GoldbachOrtsteil von Küsnacht am Zürichsee. Wedekind dürfte sich noch in Zürich aufgehalten haben; er meldete sich erst am 21.3.1896 in München an – in der Wohnung Adalbertstraße 34 [vgl. EWK/PMB Wedekind]. 8.III.96.
Lieber Freund!
Meine SchwesterHermine Schädeli (geb. Straub), verheiratet mit Eduard Schädeli (Heirat am 27.3.1890 in Freiburg im Breisgau). hat den edlen Entschluß gefaßt, sich
von ihrem Mann trennen resp. scheiden zu lassen. Zu diesem Zweck bittet sie
mich für einige Zeit um Gastfreundschaft. Allein hier sein ist, meiner Meinung
nach, für ihren aufgeregten Zustand nicht sehr zuträglich. So möchte ich denn
mich entschließen zurückzukommen, um „Schwesterlein liebFormel in populärer Lyrik, in Märchen, Volksliedern, Kinderliedern.“ in
meine Häuslichkeit einzuführen. | Lange werde ich ja nicht hierbleiben, bis
Ende des Monates höchstens.
Sollten Sie nun Lust haben, mich einmal wiederzusehen während dieser Zeit, so kommen Sie recht
bald mal nach Goldbach.
Meine Schwester (nebst ihrem ungezogenen Herrn
Sohnnicht identifiziert.) wird Ihnen als Gegenstück zu mir vielleicht auch ganz interessant sein.
Sicherer ist, wenn Sie mich durch eine Karte von
Ihrem Kommen unterrichten. Meine Schwester liebt die
Abwechslung, wir sind also wahrscheinlich nicht immer zu Hause. |
Wie ich von Herrn Nolernicht identifiziert. hörte, haben Sie Besuch
von Ihrem Herrn Brudervon Donald Wedekind, da Armin Wedekind in Zürich wohnte (Seefeldstraße 81) [vgl. Adressbuch der Stadt Zürich für 1896, Teil I, S. 541]., wollen Sie denselben mitbringen, wird es uns natürlich
freuen.
Ich nehme an, daß es Sie freut, mich so
unerwartet früh wiederzusehen und sage: auf Wiedersehen!
Ihre
Nejma Welzel.