GRAND HOTEL DE RUSSIE
ROME
Geliebteste Tilly!
Seit gestern Abend bin ich hier. Die Fahrt war herrlichWedekind, der am 19.6.1913 abends mit dem Zug nach Rom von München abgefahren ist, notierte am 20.6.1913: „Herrliche Fahrt.“ [Tb] aber
sehr heiß. Ich war für die Strecke München Rom thatsächlich der einzige
Passagier im ganzen
Zug. Von Fl/M/antua
bis Florenz fuhr noch ein Ehepaar mit. Die Schönheit der italienischen Landschaft
übertraf weit meine Vorstellung davon. Dabei schrieb ich ununterbrochen an der
letzten Szcene Wettersteinin „Schloß Wetterstein“ (1914) die Schlussszene III/8 [vgl. KSA 7/I, S. 225f.], die auf Ringbuchblättern vorgenommene Umarbeitung in Verse [vgl. KSA 7/II, S. 693] für den Abdruck in Band 6 der „Gesammelten Werke“ (1914) im Georg Müller Verlag [vgl. KSA 7/II, S. 658].. | Diesen Morgen ging ich zuerst den Fluß
entlangden Tiber entlang, an dem die Engelsburg liegt. an der Engelsburg vorbei in die Peters kircheWedekind notierte am 21.6.1913 seine Besichtigung des Petersdoms: „Peterskirche.“ [Tb]. Dann bis zu den Ruinenzum Forum Romanum, das 1871 bis 1905 archäologisch neu erschlossen worden ist.
und auf den Monte Palatinoder Palatin, einer der sieben Hügel Roms, der Sage nach Gründungsort der Stadt.. Jetzt werd ich mich etwas zu Ruhe legen.
Ich hoffe, daß es Euch allen gut geht. Wenn Du Geld brauchst
dann schreib es bitte rechtzeitig da ich es von München aus schicken lassen
muß. Wie lang ich hier bleibe wird vor allem davon abhängen, wie ich die Hitze
vertrage die | hier herrscht. Bis jetzt scheint sie mir sehr wohlthuend. Grüße Mama
und die Kinder. Mit innigstem Kuß an Dich, geliebte, Tilly, Dein
treuer
Frank.
21.6.13.