Briefwechsel

Altenberg, Peter und Wedekind, Frank

5 Dokumente

Wien, 13. Mai 1901 (Montag)
von Rößler, Carl und Altenberg, Peter
an Wedekind, Frank

Post-Karte.


An Herrn
F/F/rank Wedekind
Schauspielerin
in München
Franz Josefstr 42II |


Wiener Rathhaus-Keller. Schuster-Loge.


Unerhört schön ist’s in WienCarl Rößler (Pseudonym: Franz Ressner) war als Ensemblemitglied zu einem Gastspiel mit Ernst von Wolzogens Buntem Theater (Überbrettl) vom 2. bis 11.5.1901 am Carl-Theater [vgl. Wiener Allgemeine Zeitung, Nr. 6943, 3.5.1901, S. 8; Nr. 6950, 11.5.1901, S. 8] in Wien.! Wann kommt da das Ueberbrettl

Ressner


Herzlichsten Gruß Peter Altenberg


Einzelstellenkommentare

Wien, 20. Januar 1902 (Montag)
von Altenberg, Peter, Obertimpfler, Lina, Nowotny, Emilian, Dülberg, Helene, Janikowski, Ludwig von und Loos, Adolf
an Wedekind, Frank

Postkarte.


An Frank Wedekind
in München, TürkenstraßeAdresse des Münchner Kabaretts Die Elf Scharfrichter (Türkenstraße 28), dessen Mitglied Wedekind war.
bei den „11 Scharfrichtern“ |


Ich habe wieder das Bedürfnis, Ihnen einen Gruß zu senden!
Peter AltenbergPeter Altenberg lebte als Schriftsteller in „Wien I, Herrengasse, Café Central“ [Deutscher Litteratur-Kalender auf das Jahr 1902, Teil II, Sp. 15].


Lina ObertimpflerLina (Karoline) Obertimpfler in Wien (I, Ballgasse 6) [vgl. Lehmann’s Allgemeiner Wohnungs-Anzeiger für Wien 1902, Teil VII, S. 854], Tochter eines Wiener Kaffeehauspächters (er betrieb seit 1897 das Café Casa Piccola in der Mariahilfer Straße 1a, in dem Peter Altenberg Stammgast war), Kabarettkünstlerin; sie war vermutlich bereits mit Adolf Loos (siehe unten) liiert, dessen Bekanntschaft sie durch ihre Schwester Helene Dülberg (siehe unten) gemacht hat, den sie am 21.7.1902 in Wien heiratete (Scheidung 1905).


WienBelvedere


Ich liebe alles „Ganze“, – deshalb schätze ich Sie hoch! Helene DülbergHelene Dülberg (geb. Obertimpfler), Schauspielerin und Schriftstellerin, ältere Schwester von Lina Opertimpfler (siehe oben).


Schlachten Sie nur so fortAnspielung auf Wedekinds Gedicht „Der Tantenmörder“ („Ich hab’ meine Tante geschlachtet“ [KSA 1/I, S. 432] lautet der Auftakt), das zu seinem Repertoire bei den Elf Scharfrichtern gehörte.! Adolf LoosAdolf Loos, bekannter Architekt und Kunstschriftsteller in Wien (I, Kärnthnerstraße 55) [vgl. Lehmann’s Allgemeiner Wohnungs-Anzeiger für Wien 1902, Teil VII, S. 722], gehörte zum Freundeskreis von Peter Altenberg; er heiratete am 21.7.1902 in Wien Lina Obertimpfler (siehe oben).. E Nowotnynicht sicher identifiziert; es dürfte sich aber um den Bahn-Beamten Emilian Nowotny in Wien (X, Himbergerstraße 26) [vgl. Lehmann’s Allgemeiner Wohnungs-Anzeiger für Wien 1902, Teil VII, S. 850] handeln, wohl ein Bekannter von Ludwig von Janikowski (siehe unten).


[am linken Rand, um 90 Grad gedreht:]

JanikowskiLudwig von Janikowski, Bahn-Commissär in Wien (VII, Neustiftgasse 39) [vgl. Lehmann’s Allgemeiner Wohnungs-Anzeiger für Wien 1902, Teil VII, S. 505], wo er seit 1901 für das k.k. Eisenbahn-Ministerium tätig war, verkehrte in Künstlerkreisen und gehörte zum Freundeskreis von Peter Altenberg und Adolf Loos.

