg Reicke, Arthur Landsberger, Ludwig Fulda, Georg Brandes und Wedekind geladen waren [vgl. Berger 2001, S. 192].!

Wollen Sie mir gestatten, Ihnen zuerst zu dem großen unbestrittenen ErfolgLudwig Fulda Schauspiel „Herr und Diener“ ist am 29.10.1910 im Deutschen Theater zu Berlin (Direktion: Max Reinhardt) unter der Regie von Felix Hollaender uraufgeführt worden. Die Berliner Theaterkritik urteilte überwiegend positiv; so sprach Fritz Engel von einem „starken Erfolg“, Ludwig Fulda sei „in ganz überraschender Weise über sich selbst hinausgestiegen.“ [F.E.: Fuldas „Herr und Diener“. In: Berliner Tageblatt, Jg. 39, Nr. 552, 30.10.1910, Morgen-Ausgabe, S. (2)] von Herr und Diener meinen aufrichtigen herzlichen Glückwunsch auszusprechen. Sodann habe ich Ihnen immer noch zu danken für die herzliche Art, mit der Sie meinen | Wunsch, der Gesellschaft Dramatischer AutorenSchreibversehen, statt: Verband Deutscher Bühnenschriftsteller – gemeint ist der 1908 gegründete und in Berlin (Königgrätzer Straße 76) ansässige „Verband Deutscher Bühnenschriftsteller zur Organisation des Bühnenvertriebes“ [Berliner Adreßbuch 1911, Teil I, S. 3085], dessen Vorsitzender Ludwig Fulda war. Der Vorstand setzte sich wie folgt zusammen: „Vorsitzende: Dr. Max Dreyer und Dr. Ludwig Fulda. Schriftführer: Dr. Artur Dinter. Stellv. Schriftführer: Dr. Richard Fellinger. Schatzmeister: Dr. Jon Lehmann. Stellv. Schatzmeister: Richard Schott.“ [Neuer Theater-Almanach 1911, S. 209] anzugehören entgegennahmenWedekind dürfte mit Ludwig Fulda am 15. oder 16.10.1910 in Berlin (siehe oben) über seine Aufnahme als Mitglied des Verbandes Deutscher Bühnenschriftsteller gesprochen haben., und für die große Freundlichkeit, bei meiner AufnahmeMitglieder der „Aufnahmekommission“ des Verbandes Deutscher Bühnenschriftsteller waren: „Dr. Oscar Blumenthal, Dr. Artur Dinter, Dr. Max Dreyer, Georg Engel, Rudolf Herzog.“ [Neuer Theater-Almanach 1911, S. 209] mein Pathe zu sein. Herr Dr. DinterDr. Artur Dinter, Schriftsteller und Direktor der Vertriebsstelle des Verbandes Deutscher Bühnenschriftsteller in Berlin (Händelstraße 20) [vgl. Berliner Adreßbuch 1911, Teil I, S. 481], war nicht nur Direktor [vgl. Neuer Theater-Almanach 1911, S. 209], sondern auch Mitglied der Aufnahmekommission des Verbandes Deutscher Bühnenschriftsteller (siehe oben). sandte mir dieser Tage eine Einladungnicht überliefert; erschlossenes Korrespondenzstück: Artur Dinter an Wedekind, 28.10.1910., an einer gemütlichen Vereinigung am Nollendorfplatz theilzunehmen. Leider bin ich durch Geschäfte hier in München zurückgehalten. Ich hätte sonst gerne mit Ihnen, | verehrter Herr Doctor, den Erfolg Ihres Dramas gefeiert.

Mit der höflichen Bitte, mich Ihrer verehrten Frau GemahlinHelene Fulda (geb. Grinvalszky, genannt Hermann), Tochter des Schauspielers Karl Hermann und Ludwig Fuldas zweite Ehefrau, die ihn am 8.12.1908 in Frankfurt am Main geheiratet hat. zu empfehlen und bestem Gruß

Ihr ergebener
Frank Wedekind.


München. 1.11.10.

Einzelstellenkommentare