Einzelstellenkommentare

Wien, 20. April 1902 (Sonntag)
von Altenberg, Peter
an Wedekind, Frank

Correspondenz-Karte.


An
Frank Wedekind
in München
TürkenstrasseAdresse des Münchner Kabaretts Die Elf Scharfrichter (Türkenstraße 28), dessen Mitglied Wedekind war., bei den
11 Scharfrichtern


Nur für die Adresse. |


GRUSS aus WIEN


Ich liebe Sie!

Peter Altenberg


Münchener
LÖWENBRÄUPeter Altenberg dürfte die Bildpostkarte in der Löwenbräu-Bierhalle in Wien (I, Teinfaltstraße 12) [vgl. Lehmann’s Allgemeiner Wohnungs-Anzeiger für Wien 1902, Teil IV, S. 1540], Vertrieb der Münchner Aktienbrauerei Löwenbräu durch den Wiener Gastwirt Johann Keip [vgl. Lehmann’s Allgemeiner Wohnungs-Anzeiger für Wien 1902, Teil VII, S. 551], geschrieben haben, eines seiner Stammlokale.
Bierhalle



Einzelstellenkommentare

Wien, 11. September 1904 (Sonntag)
von Kraus, Karl und Altenberg, Peter
an Wedekind, Frank

Correspondenz-Karte.


An H. w.

Herrn
Frank Wedekind
in München
Franz j/J/osefstraße 42 |


Herzlichsten DankKarl Kraus bedankt sich für das ihm von Wedekind zugesandte Manuskript „Das Lied vom armen Kind“ [vgl. Wedekind an Karl Kraus, 6.9.1904]. und schönsten Gruß von

Ihrem
aufrichtig
ergebenen
Karl Kraus


Allerherzlichst

Peter Altenberg


Wien. Graben. Bitte auch Herrn Dr Blei bestens zu grüßenFranz Blei hatte durch Wedekind Grüße an Karl Kraus übermittelt lassen [vgl. Wedekind an Karl Kraus, 6.9.1904].!

Einzelstellenkommentare

München, 24. Juli 1914 (Freitag)
von Wedekind, Frank
an Altenberg, Peter

München, 24. Juli 1914.


Lieber verehrter Herr Peter AltenbergPeter Altenberg lebte als Schriftsteller in Wien (Semmering, Hotel Panhans) [vgl. Kürschners Deutscher Literatur-Kalender auf das Jahr 1914, Teil II, Sp. 17].!

Hochherzige FreundeHerbert Eulenberg, Maximilian Harden, Friedrich Kayßler, Thomas Mann, Kurt Martens, Georg Müller, Joachim Gans zu Putlitz, Felix Salten und Hans von Weber, das Komitee, das folgenden Aufruf veröffentlicht hatte: „Am vierundzwanzigsten Juli 1914 wird Frank Wedekind fünfzig Jahre alt. Um diesem Dichter, der als einer unserer bedeutendsten Dramatiker um die Freiheit seines Schaffens bis auf den heutigen Tag schwer kämpfen und leiden mußte, einen schwachen Entgelt hierfür und besonders ein Zeichen öffentlicher Verehrung zu bieten, hat sich das unterzeichnete Komitee gebildet. An alle Freunde der Persönlichkeit und des Werkes von Frank Wedekind ergeht die Bitte, sich durch Stiftung einer Summe zu der geplanten Ehrengabe, die dem Dichter an seinem Geburtstag überreicht werden soll, an dieser Feier zu betheiligen und in ihren Kreisen dafür zu wirken. Die Zahlung der Beiträge, zu denen das Komitee mit tausend Mark den Grund gelegt hat, wird an das Check-Konto ‚Ehrengabe Frank Wedekind‘ der Bayerischen Vereinsbank in München, Promenadestraße 1, erbeten. Quittung über die Beiträge erfolgt im ‚Neuen Merkur‘ (Verlag Georg Müller) und im ‚Zwiebelfisch‘ (Verlag Hans von Weber). Herbert Eulenberg. Maximilian Harden. Friedrich Kayßler. Thomas Mann. Kurt Martens. Georg Müller. Baron von Putlitz, General-Intendant. Felix Salten. Hans von Weber.“ [Die Zukunft, Jg. 22, Nr. 35, 30.5.1914, S. 302] deutscher Dichtung schenkten mir zum fünfzigsten Geburtstage eine EhrengabeDer Aufruf zu einer Ehrengabe erschien nicht nur in der von Maximilian Harden herausgegebenen Wochenschrift „Die Zukunft“ (siehe oben), sondern wurde in zahlreichen Zeitschriften und vor allem Zeitungen veröffentlicht, etwa in den „Münchner Neuesten Nachrichten“ [vgl. Ein neuer Aufruf für Frank Wedekind. In: Münchner Neuesten Nachrichten, Jg. 67, Nr. 258, 21.5.1914, Vorabendblatt, S. 2], den „Dresdner Neuesten Nachrichten“ [vgl. Eine Ehrengabe für Wedekind. In: Dresdner Neuesten Nachrichten, Jg. 12, Nr. 135, 20.5.1914, S. 3] oder im „Berliner Tageblatt“ [vgl. Eine Ehrengabe für Wedekind. In: Berliner Tageblatt, Jg. 43, Nr. 265, 27.5.1914, Abend-Ausgabe, S. (2)]; er dürfte am 18.5.1914 an die Presse verschickt worden sein, wie einige Zeitungen mitteilen: „Das Komitee zur Ehrung Frank Wedekinds schickt uns unter dem 18. Mai einen Aufruf zu einer Ehrengabe für Frank Wedekind“ [Dichterehrung. In: Der Beobachter, Jg. 84, Nr. 116, 20.5.1914, S. (3)]. in ansehnlicher Höheeine Summe von 6433 Mark, wie die Presse berichtete: „Frank Wedekind, der heute seinen 50. Geburtstag feiert, wurde vom Komitee zur ‚Wedekind-Ehrung‘ eine Ehrenspende in Höhe von 6433 Mk. überreicht. Wedekind hat sofort die Spende in sechs gleiche Teile geteilt und sie an sechs Schriftsteller übersandt. Je 1000 Mk. hat er dem Lyriker Georg Busse-Palma, der krank in einer Nervenheilanstalt liegt, Hanns v. Gumppenberg in München, der kürzlich in einer kleinen Schrift die Geschichte seiner ewigen Verkanntheit erzählt hat, Arno Holz-Berlin, Peter Altenberg-Wien, dem fast verschollenen Lyriker Franz Evers und Paul Scheerbart-Berlin gestiftet. Gleichzeitig richtete er an sie ein Schreiben, worin er sie bittet, die Spenden anzunehmen. Er will damit seinen Gefühlen der Hochschätzung Ausdruck geben und auf das reiche Lebenswerk der Schriftsteller aufmerksam machen.“ [Wedekind-Ehrungen. In: Dresdner Nachrichten, Jg. 58, Nr. 204, 25.7.1914, Abend-Ausgabe, S. (1)]. Wollen Sie mir die Freude bereiten, einen kleinen Teil1000 Mark (siehe oben), knapp der sechste Teil der Gesamtsumme, über die Artur Kutscher mitteilte: „Die eingelaufene Summe von 6433 Mark gab Wedekind zu gleichen Teilen an Georg Busse-Palma, Peter Altenberg, Franz Evers, Hanns v. Gumppenberg, Arno Holz und Paul Scheerbart und wünschte damit zugleich auf das reiche Lebenswerk jener hinzuweisen.“ [Kutscher 3, S. 175f.] Erhalten ist ein weiterer Brief [vgl. Wedekind an Hanns von Gumppenberg, 24.7.1914], dazu kommen vier nicht überlieferte Briefe; erschlossene Korrespondenzstücke: Wedekind an Georg Busse-Palma, 24.7.1914; Wedekind an Franz Evers, 24.7.1914; Wedekind an Arno Holz, 24.7.1914; Wedekind an Paul Scheerbart, 24.7.1914. dieser Gabe als Ausdruck der Gefühle des Dankes und der Verehrung entgegenzunehmen, die alle Kenner Ihrer Werke seit vielen Jahren für Ihre Dichtungen hegen. Einzig und allein das Bestreben, das Augenmerk unseres Volkes mit Nachdruck auf Ihr reiches Lebenswerk und auf die bedeutenden Verdienste zu lenken, die Sie sich um die deutsche Literatur erworben haben, gibt mit den Mut, diese Bitte an Sie zu richten.

In grösster Hochschätzung
Ihr ergebener
Frank Wedekind.


Einlage: Ein CheckDie Beilage, ein Scheck über 1000 Mark (siehe oben), ist nicht überliefert.

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